Die Inflation in Deutschland hat spürbar zugelegt. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag aufgrund einer ersten Schätzung mitteilte, belief sich die Inflationsrate im Juli auf 2,8 Prozent. Im Juni hatte sie 2,3 Prozent betragen, im Mai 2,6 Prozent und im April 2,9 Prozent.In den Monaten Mai und Juni hatte der sogenannte Tankrabatt, die befristete Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe, die Rate hierzulande künstlich gedrückt. Im Euroraum insgesamt hatte sie auch in diesen Monaten schon höher gelegen: Im Mai belief sie sich auf 3,2 Prozent, im Juni auf 2,8 Prozent. Jetzt sieht man also auch in Deutschland wieder die Teuerung ohne diesen Staatseingriff.Energie verteuerte sich auf Jahressicht um 8,3 Prozent. Dienstleistungen stiegen 2,9 Prozent im Preis. Nahrungsmittel wurden 0,4 Prozent teurer. Und die Kerninflation, das ist die Teuerung ohne Energie und Lebensmittel, belief sich auf 2,4 Prozent, nach 2,5 Prozent im Vormonat.Besonders hohe Spritpreise in der ReisewelleDie Kraftstoffpreise in Deutschland sind derzeit nach Angaben des ADAC so hoch wie noch nie in der Geschichte während der Urlaubszeit. Das belastet natürlich primär die Verbraucher mit Auto. An den Autobahnen entlang der Hauptreiserouten zahlt man für Sprit oftmals mehr als 2,50 Euro je Liter. Das ist neben dem Heizöl der wichtigste Treiber der Inflation.Der Rohölpreis selbst schwankt stark mit der Entwicklung im Nahen Osten. Zuletzt notierte er auf 88 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter) für die Nordseesorte Brent. Kürzlich waren es aber auch schon mehr als 100 Dollar gewesen, zwischenzeitlich nur noch etwas mehr als 70 Dollar. Mit dem Ölpreis ändern sich auch die kurzfristigen Inflationsaussichten laufend. Unter Analysten wird jetzt schon diskutiert, ob nicht nur ein hoher, sondern auch ein stark schwankender Ölpreis die Inflation befeuern kann, wenn andere Preise reagieren.Neben Energie legen Preise für Dienstleistungen zuWas genau alles teurer oder günstiger geworden ist, verraten die schon detaillierter veröffentlichten Zahlen für Nordrhein-Westfalen, die meistens die Lage in ganz Deutschland vergleichsweise gut widerspiegeln. Der Heizölpreis stieg demnach auf Jahressicht um 23,1 Prozent. Kraftstoffe verteuerten sich um 23,2 Prozent, darunter Benzin um 22,4 und Diesel um 26,4 Prozent. Fernwärme wurde 1,9 Prozent teurer. Der Preis für Strom dagegen sank um fünf Prozent, der für Erdgas um 1,1 Prozent. Der Erdgaspreis für Verbraucher reagiert wegen langfristiger Verträge oft erst mit Zeitverzögerung auf steigende Weltmarktpreise.Die Nahrungsmittelpreise sind in NRW auf Jahressicht sogar gesunken, um 0,2 Prozent. Die Preise für Speisefette gaben um 17,1 Prozent nach, die für Vollmilch um 9,6 Prozent, die für Käse und Quark um 7,6 Prozent. Eier dagegen wurden 14,8 Prozent teurer, Fisch verteuerte sich um 4,8 Prozent.Dienstleistungen wurden durch die Bank teurer. Das spielt neben den Energiepreisen für die Inflation auch eine Rolle. Essengehen im Restaurant kostete im Juli 3,2 Prozent mehr als vor Jahresfrist, das Übernachten im Hotel 2,9 Prozent. Die Preise für Pauschalreisen stiegen um 5,6 Prozent. Die Preise für Dienstleistungen sozialer Einrichtungen, dahinter steckt unter anderem die Pflege, legten um 6,6 Prozent zu. Speziell die häusliche Alten- und Behindertenpflege verteuerte sich um 11,8 Prozent.Teuerung spricht für EZB-ZinserhöhungAuch in anderen Euroländern ist die Inflation zum Teil deutlich gestiegen. So beschleunigte sich die Teuerung in Spanien, wo der Ölpreis immer stärker als hierzulande auf die Gesamtinflationsrate durchschlägt, von 3,6 auf 3,8 Prozent. Ökonomen hatten nur 3,7 Prozent erwartet.Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte in der vergangenen Woche auf eine Zinserhöhung für Juli verzichtet. Nun wird an den Finanzmärkten fest damit gerechnet, dass die Leitzinsen für den Euroraum im September angehoben werden, auf dann voraussichtlich 2,5 Prozent für den wichtigsten Leitzins, den Einlagensatz. „Die EZB sollte ihre Leitzinsen auf jeden Fall nach der Sommerpause erhöhen“, sagte Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank.Zinsen jetzt oftmals niedriger als die InflationSparer könnten von steigenden Leitzinsen profitieren – allerdings nur dann, wenn Banken und Sparkassen die besseren Konditionen an ihre Kundschaft weitergeben. Das war nach der jüngsten Leitzinserhöhung im Juni gerade einmal bei jedem sechsten von 823 Geldhäusern in Deutschland der Fall (17 Prozent), wie eine Auswertung des Vergleichsportals Verivox ergab.Im Moment leiden Sparer darunter, dass die Zinsen auf viele Sparangebote niedriger sind als die gestiegene Inflation. Im Durchschnitt gibt es für Tagesgeld nach Zahlen der FMH-Finanzberatung 1,67 Prozent Zinsen, für Festgeld auf ein Jahr 2,36 Prozent. Höhere Zinsen gibt es unter anderem für befristete Neukundenangebote. Die Zinsen für Baudarlehen mit zehn Jahren Zinsbindung wiederum sind zuletzt etwas gestiegen, auf 4,1 Prozent.
Die Inflation in Deutschland steigt auf 2,8 Prozent
Die Lebenshaltungskosten in Deutschland legen im Juli deutlich zu. Das wird auch wohl noch eine Weile so bleiben. Wofür müssen Verbraucher jetzt besonders viel zahlen?












