Überraschung aus Teheran: Mit einem Raketenangriff beenden die Iraner die FeuerpauseIn der Nacht auf Mittwoch griff Iran eine amerikanische Militärbasis in Jordanien an. Die Islamische Republik will den Druck auf Washington erhöhen. Doch der neue Offensivkurs birgt grosse Risiken.29.07.2026, 14.35 Uhr4 LeseminutenEin Wandbild von Ayatollah Ali Khamenei in Teheran. Iran setzt derzeit auf Eskalation und hat in der Nacht auf Mittwoch eine amerikanische Militärbasis in Jordanien angegriffen.Abedin Taherkenrareh / EpaEin paar Tage lang herrschte im Nahen Osten eine trügerische Ruhe. Jetzt ist es damit offenbar vorbei. In der Nacht auf Mittwoch attackierten Irans Raketentruppen die jordanische Luftwaffenbasis Muwaffaq Salti. Der im Niemandsland östlich von Amman gelegene Stützpunkt dient unter anderem auch dem amerikanischen Militär als Basis.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Bei dem nächtlichen Überraschungsangriff sei niemand zu Schaden gekommen, verkündete die amerikanische Militärführung für den Nahen Osten. Alle acht Geschosse seien von der jordanischen Flugabwehr rechtzeitig vom Himmel geholt worden. Und dennoch bedeutet der Raketenangriff auf den Wüstenposten einen Einschnitt.Iran geht in die OffensiveZum ersten Mal seit Beginn des Iran-Krieges im März geht Teheran in die Offensive – und beendet damit die Feuerpause, die seit letztem Freitag geherrscht hat. Zuvor hatten die Iraner ihre Raketen und Drohnen jeweils nur als Reaktion auf amerikanische oder israelische Luftangriffe abgeschossen. «Wenn die Amerikaner nicht schiessen, dann tun wir es auch nicht», hiess es jeweils aus Teheran.Ein Satellitenbild zeigt amerikanische Flugzeuge auf der jordanischen Luftwaffenbasis Muwaffaq Salti.Planet Labs PBC via ReutersNun ist das offenbar Makulatur – mit unabsehbaren Folgen. Schon jetzt droht der kurzzeitig eingefrorene Konflikt im Nahen Osten an allen Ecken und Enden wieder aufzuflackern. Vom Irak über den Golf und Jordanien bis hinunter ins ferne Jemen wurde jüngst wieder Beschuss gemeldet. Bisher haben sich noch keine iranischen Offiziellen zu den neuen Angriffen geäussert.Die neue Offensivstrategie Teherans hatte sich abgezeichnet. So gingen die Iraner bereits vor der Kurzzeit-Waffenruhe in den Eskalationsmodus über, als sie mithilfe der mit ihnen verbündeten jemenitischen Huthi-Miliz drohten, die Meerenge von Bab al-Mandab zu sperren. Teheran will damit den Druck auf Washington weiter erhöhen.Druck auf die AmerikanerGleichzeitig lehnten die Iraner einen Schlichtungsvorschlag für die Wiedereröffnung der ebenfalls auf iranische Initiative hin gesperrten Strasse von Hormuz ab. Oman – welches sich gemeinsam mit Teheran die territoriale Hoheit über die Gewässer teilt – brachte eine Kontrollkommission ins Spiel, die in Zukunft eine freiwillig zu bezahlende Gebühr für die Durchfahrt der Meerenge erheben soll.Iran war das aber zu wenig. Die Islamische Republik beansprucht die Kontrolle über den für die Weltwirtschaft bedeutsamen Wasserweg für sich allein. Anstatt weiterzuverhandeln, entschlossen sich die Machthaber in Teheran am Dienstag dazu, die Kämpfe wieder aufzunehmen.Mit der Rückkehr zum Krieg wollen sie den Druck auf die Amerikaner erhöhen und Washington innert nützlicher Frist zu Zugeständnissen zwingen. Dabei erweist sich die Kontrolle über Hormuz als ideale Trumpfkarte. In Zukunft dürfte der Nutzen der Wasserstrasse für Iran jedoch abnehmen. Schon jetzt suchen die Erdölproduzenten am Golf fieberhaft nach alternativen Transportwegen für ihre Rohstoffe.In Teheran toben heftige MachtkämpfeDie Eskalation hat aber vermutlich noch einen anderen Grund. So toben in Teheran seit dem Tod von Ayatollah Ali Khamenei, der gleich am ersten Kriegstag bei einem israelischen Luftangriff ums Leben kam, heftige Diadochenkämpfe zwischen den verschiedenen Vertretern des Regimes. Dabei streiten sich Diplomaten, Politiker und die Militärs der Revolutionswächter untereinander.Die Verhandlungen mit Amerika, aber auch die Entscheidung über Krieg und Frieden, sind längst Teil dieser innenpolitischen Kämpfe. Vor allem konservative Kreise rund um die Führung der Revolutionswächter sehen in jedem Kompromiss mit dem Westen eine Schwäche und wollen am liebsten trotz allen Verlusten weiterkämpfen.Doch der neue Kurs birgt Gefahren. Nicht nur, weil die Amerikaner nun auch Brücken und Kraftwerke innerhalb Irans zerstören könnten. Sondern auch, weil der Krieg immer weitere Kreise zieht und Teheran die Kontrolle darüber zu verlieren droht. Bereits jetzt werden regionale Mächte wie Jordanien, Kuwait oder Saudiarabien in die Kämpfe mit hineingezogen.Saudiarabien schlägt zurückDie saudische Luftwaffe etwa bombardiert nicht nur die jemenitischen Huthi, sondern griff gemeinsam mit den Amerikanern in der Nacht auf Mittwoch auch Stellungen der iranfreundlichen Milizen im Irak an. Dabei sollen zwanzig Kämpfer der offiziell den irakischen Sicherheitskräften zugehörigen Volksmobilisierungskräfte ums Leben gekommen sein. Zuvor hatten irakische Kämpfer offenbar Drohnen auf Saudiarabien abgeschossen.Nach den amerikanisch-saudischen Luftangriffen sind auf einem Stützpunkt der Volksmobilisierungskräfte im Irak deutliche Spuren der Zerstörung sichtbar.Farid Abdulwahed / APDabei hatten die Saudi zuletzt eigentlich auf eine Deeskalation hingearbeitet und versucht, mit Iran ein Auskommen zu finden. Sie waren nicht die Einzigen. Sogar die mit Israel verbündeten Vereinigten Arabischen Emirate – die zu Beginn des Krieges von Teheran besonders unter Beschuss genommen wurden – strebten eine Beendigung des Krieges an.Angesichts der neuesten Eskalation dürfte es den ohnehin schon angeschlagenen Golfstaaten aber immer schwerer fallen, derartige Bemühungen weiter aufrechtzuerhalten. Saudiarabien etwa – welches sich erst 2023 mit den Iranern nach Jahren des Streits versöhnt hatte – scheint inzwischen fest entschlossen, den Angriffen von Teherans Verbündeten mit aller Macht entgegenzuwirken.Passend zum Artikel
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