Die Worte sind messerscharf. Einen Angriff auf den Fußball, so nennt Hans-Joachim Watzke, der Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes, Gianni Infantinos Pläne zum Verkauf von WM-Rechten. Beim europäischen Dachverband UEFA ist von der Seele des Spiels die Rede, mit der man nicht einfach handeln dürfe. Wenn man das so hört, scheint er unausweichlich, der offene Kampf um die Zukunft des Weltfußballs. Dann klingt es, als würde die UEFA alles tun, um den FIFA-Präsidenten zu stoppen bei seinen großen Ausverkaufsplänen.Es wäre dringend nötig. Wegen der Pläne, WM-Anteile zu verkaufen, von denen niemand weiß, was genau sie bedeuteten würden – doch dass die FIFA und ihre neuen Partner das Spiel auspressen würden, bis der letzte Euro eingenommen ist, das ahnt jeder. Es wäre aber auch ohne diese Pläne längst nötig gewesen, Infantino zu stoppen auf seinem Weg des Machterhalts und der Gewinnmaximierung. Er wandelt darauf seit Jahren, ohne dass ihn jemand aufgehalten hätte. Auch in Europa nicht.Überschrittene Grenzen und rote Linien – doch was folgt daraus?Ein gutes Jahr ist es her, da zeigten wichtige Männer und Frauen in Europas Fußball, dass sie Infantinos Treiben satt hatten. In Asunción, Paraguay, fand im Mai 2025 der jährliche Kongress der FIFA statt, und er begann viel zu spät: Der hohe Herr war noch auf Reisen, gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump. Infantino führte sie vor, die Fußballfunktionäre und Politiker, er ließ alle warten. Manche Verbandsvertreter verließen den Saal, bevor der Kongress zu Ende war. Sie hatten genug.Ein paar Tage später aber ruderte die UEFA zurück: Ein Einzelfall sei das gewesen, man wolle weiter gut zusammenarbeiten. Weil man die offene Konfrontation dann doch scheute, sie nicht für zielführend erachtete. Weil man wohl dachte, sie böte mehr Risiken als Chancen.Infantino braucht EuropaSo läuft das oft im jahrelangen Konflikt zwischen FIFA und UEFA: Es gibt mittelgroße Gesten und messerscharfe Worte. Diesmal findet man in Europa, Gianni Infantino überschreite „eine Grenze“. Vor ein paar Wochen, als Donald Trump im Fall Balogun bei der FIFA anrief, war es „eine rote Linie“. Aber wenn jemand ständig Grenzen und rote Linien übertritt, dann reicht es nicht, ihn dafür zurechtzuweisen.Infantino braucht Europa. Er hat die großen europäischen Fußballklubs für seine Klub-WM gebraucht, weil man ohne Spitzenmarken kein Turnier vermarkten kann. Und er braucht die großen Fußballnationen für die WM. 20 Milliarden US-Dollar soll das neue FIFA-Tochterunternehmen wert sein, samt der Rechte an den Turnieren. Wie viel wäre es wert ohne Europa, ohne die sechs europäischen Mannschaften, die im WM-Viertelfinale standen? Und wer, wenn nicht die großen europäischen Verbände, von denen der größte der zahme Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist, soll diese FIFA stoppen?Es scheint oft, als könne Infantino sich seine Welt formen, wie er will, solange er nur genug Geld auftreibt – weil das System der FIFA ihm keine Grenzen setzt. Aber es ist nicht nur das Wahlsystem der FIFA, es sind auch die mächtigen Verbände selbst, die es Infantino leicht machen. Das letzte ganz große Vorhaben, mit dem er scheiterte, war der Vorschlag, die WM alle zwei Jahre auszutragen. Warum? Weil sich die Kontinentalverbände aus Südamerika und Europa querstellten, weil sie drohten, nicht teilzunehmen an diesen Turnieren, oder aus der FIFA auszutreten.So sehen die wahren Waffen der UEFA aus. Wenn die europäischen Verbände wirklich Wandel wollen, wenn Infantino wirklich ihre Grenzen überschreitet, dann braucht es endlich mehr als messerscharfe Worte.
UEFA und FIFA: Europas Fußball muss sich gegen Infantino richtig wehren
Gianni Infantino presst den Fußball aus, wo es nur geht. Europas mächtige Verbände müssen sich endlich anders wehren – nicht nur wegen der neuen Pläne für die Weltmeisterschaft.











