KommentarExtreme Hitze und Trockenheit sind die neue Realität in Zeiten des Klimawandels. Waldbrände wüten in Europa. Aber wir sind nicht machtlos. Kluge Landschaftsplanung hilft jetzt mehr als abstrakte Klimapolitik.29.07.2026, 16.38 Uhr3 LeseminutenEin Flugzeug des französischen Zivilschutzes überfliegt das Waldbrandgebiet nahe Bordeaux. Es ist das schlimmste Feuerjahr für das Land seit Beginn der Aufzeichnungen.Matthieu Penz / EPAEuropa durchlebt gerade historisch krasse Waldbrände. Nach dem Rekordjahr 2025, als mehr als eine Million Hektaren abbrannten, ist bereits die nächste schwere Waldbrandsaison da. Spanien hat wegen der Brände erstmals einen Notstand von nationaler Tragweite in zwei Gebieten ausgerufen. Für Frankreich ist es das schlimmste Feuerjahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Hunderttausende Menschen mussten in den beiden Ländern ihre Häuser verlassen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In der EU ist bisher eine Fläche von der Grösse Luxemburgs verbrannt, und der gefährliche August steht noch bevor. Nicht nur der Süden ist betroffen, sondern auch Deutschland.Das ist die neue Realität, genauso wie die immer häufigeren Hitzewellen. Willkommen in den Zeiten des spürbaren Klimawandels. Kurzfristig lässt sich diese Entwicklung nicht rückgängig machen. Abstrakte Klimaziele für die Zukunft helfen nicht gegen die akuten Brände. Europa muss jetzt einen Umgang damit finden.Europa-Bashing ist aber nicht angesagt. Die nationalen Feuerwehren, das Militär und der Zivilschutz wurden rasch mobilisiert. In Frankreich zum Beispiel ist es den Einsatzkräften gelungen, die Brände in der Gironde in der Nähe von Bordeaux einigermassen zu stabilisieren. Das Land hat bilaterale Hilfe erhalten, unter anderem aus der Schweiz und Kanada. Und auch der europäische Schutzmechanismus Resc EU greift: So wurden sieben Löschflugzeuge und vier Helikopter nach Frankreich entsandt.Feuer lieben grossflächige MonokulturenDie gute Nachricht: Megabrände sind zu einem gewissen Grad verhinderbar, trotz der steigenden Hitze und Trockenheit, die sie begünstigen. Fast immer stecken menschliche Verursacher hinter den Bränden. Ein Zigarettenstummel, aus dem fahrenden Auto geworfen, kann als Auslöser reichen. Konsequente Feuerverbote, wie sie in der Schweiz gegenwärtig gelten, begleitet von Warnschildern und drohenden Bussen können helfen. Sie lösen aber nicht das zweite Problem.Der entscheidende Hebel gegen grossflächige Waldbrände ist eine sorgfältige Landschaftsplanung. Und genau dieser Punkt wurde jahrzehntelang in vielen Ländern Europas vernachlässigt. Wenn die Landschaft aus kleinen, unterschiedlichen Flächen besteht, breiten sich Feuer langsamer aus und lassen sich leichter aufhalten. Es braucht also Abwechslung. Ein Stück Wald, ein Stück bewirtschaftetes Ackerland, ein Feuchtgebiet. Und idealerweise dazwischen: Brandschutzstreifen.So lässt sich verhindern, dass aus einem Funken ein unkontrollierbarer Grossbrand wird. Eine Studie von 2025 simulierte Brände in Mischlandschaften mit Brandschutzstreifen in vier portugiesischen Regionen. Je nach Region sank die verbrannte Fläche um 21 bis 38 Prozent. Bei besonders intensiven Feuern sank die betroffene Fläche sogar um bis zu 56 Prozent.In Frankreich in der Gironde brennen die Landes de Gascogne, ein riesiges Forstgebiet. Kiefern über Kiefern, das ist forstwirtschaftlich effizient, schafft aber unter extremer Trockenheit ideale Feuerbedingungen. Gut gepflegte Reben in der Bordeaux-Region wären eigentlich eine Feuerbremse. Aber Bordeaux steckt in der Krise, und das hat Auswirkungen auf die Landnutzung. Viele Bauern haben ihre Rebberge verlassen oder sie gerodet, weil die Weinproduktion nicht mehr so rentabel ist: Die Menschen trinken immer weniger Rotwein.Diese Brandsaison muss ein Weckruf seinDie Anti-Waldbrand-Strategie der europäischen Kommission vom März setzt am richtigen Punkt an, bei der Prävention durch Landschaftsplanung. Das ist sinnvoll, aber EU-Länder wollen sich bei der Forstpolitik und Raumplanung nicht von Brüssel hineinreden lassen. Sie haben recht: Nationalstaaten sollten selbst ein Interesse an der Brandprävention haben, es ist an ihnen, hier Verantwortung zu übernehmen. Das Problem ist, dass die Interessen ungleich verteilt sind. Waldbesitzer profitieren von günstigen, ertragreichen Monokulturen; Bauern sparen Geld, wenn sie unrentable Flächen nicht mehr pflegen. Die Kosten eines Grossbrandes werden dagegen auf Steuerzahler, Versicherte und unbeteiligte Nachbarn abgewälzt.Anstatt eine langfristige Strategie zu entwickeln, ist es für Regierungen bequemer, einfach mehr Löschflugzeuge zu kaufen – damit wird entschlossenes Handeln gezeigt. Aber es bleibt Symptombekämpfung. Ursachenbekämpfung durch Landschaftsplanung ist hingegen komplizierter, dauert Jahre in der Umsetzung und klingt erst einmal weniger attraktiv.Diese Brandsaison sollte aber ein Weckruf sein. Die europäischen Länder müssen daran arbeiten, dass sich Feuer in diesem Ausmass nicht mehr ausbreiten. Sie könnten Forst- und Agrarsubventionen an wirksame Brandvorsorge knüpfen oder Landbesitzer in Risikogebieten verpflichten, ihre Flächen zu pflegen. Versicherer könnten niedrigere Prämien verlangen, wenn Eigentümer vorsorgen. Das wären die richtigen Anreize. Denn die Kosten für die Brandschäden trägt am Ende auch die Allgemeinheit.Passend zum Artikel