KommentarDie Stadt Zürich kauft chinesische Busse für ihre Verkehrsbetriebe – na und? Entscheidend ist das beste AngebotCyberrisiken müssen beachtet werden. Aber Panik ist fehl am Platz.30.07.2026, 17.37 Uhr3 LeseminutenBis jetzt nur «made in Europe»: Stadtzürcher Busflotte.Gaëtan Bally / KeystoneDie Stadt Zürich hat ein Tabu gebrochen. Bis jetzt hat sie die Busse für ihre Verkehrsbetriebe bei europäischen Herstellern gekauft, etwa bei Hess in der Schweiz, bei MAN und Mercedes aus Deutschland und bei Volvo aus Schweden. In der jüngsten Beschaffungsrunde ist nun erstmals ein Hersteller aus China ausgewählt worden: Yutong.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Name dürfte den meisten Passagieren nichts sagen, in der Welt des Nahverkehrs aber ist Yutong ein Gigant. Das Unternehmen hat allein letztes Jahr rund 50 000 Fahrzeuge verkauft, davon fast 2000 nach Europa.Die acht Elektrostandardbusse, die Yutong ab 2027 über seine französische Tochter nach Zürich liefern wird, sind für das Unternehmen nicht mehr als eine Dezimalstelle in der Verkaufsstatistik. Auch für die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) wäre der Neuzugang eigentlich kaum der Rede wert. Ihre gesamte Flotte umfasst nämlich rund 250 Fahrzeuge.Trotzdem sorgt die Akquisition für Interesse. Und da und dort auch für Unruhe. Chinesische Produkte gelten als unzuverlässig und billig, teilweise sogar als gefährlich. Alles mit «Made in China»-Stempel, was mit Elektronik vollgestopft ist, von Mobilfunkantennen über Drohnen bis zu, nun, Bussen, steht unter dem Generalverdacht der Spionage oder doch zumindest des unzulässigen Fernzugriffs. Ausserdem ist jeder Bus aus China einer weniger aus Europa, es geht also auch um Heimatschutz und Industriepolitik.Ein «kill switch» im BusBei der Frage der Cybersicherheit müssen die Zürcher die chinesischen Ambitionen und ihre technischen Möglichkeiten sicher im Auge behalten. Panik ist aber nicht angesagt.Aus Geheimdienstkreisen in Skandinavien und Grossbritannien wurde die Kritik laut, dass die Chinesen ganze Busflotten einfach aus der Ferne abschalten könnten. So könnten sie im Ernstfall, etwa einer kriegerischen Auseinandersetzung, Städte blockieren und die Evakuierung von Zivilisten verhindern.Abgesehen davon, dass ein Land bei einem Krieg mit China wohl noch ein paar andere Sorgen hätte als stillgelegte Busse, stellt sich aus Zürcher Sicht die Frage, wie gross diese so abstrakte wie absurde Bedrohung bei ganzen acht chinesischen Fahrzeugen wäre.Ausserdem sind Fernzugriffe bei modernen Fahrzeugen aller Hersteller längst Standard, etwa für Software-Updates. Gefährlich ist das nicht primär wegen einer feindlich gesinnten Regierung eines anderen Landes, sondern weil kriminelle Hacker über diese Schnittstelle die Busse blockieren könnten, um Lösegeld zu fordern. Das aber ist ein Risiko, das herstellerunabhängig vorhanden ist und über entsprechende technische Massnahmen minimiert werden kann.Aus wirtschaftsliberaler Sicht gibt es am Kauf nichts auszusetzen: Genauso wie die SBB ihre Züge in Deutschland bei Siemens statt in der Schweiz bei Stadler beziehen können, wenn das Angebot stimmt, kann die Stadt Zürich ihre Busse in China statt in Europa kaufen.Das mag zwar schmerzen, aber die Schweizer Wirtschaft lebt vom freien Marktzugang. Es wäre heuchlerisch und teuer, anderen Volkswirtschaften die gleichen Freiheiten vorzuenthalten, die man für die eigenen Unternehmen einfordert. Im Übrigen hat Zürich auch bei einem deutschen Hersteller, bei Daimler Buses, Fahrzeuge bestellt. Europa ist also durchaus konkurrenzfähig.Die Diskussion über die Gefahr aus China hat nicht zuletzt auch etwas Scheinheiliges.Bei einer sorgfältig evaluierten Beschaffung von acht chinesischen Bussen schlägt man Alarm. Gleichzeitig kauften Schweizer Kunden letztes Jahr für rund eine Milliarde Franken bei Temu billigste Ware ein, darunter gefährliches Kinderspielzeug.Auf Schweizer Strassen verkehren mehrere zehntausend chinesische Elektroautos, und in Schweizer Taschen stecken mehrere Millionen Mobiltelefone aus chinesischer Produktion. Die Schweizer Konsumenten haben mit ihren Portemonnaies schon lange abgestimmt, wie sie zu Produkten aus China stehen.Passend zum Artikel