Elektrobusse unter chinesischer Kontrolle – trotz Warnsignalen aus dem Ausland kaufen die Zürcher in China einBei einem geheimen Sicherheitstest in einem norwegischen Bergwerk entdeckten Techniker in chinesischen Elektrobussen Beunruhigendes.30.07.2026, 05.01 Uhr4 LeseminutenAus China für Zürich: Busse der Firma Yutong sorgen für Bedenken.China News Service via GettyAb und zu muss sich ein Verkehrsbetrieb neue Busse leisten. Insofern lockte die Meldung des Zürcher Stadtrats vom Mittwoch, wonach die Zürcher Verkehrsbetriebe (VBZ) neue Elektrobusse beschaffen, kaum jemand aus dem Sommerloch hervor.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Pikant an der Mitteilung ist aber, bei wem diese Fahrzeuge bestellt werden: nämlich im Ausland. Einerseits bei Daimler Buses, besser bekannt unter dem Markennamen Mercedes. Andererseits bei der Firma Yutong France, einer Tochtergesellschaft des chinesischen Unternehmens Yutong.Damit werden Zürcher Stadtbusse künftig vermehrt im Ausland produziert. Der Zürcher Stadtrat hat den VBZ 17 Millionen Franken für den Kauf von 20 Elektrobussen genehmigt. Neben diesem Grundauftrag bestehen Optionen mit den Herstellern, die Flotte mit zusätzlichen Bussen zu erweitern.Der einzige Schweizer Busbauer und bisherige Lieferant der VBZ, die Carrosserie Hess aus Bellach im Kanton Solothurn, droht ins Hintertreffen zu geraten. Der Entscheid erinnert an jenen der SBB, Züge für die S-Bahn Zürich beim deutschen Unternehmen Siemens statt beim Schweizer Bahnbauer Stadler zu bestellen.Hintergrund für den Entscheid der VBZ ist, dass sie mit ihren Lieferanten MAN und Hess unzufrieden sind. Schon vor Jahren haben die VBZ öffentlich auf die Probleme aufmerksam gemacht. Von monatelangen Verzögerungen war damals die Rede. Zudem berichteten die VBZ von Störungen bei der Heizung und Lüftung, beim Antriebsstrang sowie beim automatischen Auf- und Abdrahten der Stromabnehmer.Man könnte den Bus fernsteuernDass die VBZ den Lieferanten wechseln, ist nicht überraschend, dass die Wahl aber ausgerechnet auf einen chinesischen Hersteller gefallen ist, lässt aufhorchen. Noch im Januar sagte der zuständige Stadtrat Michael Baumer (FDP) zur NZZ: «Es ist nicht unser Ziel, Busse aus China oder Übersee zu kaufen.»Hinzu kommt, dass die chinesische Firma erst im letzten Herbst für Schlagzeilen sorgte. Grund war ein Sicherheitstest der Osloer Verkehrsbetriebe Ruter. Die Norweger stellten bei einem geheimen Test in einem stillgelegten Bergwerk fest, dass Yutong aus der Ferne Zugriff auf die Elektrobusse hat. Der Hersteller kann Einfluss auf Software-Updates und die Diagnostik des Busses nehmen.Aufgeschreckt von der Meldung aus Norwegen, überprüfte der britische Nachrichtendienst die eigenen Elektrobusse aus China und bestätigte, dass es «technisch möglich» sei, die chinesischen Busse aus der Ferne stillzulegen. In Grossbritannien sind derzeit rund 700 Yutong-Busse im Einsatz.Die Zeitung «Telegraph» zitiert Insider aus britischen Regierungskreisen, wonach es bis jetzt aber keine konkreten Beweise für eine missbräuchliche Einflussnahme Chinas gibt. Yutong liess nach dem Test in Norwegen verlauten, die Busse könnten nicht ferngesteuert werden, weil die internetfähige Software gar nicht mit Bremsen oder Lenkung der Fahrzeuge verbunden sei.Trotzdem stellt sich die Frage, warum man sich in Zürich ausgerechnet für einen chinesischen Hersteller entschieden hat.Chinesen machen es über den PreisAuf Anfrage schreiben die VBZ, dass das Beschaffungswesen nicht auf spezifische Hersteller zugeschnitten sein dürfe. Sämtliche Teilnehmer hätten die gleiche Ausgangslage gehabt. Es gebe kein Bonuskriterium, das Schweizer oder europäische Produktion bevorzuge.Die VBZ teilen weiter mit, man habe die entsprechenden Berichte rund um die Busse von Yutong ernst genommen. Die Verkehrsbetriebe verweisen auf die Datenschutzbestimmungen zur Cybersicherheit, welche alle Hersteller erfüllen müssen. Diese Norm schreibe auch vor, wie Fahrzeughersteller ihre Fahrzeuge vor Cyberangriffen schützen müssten.Allerdings betrifft die Kritik an den chinesischen Bussen nicht allein Cyberangriffe, sondern vielmehr einen möglichen Zugriff des Herstellers selbst. Eine ähnliche Debatte ereignete sich rund um die F-35-Kampfflugzeuge, von denen es ebenfalls hiess, die USA könnten aus der Ferne durch Drücken eines Knopfes (eines sogenannten «kill switch») die Flotte lahmlegen.Die VBZ scheinen sich diesbezüglich weniger grosse Sorgen zu machen. Sie teilen mit, die Software-Updates der Busse würden nicht im Einsatz auf der Strasse, sondern stets in den VBZ-Werkstätten durchgeführt. Danach gebe es Systemtests, bevor das Fahrzeug wieder in den regulären Betrieb gesetzt werde. Dies sei heute bereits der Standard.Den Ausschlag für die Chinesen dürfte der Preis gegeben haben, wie die Ausschreibungsunterlagen zeigen. Laut den Angaben liegt dieser pro China-Bus bei 550 000 Franken, ohne zusätzlich nötige Einbauten. Die Elektrobusse, die vor drei Jahren bei MAN bestellt worden sind, kosteten 800 000 Franken pro Fahrzeug. Allerdings haben sich die Preise im Markt in den letzten Jahren deutlich verändert, wie die VBZ mitteilen.Schweizer müssen bibbernViele Transportbetriebe in der Schweiz schaffen derzeit Elektrobusse an, was die knapper werdenden finanziellen Mittel vieler Gemeinden entsprechend belastet. Da haben relativ günstige chinesische Produkte einen Wettbewerbsvorteil. Chinas Unternehmen gelten dank staatlichen Subventionen als extrem wettbewerbsfähig.Die Zürcher bestellen als erster Verkehrsbetrieb der Schweiz Busse in China. Das Nachsehen dürfte die Schweizer Firma Hess haben, die zwar keine Elektrostandardbusse, sondern Trolleybusse produziert und darum bei der jetzigen Vergabe nicht mitgeboten hat. Auf Anfrage möchte ein Sprecher keine Stellung nehmen, weil man keine Vergabeentscheide kommentiere.Der Entscheid aus Zürich könnte für den Schweizer Busbauer aber eine unschöne Richtung aufzeigen. Bei den VBZ scheint man dem Schweizer Lieferanten vorderhand nicht zuzutrauen, seine Probleme in den Griff zu bekommen.Das Problem von Hess ist, dass man einen Teil der Produktion vor knapp einem Jahrzehnt nach Weissrussland ausgelagert hat. Wegen des Ukraine-Kriegs war das Projekt aber nicht von langer Dauer. 2022 hat die Firma ihr Werk in Minsk geschlossen und eines in Portugal eröffnet. In Portugal werden Rohbauten erstellt, die Fertigstellung erfolgt in der Schweiz.Die Firma teilte Anfang Jahr der NZZ mit, sie habe am Standort Bellach viel in eine leistungsfähigere Infrastruktur und Fachpersonal investiert, was sich nun langsam auszahle.Denn auf Hess warten in Zürich bald wegweisende Entscheide. Die VBZ haben nämlich auch die Beschaffung von neuen Trolleybussen ausgeschrieben. Bisher kauften die VBZ diese bei Hess. 110 ihrer 256 Fahrzeuge wurden dort beschafft. Kein gutes Zeichen für den Schweizer Busbauer ist allerdings, dass die VBZ ihre Optionen für neue Hess-Busse aus früheren Käufen nicht eingelöst haben.Passend zum Artikel
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