Schauspieler Damon (M.) in »Odyssee«: Möge der Kulturkampf beginnen
Lange schon wurde nicht mehr so leidenschaftlich und so breitenwirksam über einen Film gestritten wie über »Odyssee«. Den vollmundigsten Verriss lieferte aber nicht etwa eine Filmkritikerin, sondern eine Altphilologin.»Ich würde mich dafür schämen, wenn ich davon auch nur einen kleinen Teil geschrieben hätte.« Das Urteil von Emily Wilson könnte nicht harscher sein. In einer Besprechung für die »London Review of Books« zerlegt die britische Wissenschaftlerin und Übersetzerin Christopher Nolans 250-Millionen-Dollar-Epos so lustvoll wie vernichtend. Der Film entbehre jeglicher »psychologischer, emotionaler, politischer und ethischer Tiefe«. Zudem finde Nolan keine überzeugende Erzählung zu den Themen Zeit, Erinnerung und Geschichte.
Autorin Joyce Carol Oates: Wie polemisch darf eine Filmkritik sein?
Wilsons zum Teil polemisch überspitzte Aburteilung hat Gewicht. Schließlich lieferte sie 2017 mit ihrer Übersetzung nicht nur eine gefeierte, moderne Version der »Odyssee« – Nolan berief sich bei der Entwicklung seines Filmstoffs auch immer wieder begeistert auf diese Übersetzung und Deutung . Gut möglich, dass der Regisseur schwer geknickt ist über die Watsche aus berufenem Munde.















