Ein IT-Unternehmen kündigt einem Berliner Mitarbeiter und Betriebsrat – weil er sich gegen die Zusammenarbeit mit dem US-Militär einsetzt.
An einem Mittwochnachmittag Mitte Juni sitzt Mohamed Abbas in einem kleinen Sitzungssaal des Berliner Arbeitsgerichts. Abbas streitet sich mit seinem Arbeitgeber, der US-amerikanischen IT-Beratungsfirma Thoughtworks. Die hat ihm gekündigt.
Der von der Firma vorgetragene Grund für die Kündigung: Abbas ist zu politisch. Mit seiner Kritik an der Zusammenarbeit mit dem US-Militär habe er den Betriebsfrieden gestört, seit seinen Aufrufen zur Solidarität mit Palästina fühlten sich jüdische Kolleg:innen nicht mehr sicher im Unternehmen. So sehen es zumindest die Anwälte seines Arbeitgebers.
Für Abbas Anwältin hingegen ist es ein klassischer Fall von Union-Busting, der Verhinderung von gewerkschaftlicher Organisierung. Thoughtworks ist ein global agierendes Unternehmen mit über 10.000 Mitarbeitenden, das Software für andere Unternehmen und Organisationen entwickelt und implementiert. Das sich mit sozialer Verantwortung und moralischem Bewusstsein rühmt. Doch die Geschäfte laufen schlecht. Die Wirtschaft schwächelt, Kundenaufträge brechen weg und die IT-Beratungsbranche steht durch die KI-Revolution unter Druck, sich selbst neu zu erfinden. Druck, den das Management an die Beschäftigten weiterreicht.






