Sie wächst also doch. Trotz Irankrieg und gestiegener Energiepreise hat die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 0,2 Prozent zugelegt. Ein riesiger Satz ist das nicht, aber immerhin kein Rückfall in die Stagnation. Die zuletzt eingedampften Wachstumsaussichten für dieses Jahr dürften daher schon bald wieder nach oben angepasst werden.Die großen strukturellen Probleme sind deshalb noch lange nicht gelöst. Der Wettbewerbsdruck, vor allem aus China, setzt der Industrie zu, die Energie- und Bürokratiekosten sind viel zu hoch, die Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück. Die Bundesregierung geht mit ihren geplanten Reformen zwar in die richtige Richtung, zündet aber keinen Wachstumsturbo.Die Unternehmen schauen nicht tatenlos zuWas den Motor halbwegs am Laufen hält, sind die schuldenfinanzierten Sonderausgaben des Staates – aber auch die nach wie vor erfolgreichen und innovativen deutschen Unternehmen. Dieser zweite Aspekt kommt angesichts von Horrormeldungen vor allem aus der Autoindustrie zu kurz. Viele Unternehmen schaffen es still und leise, sich den widrigen Bedingungen anzupassen. In China und den Vereinigten Staaten sind Produkte „Made in Germany“ zwar weniger gefragt, in anderen EU-Ländern dagegen schon. Diese Exportstärke rettete im zweiten Quartal die Bilanz. Maschinenbauer, Pharmaunternehmen, Chemiekonzerne – sie alle sind dem Gegenwind nicht hilflos ausgesetzt, sondern erneuern sich und passen ihre Produktpalette an.Ob das reicht, den Wachstumstrend und die Stimmung in der Bevölkerung dauerhaft zu drehen? Die Hoffnung stirbt zuletzt, die Realität sieht leider anders aus. Nicht einmal jeder Fünfte glaubt noch daran, dass der Staat in der Lage ist, seine Aufgaben zu erfüllen. Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze zu sichern, traut ihm nur noch jeder Zehnte zu, zeigt eine neue Umfrage des Beamtenbundes.Auf diese Zahlen kann es in Berlin nur eine Antwort geben: Weniger Selbstbeschäftigung, stattdessen Ausgabenkürzungen, Steuersenkungen und eine rasche Rentenreform. Wären solche Mahnungen nicht längst überstrapaziert, müsste man hinzufügen: Für die Parteien der Mitte könnte das die vorerst letzte Chance sein.
Deutsche Wirtschaft wächst: Warum der Glaube schwindet
Allen Widrigkeiten zum Trotz ist die deutsche Wirtschaft im Frühjahr gewachsen. Doch kaum noch jemand traut der Politik zu, dafür zu sorgen, dass das so bleibt. Darauf kann es nur eine Antwort geben.












