Die Inflation in Deutschland belief sich im August auf 2,9 Prozent. Das hat das Statistische Bundesamt am Montag aufgrund einer ersten Schätzung mitgeteilt. Im Juli hatte die Rate 2,8 Prozent betragen, nach 2,3 Prozent im Juni. Seit sechs Monaten liegt die Rate nun oberhalb der Marke von zwei Prozent, die von der Europäischen Zentralbank für den Euroraum eigentlich angestrebt wird.Haupttreiber der Teuerung sind weiter der hohe Ölpreis und die Benzinpreise. Schon im Juli war die Rate hochgeschnellt, als der Tankrabatt auslief. Immer mal wieder gab es Hoffnungen, der Konflikt um Iran und die Straße von Hormus könnte vorbei sein. Gleichwohl bewegte sich der Ölpreis im August weiterhin auf einem erhöhten Niveau, in einer Spanne zwischen 76 und 93 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter) für die Nordseesorte Brent. Die Spritpreise waren sogar noch etwas höher als im Vormonat.Energie verteuerte sich im Durchschnitt um 10,5 Prozent, nach 8,3 Prozent im Juli. Nahrungsmittel stiegen 0,1 Prozent im Preis, nach 0,4 Prozent im Vormonat. Waren verteuerten sich 3,5 Prozent, nach 2,5 Prozent im Juli. Und die Kerninflation, das ist die Teuerung ohne Energie und Nahrungsmittel, verharrte auf 2,4 Prozent.Weizen viel teurer, Brot (noch?) nichtZu den heiklen Punkten für die weiteren Aussichten gehört, ob die schlechten Ernten durch die Trockenheit in vielen Ländern jetzt auch noch zusätzlich bestimmte Lebensmittelpreise steigen lassen. Auf den Weltmärkten war zuletzt ein spürbarer Anstieg des Preises unter anderem für Weizen zu beobachten gewesen. Allerdings ist der Anteil des Weizenpreises am Endpreis beispielsweise eines Brötchens relativ gering; hier muss nicht automatisch eine Kettenreaktion einsetzen.Bislang war es ein entscheidender Unterschied zur Inflationswelle 2022/2023 gewesen, dass diesmal zwar wieder die Energiepreise in die Höhe gingen, aber die Lebensmittelpreise zumindest im Durchschnitt nicht. Das hatte auch Verteilungswirkungen: Während damals nach Zahlen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung die Ärmeren besonders unter der Inflation litten, weil sie überdurchschnittliche Anteile ihres Einkommens für die stark im Preis gestiegenen Güter ausgaben, war das bislang in dieser Welle zumindest nicht durchgängig nicht so.Salat und Möhren steigen sehr stark im PreisWas genau alles teurer oder billiger wurde, verraten die schon detaillierter veröffentlichten Zahlen aus Nordrhein-Westfalen, die meistens relativ repräsentativ für ganz Deutschland sind. Dort ist von einem Anstieg der Nahrungsmittelpreise insgesamt zumindest bislang noch nicht viel zu sehen. Im Durchschnitt legten sie lediglich um 0,1 Prozent zu, also weit unterdurchschnittlich. Brot und Getreideerzeugnisse, auf deren Preise man wegen der schlechten Getreideernten blicken könnte, verteuerten sich auf Jahressicht lediglich um 0,4 Prozent. Aber gut möglich natürlich, dass ein Preisanstieg da erst noch kommt.Obst wurde auf Jahressicht zwei Prozent günstiger, Gemüse dagegen 5,2 Prozent teurer. Deutlich im Preis gestiegen sind unter anderem Kopf- und Eisbergsalat mit plus 30,1 Prozent und Möhren mit plus 18 Prozent. Auch die Eierpreise stiegen weiter, um 15,8 Prozent. Dagegen wurden Molkereiprodukte wie teilentrahmte Milch mit minus 11,2 Prozent und Vollmilch mit minus 10,1 Prozent deutlich günstiger. Sinkende Preise verzeichneten auch Speisefette und -öle um 16,9 Prozent, darunter Butter um 32,3 Prozent. Diese war davor allerdings auch extrem im Preis gestiegen.Strom und Gas etwas billigerDie Energiepreise für Verbraucher entwickelten sich unterschiedlich. Nach Angaben der Statistiker wurde Strom für Verbraucher auf Jahressicht 5,6 Prozent und Erdgas 1,2 Prozent billiger. Das verwundert angesichts der allgemeinen Energiekrise zunächst vielleicht; zum Teil spielten dabei wohl Veränderungen der gesetzlichen Regelungen eine Rolle, wie die Abschaffung der Gasspeicherumlage und ein Milliardenzuschuss des Staates zu den Übertragungsnetzgebühren beim Strom. Zu berücksichtigen ist aber wohl auch, dass sich gerade für Gas Neu- und Bestandskundenpreise oftmals unterschiedlich entwickeln und Preisveränderungen auf den Rohstoffmärkten durch die lang laufenden Verträge erst mit Verzögerung bei den Verbrauchern ankommen.Für Heizöl geht das alles immer viel schneller: Hier stieg der Preis auf Jahressicht um 33,6 Prozent. Fast so hoch war der Preisanstieg für Kraftstoff; er belief sich im Durchschnitt auf 26,5 Prozent. Dabei verteuerte sich Diesel mit plus 35,6 Prozent noch stärker als Benzin mit plus 24 Prozent. Ein Grund: Diesel wird zu größeren Teilen komplett importiert, der Preis ist noch stärker als der für Benzin von den internationalen Lieferketten abhängig.Zwischen Juli und August gab es in NRW zudem offenbar einen zusätzlichen Preisschub für Kraftstoff durch das Niedrigwasser des Rheins. Das scheint aber je nach Bundesland unterschiedlich zu sein.Pflege wird immer teurerNach wie vor spielen auch die Dienstleistungen eine nicht zu unterschätzende Rolle für die Inflation. So verteuerten sich Dienstleistungen sozialer Einrichtungen um 6,6 Prozent. Besonders stark war darunter der Preisanstieg in der häuslichen Alten- und Behindertenpflege mit plus 11,5 Prozent. Essengehen im Restaurant wurde 3,3 Prozent teurer. Übernachtungen im Hotel stiegen 1,3 Prozent im Preis. Pauschalreisen, deren Preise stark saisonal schwanken, verteuerten sich um 3,2 Prozent.Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in der kommenden Woche am Donnerstag über die Zinsen zu entscheiden. Der EZB-Rat trifft sich ausnahmsweise in Berlin und nicht in Frankfurt: In solchen Auswärtssitzungen passiert sonst oft nicht viel, wie die Börsianer gern sagen. Aber diesmal scheint eine Zinserhöhung zu erwarten zu sein. Der wichtigste Leitzins, der Einlagensatz, dürfte von 2,25 auf 2,5 Prozent steigen.Die Verbraucherzinsen sind im Vorgriff auf eine mögliche EZB-Zinserhöhung zum Teil schon gestiegen. Für Tagesgeld gibt es nach Zahlen der FMH-Finanzberatung jetzt im Durchschnitt 1,69 Prozent, für Neukunden befristet auch Sätze um die vier Prozent. Die Bauzinsen haben die vier Prozent klar überschritten, im Durchschnitt zahlen Kreditnehmer für ein Darlehen mit zehn Jahren Zinsbindung 4,15 Prozent.Dabei spielt auch eine Rolle, dass die Anleiherenditen durch höhere Inflations- und Zinserwartungen sowie Sorgen um die Nachhaltigkeit der Staatsschulden zugelegt haben. Die Rendite der Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit erreichte am Montag mit 3,309 Prozent zeitweise den höchsten Stand seit Mai ⁠2011. Die Rendite der Anleihe mit zwei Jahren Laufzeit, die besonders empfindlich auf Zinserwartungen reagiert, erreichte mit 2,9014 Prozent den höchsten Wert seit Juli 2024.