In Europa wüten verheerende Waldbrände. Dichte Rauchschwaden verdecken auf gewöhnlichen Satellitenbildern den Blick auf die betroffenen Gebiete. Spezielle Aufnahmen machen die verbrannten Flächen dennoch sichtbar und zeigen, wie gross das Ausmass der Katastrophe tatsächlich ist.31.07.2026, 11.55 Uhr2 LeseminutenIn weiten Teilen Europas brennen derzeit Wälder und Buschland. Die Feuer sind auch aus dem All zu sehen: Dichte Rauchschwaden liegen über den betroffenen Gebieten. Wie gross das Ausmass der Brände tatsächlich ist, lässt sich auf diesen Satellitenbildern jedoch oft nur erahnen. Der Rauch verdeckt den Blick auf den Boden, Farbunterschiede zwischen gesunden und verbrannten Bäumen sind subtil. Eine genaue Beurteilung ist aber besonders für Feuerwehr und Behörden wichtig, um die Löscharbeiten und allfällige Evakuierungen zu planen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Satellitenbilder liefern aber zugleich auch die Lösung des Problems. Spezielle Aufnahmen im Infrarotbereich machen genau die Flächen sichtbar, die auf Echtfarbenbildern schwer erkennbar sind. Wie das aussieht, zeigt das folgende Beispiel.Links zeigt eine Satellitenaufnahme das Brandgebiet in Echtfarben. Der Rauch verdeckt weite Teile des Brandgebietes, farblich unterscheiden sich gesunder und verbrannter Wald nur wenig. Rechts ist dieselbe Szene im kurzwelligen Infrarot (SWIR, kurz für «short-wave infrared») zu sehen. Hier treten die verbrannten Flächen deutlich hervor, auch dort, wo der Rauch den Blick auf den Boden eigentlich verdeckt.Warum Wasser schwarz und verbrannte Wälder braun erscheinenBei SWIR-Bildern messen Satelliten, wie viel kurzwellige Infrarotstrahlung von der Erdoberfläche zurückgeworfen wird. Wasser absorbiert diese Strahlen fast vollständig und erscheint deshalb auf den Bildern schwarz. Gesunder Wald enthält viel Wasser, verbrannte Flächen dagegen kaum noch. Dadurch reflektieren sie die Infrarotstrahlung unterschiedlich. Auf SWIR-Bildern erscheint gesunder Wald grün, verbrannte Flächen braun.Mit diesen Daten lässt sich noch mehr erkennen: Verschiedene Materialien reflektieren das kurzwellige Licht unterschiedlich stark, wodurch sie sich auf den Aufnahmen unterscheiden lassen. Geologen kartieren damit Gesteine und Mineralvorkommen, Landwirte beurteilen den Wassergehalt von Pflanzen oder die Beschaffenheit des Bodens. Selbst Stadtplaner können Infrarotbilder nutzen, um verschiedene Baumaterialien von Dächern voneinander zu unterscheiden.Die Bilder stammen von Sentinel-2, einer Erdbeobachtungsmission des europäischen Copernicus-Programms. Die Schweiz verzichtete im Juni erneut auf eine Teilnahme am Programm. Die Satellitendaten sind jedoch öffentlich zugänglich und können gegenwärtig von allen frei genutzt werden.Besonders deutlich wird der Nutzen von Infrarotbildern bei Waldbränden. Vergleicht man Satellitenaufnahmen von vor und während eines Brandes, werden die Veränderungen in der Landschaft deutlich. Wo zuvor eine geschlossene, grellgrüne Waldfläche zu sehen war, hinterlässt das Feuer ein braunes Mosaik. Brandherde, Brandschneisen, aber auch verschonte Waldstücke werden sichtbar.Vergangenen Freitag rief Spanien für Madrid und Ávila den nationalen Notstand aus. Die Feuer um die Hauptstadt zerstörten mehr als 77 000 Hektaren, bevor sie am 29. Juli unter Kontrolle gebracht werden konnten. Am Donnerstag hob der spanische Premierminister Pedro Sánchez den Notstand wieder auf, warnte aber vor einem erneuten Ausbruch der Brände.Mit Temperaturen von bis zu 38 Grad steht bereits die nächste Hitzewelle bevor. Satellitenaufnahmen im kurzwelligen Infrarot dürften daher wohl auch in den kommenden Tagen eine wichtige Rolle bei der Beobachtung der Brände spielen.Passend zum Artikel