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Commerzbank: Institut bereitet sich auf Übernahme durch Unicredit vor Interne Dokumente und Gespräche mit Insidern zeigen: Die Commerzbank hat sich mit dem Verlust ihrer Unabhängigkeit abgefunden. Die Unsicherheit ist groß, wie es mit Unicredit weitergeht.
Commerzbank-Chefin Orlopp und Unicredit-CEO Orcel: Weitere Gespräche in den kommenden Wochen und Monaten. Foto: Dpa, BloombergFrankfurt.. Zwei Jahre Übernahmekampf hinterlassen ihre Spuren. Das zeigt sich auch im Intranet der Commerzbank. Vizechef Michael Kotzbauer und Privatkundenvorstand Thomas Schaufler loben dort in einem Interview das eigene Geschäftsmodell und die gute Arbeit der Beschäftigten – trotz des Ringens mit der italienischen Großbank Unicredit, die sich mittlerweile als Hauptaktionärin eine Kontrollmehrheit verschafft hat.Doch die aufmunternden Worte entfalten bei vielen Beschäftigten nicht die erhoffte Wirkung. „Ich brauche keine Streicheleinheiten oder Durchhalteparolen mehr“, schreibt einer von ihnen. „Langsam sollte man der Wahrheit ins Gesicht schauen, so bitter es auch ist.“ Interessant wären die Zukunftsaussichten für das Institut nach einer Übernahme durch Unicredit, meint der Mitarbeiter. „Aber das kann gegenwärtig wohl niemand abschätzen.“Das Handelsblatt hat diese und andere Auszüge aus dem Intranet des Frankfurter Instituts vorliegen und zudem mit zahlreichen Commerzbankern gesprochen, die an der Auseinandersetzung mit Unicredit beteiligt sind.Sie alle räumen inzwischen ein, dass der Kampf um die Eigenständigkeit des 156 Jahre alten Geldhauses verloren ist. Stattdessen liege der Fokus jetzt darauf, in den anstehenden Gesprächen mit Unicredit das Beste für Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre herauszuholen.Vorstandschefin Bettina Orlopp gibt sich intern optimistisch, dass sie im Austausch mit Unicredit-CEO Andrea Orcel aus dem feindlichen Übernahmeversuch noch einen freundlichen Deal machen kann.Privatkunden Wechsel zu Visa: Warum die Commerzbank die Kreditkarten von Mastercard aussortiert Das Frankfurter Geldhaus fordert seine Kunden auf, ihre Mastercard-Kreditkarte vorzeitig einzutauschen. Damit stärkt Visa seine Position im deutschen Bankenmarkt. „Über die kommenden Wochen und Monate werden Commerzbank und Unicredit Gespräche führen, um Schritt für Schritt festzulegen, wie wir weitermachen“, erklärte die Vorstandschefin in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview im Intranet. „Das werden wir bei der Commerzbank im Schulterschluss mit dem Aufsichtsrat sowie den Arbeitnehmervertretern und im engen Austausch mit der Bundesregierung tun.“ Sie denke, dass auch Unicredit zu einem konstruktiven Dialog bereit sei.Keine betriebsbedingten Kündigungen bis 2030Unicredit stieg 2024 bei der Commerzbank ein und hat sich im Rahmen eines Übernahmeangebots inzwischen knapp 50 Prozent der Anteile gesichert. Die Bundesregierung, die mit rund 13 Prozent zweitgrößte Aktionärin ist, hatte sich wie Orlopp lange für die Eigenständigkeit des Instituts eingesetzt.Der Gesamtbetriebsrat der Commerzbank ändert seine Tonlage nun ebenfalls. Anders als noch Anfang Juli ist in seinem jüngsten Rundschreiben keine Rede mehr vom „Erhalt einer eigenständigen Commerzbank“. Stattdessen liegt der Fokus jetzt auf dem Schutz der Beschäftigten nach einer Übernahme durch Unicredit.Bundeskanzler Merz: „Wir verhindern nicht diese Fusion.“ Foto: Michael Kappeler/dpa„Was die kommenden Monate bringen werden, kann heute niemand mit Sicherheit vorhersagen“, heißt es in dem Schreiben vom Mittwoch, das dem Handelsblatt vorliegt. Klar sei aber: „Der Gesamtbetriebsrat hat frühzeitig und vorausschauend eine Transformationsvereinbarung abgeschlossen, die unseren Beschäftigten zumindest bis Ende 2030 einen verlässlichen und rechtssicheren Schutz bietet.“Sollte es zu einer Übernahme kommen, wären personelle Veränderungen ausschließlich auf Grundlage der bestehenden Vereinbarungen möglich, betont der Betriebsrat. „Dazu gehören insbesondere der faktische Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen sowie die Anwendung der mit dem Gesamtbetriebsrat vereinbarten Sozialplan- und Schutzregelungen.“Erst umbauen, dann zusammenlegenUnicredit-Chef Orcel will nach einer Übernahme allein in Deutschland 7000 Vollzeitstellen streichen und zudem das Auslandsnetz der Commerzbank ausdünnen. Er erwartet, dass bis Jahresende alle behördlichen Genehmigungen vorliegen, um die Kontrolle bei Deutschlands zweitgrößter Privatbank zu übernehmen.Ab dem 1. Januar 2027 möchte er dann seine Pläne umsetzen. Eine Zusammenlegung der Commerzbank mit der deutschen Unicredit-Tochter Hypovereinsbank (HVB) plant Orcel nach eigenen Worten frühestens in zwei bis drei Jahren, wenn das Geschäftsmodell, die Kultur und die Technologie beider Institute angepasst seien.Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Streit über das Auslandsnetz. Foto: Moment Select/Getty ImagesOrcel will mit den Beteiligten in Deutschland in den kommenden Monaten Gespräche über das weitere Vorgehen führen. „Entweder erreichen wir eine Einigung mit allen Parteien – oder wir sind in der Lage, eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen und die Kontrolle vor der ordentlichen Hauptversammlung im Mai auszuüben“, sagte der Unicredit-Chef vergangene Woche.Bei einem Aktionärstreffen könnte Unicredit die Kapitalseite des Aufsichtsrats und im Anschluss auch den Vorstand der Commerzbank austauschen. „Das würden wir tun, wenn es nötig wäre. Aktuell erwarten wir aber, dass das nicht erforderlich ist“, erklärte Orcel. Die Bundesregierung habe nun ja Gesprächsbereitschaft signalisiert.Wird die Commerzbank zum HVB-Klon?Orcel und Orlopp haben bei zwei persönlichen Treffen am 26. März und 2. April sowie bei einem Telefonat am 28. Mai bisher keinen Weg gefunden, um ihre Differenzen auszuräumen. Die Vorstandschefin hat dort unter anderem gefordert, dass Unicredit eine zweistellige Übernahmeprämie auf den Aktienkurs der Commerzbank bezahlt und die Stärken des Geschäftsmodells nach einer Übernahme bewahrt.Dazu gehört aus Sicht von Orlopp auch das Auslandsnetz, mit dem das Institut in 40 Ländern vertreten ist. Viele Commerzbanker halten es für essenziell, weil das Geldhaus damit auch kleine Mittelständler bei Geschäften im Ausland begleiten kann. Auch die Bundesregierung setzt sich deshalb für dessen Erhalt ein.Unicredit verfolgt einen anderen Ansatz. Außerhalb seiner europäischen Kernmärkte ist das Institut kaum mit eigenem Personal vertreten und setzt fast ausschließlich auf Korrespondenzbanken.Bankenfusion Erfolgsgeschichte oder abschreckendes Beispiel? Was die HVB-Übernahme durch Unicredit gelehrt hat Stellenabbau, Gewinnsprung, hitzige Gefechte: 2005 schluckte Unicredit die Hypo-Vereinsbank. Ex-Manager und Bankeninsider blicken auf die Übernahme zurück – und ziehen Lehren für die Commerzbank. Innerhalb der Commerzbank gibt es Zweifel, ob Orcel bei wesentlichen Punkten nachgeben wird, schließlich kann er mit seinem Anteil bei Bedarf nun den Vorstand austauschen. „Orcel wird die Commerzbank zu einem HVB-Klon machen und beide Banken dann irgendwann verschmelzen“, fürchtet ein Commerzbank-Insider.„Man wird versuchen, in den Gesprächen noch etwas für die Commerzbank zu retten“, sagt er. „Aber ich bin nicht sehr zuversichtlich, weil Orcel einfach bestimmen will.“Viele Commerzbanker gehen davon aus, dass Spitzenkräfte das Institut in einem solchen Szenario früher oder später verlassen würden. Dass Vorstandschefin Orlopp künftig die bisher von Orcel kommunizierte Strategie umsetzt, kann sich in der Zentrale am Frankfurter Kaiserplatz kaum jemand vorstellen. Ein Verbleib von Aufsichtsratschef Jens Weidmann gilt in einem solchen Szenario ebenfalls als unwahrscheinlich.Orlopp beschwört den ZusammenhaltOrlopp hat Spekulationen, sie könnte hinschmeißen, bisher jedoch intern und extern entschieden zurückgewiesen. „Ich habe eine Verpflichtung und einen Auftrag“, sagte sie Anfang Juli der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Ich finde, da kann man sich nicht einfach verabschieden, weil es ein bisschen mühsam ist.“In ihrem Intranet-Interview appelliert die 56-Jährige an alle Beschäftigten, nicht zu resignieren. „Unsere Leistung und unser Zusammenhalt bleiben für unsere Zukunft entscheidend – nicht nur am Verhandlungstisch, sondern auch darüber hinaus“, sagt sie. „Das gilt auch für meine Kollegen und mich im Vorstand.“Bankenübernahme „Bettina ist kein Haudrauf“ – Wie sich die Commerzbank-Chefin gegen die Übernahme durch Unicredit stemmt Orcel hatte vergangene Woche erklärt, er strebe „einen konstruktiven Dialog mit der Bundesregierung, den Arbeitnehmervertretungen und weiteren Stakeholdern an“. Orlopp und den Commerzbank-Vorstand erwähnte er dabei nicht – ein weiterer Affront.Der Betriebsrat und die Bundesregierung machten jedoch umgehend deutlich, dass Orcel zunächst mit Orlopp sprechen müsse. „Alle sollten sich jetzt wie Erwachsene verhalten“, mahnt auch Aufsichtsratschef Weidmann. Denn eines sei klar: „Diese Gespräche sind auch im Interesse der Unicredit, und es wird keine Abkürzung über Berlin geben.“Appell von Analysten und BankenaufsehernNeben Investoren und Analysten haben sich Finanzkreisen zufolge hinter den Kulissen auch einige europäische Bankenaufseher für konstruktive Gespräche zwischen beiden Instituten starkgemacht. Aus ihrer Sicht muss unbedingt verhindert werden, dass die Commerzbank durch ein weiter feindliches Vorgehen destabilisiert wird, was letztlich schädlich für beide Geldhäuser wäre.Mehrere Analysten haben ebenfalls deutlich gemacht, dass sie bei einer feindlichen Übernahme große Umsetzungsrisiken sehen. „Einvernehmliche Deals schaffen eher Wert für die Aktionäre, weil sich Synergien dabei vermutlich schneller und in größerem Umfang heben lassen“, erklärten Experten der Deutschen Bank kürzlich in einer Studie. Verwandte Themen CommerzbankDeutschlandFriedrich MerzJens WeidmannFrankfurter Allgemeine ZeitungIn der Commerzbank sind einige der Ansicht, dass Orlopp die besten Chancen hätte, den Arbeitnehmervertretern und auch deutschen Politikern einen möglichen Deal mit Unicredit näherzubringen. Sie gehen deshalb davon aus, dass sich Orcel um eine Verständigung mit der Vorstandschefin bemühen wird.Orlopp ist dabei bewusst, wie schwierig die aktuelle Situation für die Beschäftigten ist. „Die vergangenen Monate waren nicht einfach. Auch die weiterhin offene Frage ist unbefriedigend“, sagt sie. „Das erlebe ich selbst in ganz vielen Gesprächen – ob mit Kollegen, Kunden oder im privaten Umfeld.“ Zudem lese sie auch die Kommentare im Intranet. Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Presseportal Direkt hier lesen! 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