FIFA-Präsident Gianni Infantino sorgt mit seinen WM-Verkaufsplänen vielfach für Kopfschütteln und Verärgerung. Bayern Münchens Sportvorstand Max Eberl bezeichnete die Vorgänge am Mittwoch als „beschämend“: „Ich schäme mich dafür, dass wir im Fußball über solche Gedanken reden. Der Fußball gehört uns nicht“, betonte der Zweiundfünfzigjährige.Er habe das Gefühl, die FIFA sei dafür da, „nur Profit zu machen“. Er fühle sich zwar als Kind des Fußballs und habe die Ehre, schon Jahrzehnte in diesem Business aktiv zu sein. Aber: „Selbst mich, der im Fußball wirklich zu Hause ist, mich ekelt das an“, sagte Eberl. Dass die Europäische Fußball-Union (UEFA) in einer Krisensitzung bereits an diesem Mittwoch über einen möglichen WM-Boykott beraten könnte, befürworte er: „Ich bin immer ein Freund von Dialog. Aber wenn es so weit kommt, dann wäre ich tatsächlich dafür, dass wir als Europa eine starke Stirn bieten und sagen: ‚Nein, da machen wir nicht mit.‘“„Ich verstehe die Beweggründe für diese Pläne nicht“Auch Borussia Dortmunds Klubchef Carsten Cramer äußerte deutliche Kritik: „Für mich ist es unerklärlich, warum die FIFA diesen Schritt gehen möchte. Ich verstehe die Beweggründe für diese Pläne nicht“, sagte der Geschäftsführer, der sich mit dem BVB derzeit auf Japan-Reise befindet. Cramer ergänzte: „Nicht nur mein erster Eindruck, sondern auch das erste Feedback darauf ist überhaupt nicht positiv. Warum meint die FIFA, das Rad neu erfinden zu müssen? Für mein Empfinden ist dieser Vorstoß überhaupt keine gute Idee.“Matthias Sammer, Berater beim BVB, äußerte sich beim Internationalen Trainerkongress in Mainz differenziert zu der Thematik: „Gianni Infantino muss es erstmal schaffen, allen gerecht zu werden. Das ist seine Aufgabe und die der FIFA. Es ist immer ein schmaler Grat“, sagte Sammer. Jedoch sehe er eine „Gefahr, wenn in die Integrität des Spiels eingegriffen wird.“ Wenn man „die emotionale Glaubwürdigkeit des Fußballs aufs Spiel“ setze, rühre dies an den „Grundmauern des Fußballs“, betonte der Achtundfünfzigjährige.FIFA-Präsident Gianni Infantino zwischen Lionel Messi (links) und US-Präsident Donald Trump: Wer steht tatsächlich im Mittelpunkt des Fußballs?dpaDeutliche Kritik übte Florian Kohfeldt, Trainer beim Zweitligaverein Darmstadt 98: „Als Privatperson halte ich es für eine Vollkatastrophe, was da passiert“, schimpfte er: „Das Spiel an sich und das Erlebnis rücken immer weiter weg. Ich finde es zum Kotzen.“ Marie-Louise Eta, seit dieser Saison Cheftrainerin der Frauen von Union Berlin, erklärte, dass für sie ein Stück weit der Glaube und Spaß verloren gehen würden, Trainerkollege Sebastian Hoeneß vom VfB Stuttgart sagte, ihm falle „gar nichts ein, was daran gut sein soll“.Am Dienstag war durch Medienberichte bekannt geworden, dass FIFA-Präsident Infantino über eine neu zu gründende Tochterfirma namens FIFA Forward Enterprise (FFE) Anteile an der Fußball-WM an private Investoren abtreten will. Die FIFA bestätigte das Vorhaben in einer Mitteilung weitgehend.
FC Bayerns Eberl zu Infantinos FIFA-Plänen für Fußball-WM: „Ekelt mich an“
Auch in der Bundesliga löst die Ankündigung der FIFA über einen möglichen Investoreneinstieg bei der Fußball-WM Irritationen aus. Nicht nur der Sportvorstand des FC Bayern übt mit deutlichen Worten Kritik.













