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Übernahmekampf: Droht der Commerzbank jetzt der Paraguay-Moment? Unicredit hat seinen Anteil an der Commerzbank immer weiter ausgebaut. Nun erwarten Insider neue Verhandlungen zwischen den Instituten, erfuhr die WirtschaftsWoche.

Lukas Zdrzalek 08.07.2026 - 07:00 Uhr Die Mailänder Unicredit macht im Übernahmekampf mit der Commerzbank deutliche Fortschritte. Foto: Andreas Arnold/dpaHochrangige Commerzbank-Verantwortliche und deren Umfeld rechnen damit, dass der Frankfurter Finanzkonzern und die Unicredit womöglich zeitnah wieder Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss aufnehmen. Davon berichten der WirtschaftsWoche mehrere Commerzbank-Insider mit Zugang zu den höchsten Kreisen des Geldhauses, die allesamt anonym bleiben wollen.Der Hintergrund dieser Erwartung ist, dass Unicredit ihren Anteil an der Commerzbank zuletzt immer weiter ausgebaut hat: An diesem Mittwoch werden die Italiener verkünden, wie viele Aktionäre des Frankfurter Geldhauses das Übernahmeangebot für die Commerzbank innerhalb der erweiterten Frist angenommen haben. Szenekundige gehen davon aus, dass Unicredit ihren Anteil auf rund 45 Prozent gesteigert haben könnte.Bereits Ende Juni hatte die Mailänder Großbank mitgeteilt, dass ihr gut 40 Prozent aller Commerzbank-Aktien gehören, nachdem die reguläre Frist des Übernahmeangebots ausgelaufen war. Zudem gab Unicredit an, über spezielle Finanzinstrumente Zugriff auf weitere drei Prozent der Commerzbank-Aktien zu haben.„Coba“-Management lehnt Übernahme abBei einigen Commerzbank-Insidern hat sich deshalb die Erkenntnis durchgesetzt, dass neuerliche Gespräche mit Unicredit unausweichlich sind: „Ein Konzern kann sich in einer solchen Lage nicht Gesprächen verweigern, wenn ein Aktionär einen derart hohen Anteil an einem Unternehmen hat.“ Anders ausgedrückt: Erste Commerzbank-Insider kommen zu der Überzeugung, der Frankfurter Konzern könne die Übernahmeschlacht mit Unicredit kaum mehr gewinnen und müsse deshalb verhandeln.So zieht ein Commerzbank-Kundiger auch einen Vergleich zum verlorenen Spiel der Deutschen bei der Fußballweltmeisterschaft gegen Paraguay: Die Spieler der DFB-Auswahl hätten die Lateinamerikaner umarmt und ihnen zu ihrem Sieg gratuliert, nachdem sie das Elfmeterschießen gewonnen hätten. „Das ist Ausdruck europäischer Sitten, sich fair zu verhalten, und die sind jetzt auch im Fall der Commerzbank angebracht.“ Soll heißen: Die Frankfurter müssten allmählich anerkennen, dass Unicredit in der Übernahmeschlacht obsiege. Und dass es wenig bringe, sich noch weiter zu wehren.Übernahme Der „Messi“ der deutschen Anwälte und die Übernahme-Tumulte um die Commerzbank Im Drama zwischen Commerzbank und Unicredit haben die Italiener einen Etappensieg errungen. Dabei geholfen hat: ein deutscher Anwalt in Diensten von Unicredit. von Philipp Frohn und Lukas ZdrzalekTatsächlich dürfte Unicredit mit einem Anteil von grob 45 Prozent über die Mehrheit auf der Hauptversammlung der Commerzbank verfügen, weil typischerweise nicht alle Aktionäre eines Konzerns zu diesen Abstimmungen erscheinen. Die Italiener könnten deshalb Aufsichtsräte austauschen, wovon sie schon bald Gebrauch machen könnten: Die Anteilseigner der Commerzbank müssen auf der Hauptversammlung im kommenden Jahr acht Aufsichtsratsposten neu wählen.Eine Gelegenheit für ein Gespräch zwischen Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp und Unicredit-Boss Andrea Orcel könnte sich spätestens Anfang August ergeben, wenn der Konzern seine Zahlen für das zweite Quartal vorlegt, heißt es aus der Szene. Die Commerzbank führt anlässlich ihrer Quartalszahlen immer auch Gespräche mit ihren Investoren zur Geschäftsentwicklung. Im Rahmen derer hatte sich die Commerzbank bereits in den vergangenen Monaten mit Vertretern von Unicredit ausgetauscht. Prinzipiell wäre es möglich, dass Orcel diesmal an diesem Routine-Gespräch für die italienische Bank teilnimmt.Zusätzlich dazu hatten sich Orlopp und Orcel drei Mal zu einem möglichen Zusammenschluss ausgetauscht. Die Gespräche endeten aber ergebnislos, zuletzt nach der Hauptversammlung der Commerzbank im Mai. Orlopp soll damals unter anderem gefordert haben, dass Unicredit den Aktionären der Commerzbank mehr Geld für deren Anteile zahlt, als die Italiener dies im Zuge des Übernahmeangebots geplant hatten. Unicredit soll im Gegenzug darauf gedrungen haben, dass die Commerzbank ihr hilft, die Berliner Bundesregierung für die Übernahme zu gewinnen.Der Bund lehnt einen Zusammenschluss bisher ebenso ab wie das Management und die Arbeitnehmervertreter der Commerzbank.Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp wehrt sich gegen den Übernahmeversuch der Unicredit. Foto: Boris Roessler/dpaAndere hochrangige Commerzbank-Insider halten neuerliche Gespräche mit Unicredit derzeit hingegen für keine gute Idee. Sie möchten abwarten, wie hoch der Anteil von Unicredit an der Commerzbank tatsächlich ausfällt. Zudem verweist diese Fraktion innerhalb des Frankfurter Geldhauses darauf, dass Unicredit schon auf jene zwölf Prozent der Commerzbank-Aktien angewiesen sei, die bislang der Bund besitzt, um den Konzern schlucken zu können. Die Regierung hat den Verkauf dieser Anteile ausgeschlossen.Die Fraktion, die neuerliche Gespräche ablehnt, argumentiert, es sei die Aufgabe von Unicredit-Chef Orcel, das Gespräch mit der Commerzbank zu suchen. Allerdings meinen manche, für einen solchen Austausch fehle mindestens aktuell die Grundlage: Die Italiener seien viel zu aggressiv vorgegangen, indem sie ihren Anteil an der Commerzbank trotz des Widerwillens des Bundes, des Managements und der Arbeitnehmervertreter ausgebaut hätten. Zuletzt hatte auch eine komplexe Finanzkonstruktion für Ärger zwischen Deutschen und Italienern gesorgt, dank derer die Mailänder ihren Besitz vergrößert hatten (die Hintergründe dazu können Sie hier in einem Porträt über den deutschen Anwalt lesen, der die Konstruktion rechtlich abgesegnet hat).Unicredit-Chef Andrea Orcel will die Commerzbank schlucken. Foto: REUTERSDie Commerzbank und Unicredit wollten sich zu den Erkenntnissen der WirtschaftsWoche nicht äußern. Beide Institute haben wiederholt betont, sie seien gesprächsbereit. Die Commerzbank hatte einen Dialog mit Unicredit allerdings lange Zeit daran geknüpft, dass die Italiener einen Plan vorlegen, wie sie mit dem Frankfurter Geldhaus verfahren wollen. Die Mailänder Großbank hat ein entsprechendes Konzept aber erst im Frühjahr dieses Jahres präsentiert.Unicredit-Chef Orcel begründete die späte Veröffentlichung des Plans auf einer Konferenz jüngst damit, dass er eine „emotionale Reaktion“ der Commerzbank erwartet habe, sobald er ein solches Konzept vorlegen würde. Die Commerzbank lehnt den Vorschlag der Italiener zum Umbau des Geldhauses ab: Die Mailänder hätten das Geschäftsmodell des Frankfurter Konzerns nicht verstanden, etwa die Relevanz des internationalen Geschäfts für das Finanzinstitut.Die Unicredit ist seit im September 2024 bei der Commerzbank engagiert und hatte im ersten Schritt fünf Prozent der Aktien erworben, die der Bund damals am freien Markt angeboten hatte. Die Regierung war in der Finanzkrise bei der Commerzbank eingestiegen, um sie vor dem Untergang zu retten. Zwischenzeitlich besaß er rund 17 Prozent der Commerzbank-Aktien, ehe er seinen Anteil vor zwei Jahren auf 12 Prozent reduzierte. Nach dem Einstieg der Unicredit in 2024 hatten die Italiener ihren Anteil an dem Frankfurter Konzern schrittweise auf knapp 30 Prozent ausgebaut, ehe die Mailänder im Frühjahr dieses Jahres ein offizielles Übernahmeangebot für die Commerzbank vorgelegt haben. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! Anzeige Bellevue Ferienhaus Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen Anzeige Übersicht Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche Anzeige Finanzvergleich Die besten Produkte im Überblick