Ein paar wenige Tage schien weitgehend Ruhe zu herrschen, nachdem Iran und die Vereinigten Staaten am Freitag erklärt hatten, ihre gegenseitigen Angriffe vorerst einzustellen. Nun aber hat sich der Konflikt wieder neu aufgeheizt. Iranische Medien berichteten am Mittwoch, Amerika habe eine Stadt im Nordwesten Irans an der Grenze zum Irak angegriffen. Der „amerikanische Feind“ habe eine Gegend im Grenzgebiet „mit Luftangriffen attackiert“, hieß es im iranischen Staatsfernsehen.Im Irak hatte sich die Lage bereits zuvor zugespitzt. Die USA und Saudi-Arabien erklärten am Mittwoch, beide Länder hätten Ziele im Osten des Landes angegriffen, die ihren Angaben nach von Teheran zur Steuerung von Drohnenangriffen genutzt wurden. In einer Mitteilung des zuständigen amerikanischen Armeekommandos Centcom hieß es, amerikanische und saudische Kampfflugzeuge hätten mehrere Logistik- und Waffenlager von mit Iran verbündeten Milizen attackiert. Dies sei eine Reaktion auf angeblich mehr als 30 von der iranischen Revolutionsgarde angeordnete Drohnenangriffe in den vorigen 72 Stunden gewesen.Notfallsitzung des irakischen SicherheitsratsAm Vortag hatte Saudi-Arabien bekanntgegeben, dass seine Luftverteidigung mehrere Drohnen zerstört habe, die Ölanlagen im Osten des Königreichs angegriffen hatten. Aus dem Verteidigungsministerium hieß es, mit Iran verbündete Milizen hätten die Angriffe von irakischem Territorium aus gestartet. Riad betonte am Mittwoch, es wolle keine Eskalation, werde aber auf jede „Aggression“ reagieren.Schon vor dem jüngsten Schlagabtausch hatten schiitische Milizen im Irak immer wieder in den Konflikt eingegriffen. Wie die Hizbullah in Libanon oder die Huthi im Jemen gehören auch sie zur Schattenarmee Teherans, die von den iranischen Revolutionswächtern gelenkt wird. Beobachtern zufolge hat das iranische Regime seinen Griff auf die irakischen Milizen während des Kriegs mit den USA und Israel noch weiter verstärkt. In den vergangenen Monaten waren irakische Gruppen Iran laut Berichten aus Sicherheitskreisen immer wieder mit Angriffen auf arabische Verbündete der USA zur Seite gesprungen.Iraks Regierungschef Ali al-Zaidi berief am Mittwoch eine Notfallsitzung des Sicherheitsrats ein. Das Treffen in Bagdad sollte sich laut Berichten um die Sicherheitslage und die Luftangriffe drehen. Al-Zaidi, der auf die USA als Partner angewiesen ist, strebt eine Entwaffnung der irantreuen Milizen in seinem Land an. Wie groß der Einfluss Teherans ist, zeigte sich allerdings nicht zuletzt an den Feierlichkeiten rund um die Beerdigung des Obersten Führers Ali Khamenei, die auch im Irak stattfanden.Iranische Angriffe auf JordanienDie von Iran gelenkte Hizbullah in Libanon schaltete sich am Mittwoch ebenfalls ein. Erstmals seit einem Monat steuerte sie eine mit Sprengstoff beladene Drohne auf ein Fahrzeug der israelischen Armee in Südlibanon. Israels Armee sprach am Nachmittag von einem „eklatanten Verstoß gegen die Waffenruhe“. Verletzte gab es keine.Neben den Attacken seiner Gehilfen im Ausland griff Iran aber auch selbst wieder an. Kurz vor den amerikanisch-saudischen Angriffen im Irak teilte das US-Militär mit, es habe einen iranischen Überraschungsangriff verhindert. Erstmals seit dem vorläufigen Stopp der amerikanischen Angriffe auf Iran hätten Teherans Streitkräfte demnach mehrere ballistische Raketen auf US-Truppen im Nahen Osten abgefeuert. Alle Geschosse seien abgefangen worden. Teheran erklärte seinerseits, mehrere ballistische Raketen auf amerikanische Militäreinrichtungen in Jordanien abgefeuert zu haben.Die iranische Revolutionsgarde gab darüber hinaus bekannt, dass sie abermals drei Öltanker in der Straße von Hormus angegriffen und zum Anhalten gezwungen habe. Der Konflikt um die strategisch wichtige Meerenge bleibt weiter ungelöst. Angaben aus Teheran zufolge habe man dem Golfstaat Oman nun eine Übergangslösung angeboten, laut der die Route in einer Richtung komplett, in der Gegenrichtung teilweise durch ⁠iranische Gewässer verlaufen solle. Einen omanischen Vorschlag zur gleichmäßigen Aufteilung der Transitwege hatte Teheran zuvor abgelehnt.