Der Zug ist gut gefüllt, aber zum Glück findet sich noch ein Plätzchen. Also hingesetzt, den vorbeifliegenden Wiesen nachblicken, einfach mal nichts tun und den leichten Sommerschnupfen auskurieren.Es ist sehr früh am Morgen, niemand erwartet Mailantworten. Zwischen den Füßen parkt der Rucksack. Ein Ort des Friedens. Nur der Mitreisende am Fensterplatz wird unruhig, blickt aufdringlich und wechselt den Platz, er geht ganz vornhin. Vielleicht verträgt er es nicht, gegen die Fahrtrichtung zu sitzen?„Wirklich widerlich, was du mit dir rumschleppst!“Langsam entsteht Unruhe, vorne, hinten und nebenan wuselt es, die Mitreisenden kramen, starren abschätzig, schütteln den Kopf, verhalten sich auffällig. Ob die Angst haben, sich anzustecken? Komisch, allmählich haben wir die Nase doppelt voll. Aber als langjähriger Geschäftsreisender ist man Kummer gewohnt und gewieft, befremdliche Dinge auszublenden.Obschon, es ist schon einigermaßen frech, wie dieses Pärchen verächtlich blickt und naserümpfend Richtung Bistro zieht. Fortgesetzt wird die Fahrt im überfüllten Bus. Um pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen, quetscht man sich mit rein, den Rucksack vorsorglich in der Hand, um sich als platzsparend zu erweisen.Auch hier weichen die Menschen zurück und gehen auf Abstand, soweit das machbar ist. Ist das jetzt überinterpretiert oder wenden sie sich bewusst ab und mustern Mensch und Tasche abschätzig? Herrgott noch mal, Corona hat sich verflüchtigt, wir sind doch nicht aussätzig und frisch geduscht. Was um Himmels willen läuft hier verkehrt?!Im Büro wandert der Rucksack in die Ecke. Ein Kollege examiniert: „Sag mal, was stinkt hier so?“ Als Ursache macht er das Reisegepäck aus, hält sich theatralisch die Nase zu, „wirklich widerlich, was du mit dir rumschleppst“.Currys, Füße, olfaktorische OhnmachtenAngewidert analysiert er: „Ich tippe auf Katzenpisse.“ Er sagt Pisse und meint es auch so. Leider liegt er richtig. Ammoniakalarm. Da hat sich der markierungsfreudige Kater verewigt, zwar kastriert, aber territorial unterwegs. Und es riecht wirklich streng, strenger als sämtliche überwürzte Currys oder aus Sneakern befreite Füße rücksichtsloser Mitreisender, die uns schnupfenfrei in Richtung olfaktorischer Ohnmachten zwingen.Es lag an der Katze. Immer auf die Kleinen. Die improvisierte Schrubberei, um den widerwärtigen Gestank zu entfernen, hat wenig gebracht, die Tasche ist ruiniert. Die Heimfahrt wurde mit Jutebeutel angetreten. Ohne soziale Ausgrenzung.
9 to 5 Kolumne: Ungebetener Reisebegleiter
Die Mitreisenden wenden sich ab, rümpfen die Nase. Was stellen die sich so an? Erst im Büro klärt der Kollege auf, was zum Himmel stinkt.








