Von Prenzlauer Berg nach Prenzlauer Berg führt dieses Buch. Es nimmt einen Umweg über den Alexanderplatz mit der Weltzeituhr, die im Buchtitel steht, macht einen Ausflug nach Dalino, ein Wissenschaftsstädtchen bei Moskau, in die georgische Hauptstadt Tbilissi und nach London.„Ich bin die Beobachterin am Zaun“, sagt die Erzählerin, weil sie sich so oft als Außenseiterin fühlt. Etwa dann, „wenn meine Kolleginnen sich über die leidvolle Gefangenschaft ihrer Wehrmachtsväter“ unterhalten. Die Eltern der Berliner Psychotherapeutin und Autorin Helga Kurzchalia waren vor den Nazis nach London geflohen. Ihre Geschwister sind noch dort geboren worden, sie selbst kam 1948 in Ost-Berlin zur Welt; ihre Eltern hofften, ein gutes neues Deutschland mit aufbauen zu können. Als Außenseiterin sieht die Erzählerin sich auch, „wenn am Frühstückstisch über das Kollektiv der Sozialistischen Arbeit geredet wurde, ohne dass irgendwer Lust darauf hatte“. Es ist ein Leben zwischen Anpassung und Verweigerung.

Kriegslöcher und Braunkohleluft

Von der Zaun-Position profitieren die Leserinnen und Leser von „Weltzeituhr“, denn dieser Roman lebt von seiner sehr eigenen Perspektive. Das schreibende Ich verbindet Persönliches und Politisches, macht die Atmosphäre der 1970er- und 80er-Jahre in der DDR spürbar durch viele Details.