ErklärtDie Investorenpläne der Fifa: Worum es geht – und warum sie auf Widerstand stossenPräsident Gianni Infantino will einen Teil der kommerziellen Rechte an den Fifa-Turnieren an private Investoren abgeben. Seine Pläne stossen auf viel Kritik im Weltfussball. Die wichtigsten Fragen und Antworten.31.07.2026, 13.13 Uhr5 LeseminutenDie Fifa will einen Teil der kommerziellen Rechte an ihren Turnieren an private Investoren verkaufen.Steven Senne / APInhaltsverzeichnisWas plant die Fifa?Wer sind die privaten Investoren?Wer ist gegen die Investorenpläne?Warum lehnt die Uefa Infantinos Pläne rundum ab?Welche Konsequenzen hat der angedrohte Fifa-Boykott der Uefa?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Was plant die Fifa?Der Fifa-Präsident Gianni Infantino will einen Teil der kommerziellen Rechte an ihren Turnieren an private Investoren verkaufen. Zu diesem Zweck soll die neue Firma Fifa Forward Enterprise gegründet werden. Mit dem Tochterunternehmen werden sämtliche wichtigen Geschäfte über alle Fifa-Wettbewerbe hinweg gebündelt; von den Übertragungs- und Sponsoringrechten über das Ticketing und bis hin zur Lizenzierung. Der Wert dieses neuen Tochterunternehmens soll rund 20 Milliarden Dollar betragen.Die Fifa ist zwar Mehrheitsbesitzerin der neuen Firma, aber 20 bis 30 Prozent der Anteile sollen an private Geldgeber veräussert werden. Infantino versichert, dass die Investoren keinerlei Einfluss auf Turnierformate, Kalender oder Spielregeln haben werden.Wer sind die privaten Investoren?Joshua Kushner, der Bruder von Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, ist mit seiner Investmentgesellschaft Thrive Capital federführend. Kushner soll unter anderem mithilfe der amerikanischen Bank JP Morgan Investoren für die Minderheitsbeteiligung von 4,2 Milliarden Dollar zusammenbringen.Jedem der 211 Mitgliedsverbände will Infantino bei einer Zustimmung im Januar 40 Millionen Dollar auszahlen. 20 als einmalige Sonderzahlung bei einem Ja, 20 weitere, weil sich die Fördergelder im Zyklus von 2027 bis 2031 von 8 auf 20 Millionen pro Verband erhöhen würden. Bei einer Ablehnung gibt es nur 10 Millionen Dollar.Gehört zur erweiterten Familie von US-Präsident Donald Trump: Joshua Kushner soll eine Schlüsselrolle beim Fifa-Plan spielen.James Devaney / GettyWer ist gegen die Investorenpläne?Die Kritik an den Plänen von Gianni Infantino ist gross. Besonders aus dem Fussball-Mutterkontinent Europa gibt es Widerstand. Er reicht von der EU-Kommission über Staatsoberhäupter bis zu Klubmanagern wie Bayern Münchens Max Eberl. Auch die Uefa stellt sich gegen den geplanten Investorendeal. Am Donnerstag verkündete sie nach einer Dringlichkeitssitzung, dass alle 55 Mitgliedsnationen bis auf weiteres alle Wettbewerbe der Fifa boykottieren. Der Boykott gelte, solange die Pläne der Fifa im Raum stünden. Die WM sei kein «Anlageprodukt», hiess es in einer Pressemitteilung. Infantinos Pläne seien «unverantwortlich und nicht zu rechtfertigen».Für den Schweizerischen Fussballverband (SFV) nahmen Zentralpräsident Peter Knäbel und Generalsekretär Robert Breiter an der virtuellen Aussprache der Uefa teil. Peter Knäbel zeigte sich in einer Stellungnahme des SFV beeindruckt davon, wie geschlossen die europäischen Verbände die Pläne der Fifa zurückgewiesen haben, nachdem alle Informationen über das Vorgehen und die Tragweite dieses Vorhabens bekanntgeworden waren. «Die Weiterentwicklung des Fussballs erfordert finanzielle Mittel», sagte Knäbel. «Aber ebenso wichtig sind Verantwortung, Transparenz, demokratische Prozesse und Kontrolle.»Auch der Concacaf, der Dachverband von Nord- und Mittelamerika, teilte mit, dass er die verkündeten Investorenpläne ebenfalls geschlossen ablehne. Der Widerstand wird zudem von der asiatischen Fussball-Konföderation (AFC) unterstützt. Man solidarisiere sich mit der Uefa und dem Concacaf und äussere seine «tiefe Besorgnis» zum Vorhaben der Fifa sowie über «die Entscheidungsprozesse», hiess es in einer Mitteilung.Infantino erfährt aber auch Widerstand aus den eigenen Reihen. Sein hochrangiger Berater Carlos Cordeiro trat aus Protest gegen das Vorhaben zurück. Er vertrat den Fussball-Weltverband zuletzt in der Task-Force des Weissen Hauses zur WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko.«Als leitender Berater des Fifa-Präsidenten, früherer Banker und lebenslanger Fussballfan kann ich nicht tatenlos zusehen, wie die Fifa den Verkauf einer Beteiligung an der Weltmeisterschaft in Erwägung zieht», schrieb der ehemalige Präsident des amerikanischen Verbandes, der seit 2021 für die Fifa arbeitet. Er betonte, an den Plänen nicht beteiligt gewesen zu sein und diese entschieden abzulehnen.Warum lehnt die Uefa Infantinos Pläne rundum ab?Die Uefa betont, dass der Fussball nicht der Fifa gehöre, um verkauft zu werden. Damit werde eine Grenze überschritten, die die für den Fussball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürften, heisst es in der Mitteilung vom Donnerstag. Sie rückte auch Infantinos Verbindung zu Donald Trump in den Fokus. «Die Fifa kann unseren Sport nicht weiter dazu benutzen, sich und ihre Freunde zu bereichern.»Ziemlich beste Freunde: Donald Trump und Gianni Infantino. Ihre enge Verbindung stört die Uefa.Carl Recine / GettyDoch die Kritik der Uefa dürfte nicht auf reiner Sorge um den Fussball beruhen. Die Fifa pushte ihre eigenen Wettbewerbe in letzter Zeit stark. Die Weltmeisterschaft wurde auf 48 Teams aufgeblasen, die Klub-Weltmeisterschaft in ein vierwöchiges Sommer-Grossturnier umgewandelt. Je stärker die Fifa ihre eigenen Formate ausbaut, desto mehr geraten die Uefa und ihr Premiumprodukt, die Champions League, unter Druck. Uefa und Fifa streiten sich dadurch um die Verteilung der weltweiten Sponsoren- und TV-Einnahmen. So geht es im Machtkampf der beiden Verbände am Ende vor allem um viel Geld.Welche Konsequenzen hat der angedrohte Fifa-Boykott der Uefa?Sollten sich die beiden Verbände nicht finden, würde eine Weltmeisterschaft künftig ohne die Europäer um die Weltmeister Spanien, England, Frankreich und Deutschland stattfinden. Die WM würde ihren sportlichen Wert ohne die grossen Fussballländer komplett einbüssen. Ob es am Ende so weit kommt, ist offen. Die nächste Weltmeisterschaft findet erst in vier Jahren statt. Der nächste offizielle Fifa-Wettbewerb und somit ein erster Prüfstein ist die U-20-Frauen-WM vom 5. bis zum 27. September in Polen. In letzter Konsequenz müsste sich die Uefa von der Fifa trennen und nur noch in Eigenregie Turniere durchführen.Eine WM ohne den amtierenden Weltmeister? Bei einem Boykott der Uefa würde Spanien nicht an der kommenden Weltmeisterschaft teilnehmen.Ronald Wittek / EPAWie reagiert die Fifa auf die Kritik?Die Fifa reagierte in einer Mitteilung auf die Boykottdrohung der Uefa. Darin verteidigt der Weltverband seine Pläne. «Niemand verkauft den Fussball. Das ist etwas, was die Fifa niemals in Betracht ziehen würde.»In der Mitteilung nimmt die Fifa die Rückmeldungen und Bedenken der Kontinentalverbände zwar «zur Kenntnis». Gleichzeitig bekräftigt der Weltverband sein Bekenntnis «zu einem offenen und demokratischen Konsultationsprozess». Die geplante Tochtergesellschaft sei ausschliesslich vorgeschlagen worden, damit alle Fifa-Mitgliedsverbände die Möglichkeit hätten, die «kommerziellen Chancen des Fussballs» in ihren Ländern sinnvoll zu nutzen, relativiert der Weltverband in der Mitteilung und schiebt die Schuld auf die Medien. Der geplante Konsultationsprozess sei durch «falsche Berichte» gestört worden.Wie geht es weiter?Infantino hat den Verbänden für die Zustimmung zu seinem Vorschlag die Frist bis am 19. September gesetzt. Ob sie eingehalten werden kann, ist offen. Grundsätzlich braucht Infantino für die Gründung eine einfache Mehrheit der 211 Verbände. Infantino zählt vor allem auf die Stimmen aus Afrika, Südamerika und von Mini-Verbänden. Zudem benötigt er die Zustimmung des Councils mit 37 Vertretern aus den sechs Konföderationen. Offen ist, ob der Widerstand der Europäer so radikal bleibt wie zuletzt.Setzt Infantino seine Präsidentschaft aufs Spiel?Im März will sich Infantino für eine dritte und statuarisch letzte Amtszeit als Präsident wählen lassen. Sollte er mit dem vorliegenden Vorschlag scheitern, wäre dies normalerweise auch ein Plebiszit gegen eine Wiederwahl. Im Fussball muss das aber nicht gelten und schon gar nicht für Infantino. Die Uefa soll Nasser al-Khelaifi, Präsident von Paris Saint-Germain und Vorsitzender der Vereinigung der europäischen Klubs (ECA), als Gegenkandidaten für die Wahl im Frühling 2027 portieren. Bekommt Infantino die Zustimmung für die Gründung von Fifa Forward Enterprise, dürfte er sich weit über die dritte Amtszeit hinaus Macht und Einfluss sichern – als CEO von FFE.Sichert sich Gianni Infantino Macht und Einfluss weit über seine Amtszeit hinaus? Bei einer Zustimmung zu seinen Plänen wird er CEO der neu gegründeten Tochtergesellschaft FFE.Chris Brunskill / GettyPassend zum Artikel
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