Gefecht um Hormuz: Nach einem Monat Ruhe schiessen die USA und Iran wieder aufeinanderAmerikanische Streitkräfte haben Stellungen der Revolutionswächter auf der Insel Larak angegriffen. Teheran antwortete mit Raketen auf Jordanien und Drohnen auf die Emirate. Dabei wollte Washington den Krieg eigentlich mit Sanktionen entscheiden.31.08.2026, 15.36 Uhr4 LeseminutenSorgt erneut für militärische Auseinandersetzungen: die Meerenge von Hormuz.Stringer/ReutersJetzt sprechen wieder die Waffen. Am Sonntag hat die amerikanische Armee iranische Stellungen angegriffen. Teheran antwortete noch in der Nacht. Ballistische Raketen flogen in Richtung amerikanischer Stützpunkte in Jordanien, Drohnen attackierten eine Luftwaffenbasis in den Vereinigten Arabischen Emiraten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Es ist die erste militärische Eskalation seit einem Monat. Und mit ihr gerät auch der Kurs der Amerikaner ins Wanken. Denn Washington hatte in letzter Zeit darauf gehofft, den Krieg gegen das islamistische Regime mit Sanktionen zu gewinnen, nicht mit Bomben.Grund für das amerikanische Vorgehen ist einmal mehr die Meerenge von Hormuz. Iranische Einheiten seien auf der Insel Larak dabei beobachtet worden, den Abschuss von Seeminen vorzubereiten. Das sagte Tim Hawkins, Sprecher des Zentralkommandos der amerikanischen Armee im Nahen Osten.Erst in der Vorwoche hatte Washington erklärt, sämtliche Minen seien aus den Schifffahrtsrouten geräumt. Die Strasse von Hormuz sei offen, versicherte seinerseits Präsident Donald Trump.Über die Opfer des amerikanischen Angriffs gab es zunächst keine gesicherten Angaben. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim sprach von zwei Toten und zwei Verletzten. General Hossein Mohebi, Sprecher der iranischen Revolutionswächter, nannte den Angriff einen «fatalen Fehler» der Trump-Regierung.Kurz darauf griff Iran die Stützpunkte King Hussein und al-Azrak in Jordanien an, wo amerikanische Truppen stationiert sind. Acht Raketen soll die jordanische Flugabwehr abgefangen haben. Verletzte oder Schäden gab es nicht. Zum Drohnenangriff auf den Luftwaffenstützpunkt al-Minhad in den Emiraten äusserten sich die Behörden zunächst nicht.Neue Sanktionen geplantIn dem militärischen Schlagabtausch spiegelt sich wohl auch die Unzufriedenheit Washingtons mit der Lage. Denn anders als von Trump offiziell beteuert, wird die für den weltweiten Ölhandel wichtige Meerenge noch immer kaum genutzt. Das beweist ein Blick auf die Zahlen. 24 Schiffe hätten sie in der vergangenen Woche passiert, sagte Trump. Vor Kriegsbeginn waren es täglich rund 130.Washington hat den Druck deshalb jüngst auf die iranische Wirtschaft ausgeweitet. Finanzminister Scott Bessent kündigte am Sonntag neue Sanktionen gegen Teheran an, aber auch gegen Staaten, die weiter mit Iran Handel treiben. Sein Ministerium sprach gar von einem «wirtschaftlichen D-Day».So wurde am Freitag ein Verfahren gegen die Banque Misr eingeleitet. Das ägyptische Finanzinstitut macht seit Jahren Geschäfte mit Iran, nun soll es vom amerikanischen Finanzsystem abgeschnitten werden. Auch andere Staaten sollen bei den Sanktionen mitziehen. Dafür will Bessent diese Woche beim G-20-Treffen im amerikanischen Asheville werben.Bis jetzt geht Washington allerdings vorsichtig vor. Das zeigt gerade der Fall der Banque Misr. Betroffen von den amerikanischen Sanktionen sind nur die Niederlassungen in den Emiraten. Gegen das Institut selbst sind sie nicht gerichtet. Offenbar zögert Washington, wichtige Handelspartner Irans hart zu treffen. Das gilt vor allem für China und Indien.Peking ist Irans grösster Handelspartner und wichtigster Käufer iranischen Öls. Genau diese Käufe will Washington stoppen. Bessent kündigte deshalb Gespräche mit seinen chinesischen Kollegen an. Zugleich drohte er: Sollte China weiter iranisches Öl kaufen, lägen «alle Optionen auf dem Tisch».Krieg kostet Iran 270 MilliardenDer Versuch, den Krieg ins Ökonomische zu verlagern, kommt nicht ohne Not. Die Auseinandersetzung nagt inzwischen auch an den Amerikanern. Nach einem halben Jahr Krieg sind die Munitionsbestände ausgedünnt. In Washington wächst die Sorge, dass der andauernde Konflikt die eigene Einsatzbereitschaft in anderen Weltregionen untergräbt.Mehrere Generäle wiesen Verteidigungsminister Pete Hegseth kürzlich warnend darauf hin, dass das Tempo der Einsätze nicht durchzuhalten sei. Es schwäche die Fähigkeit, Bedrohungen anderswo zu begegnen, auch zur Verteidigung des eigenen Landes. Rund 50 000 amerikanische Soldaten stehen in der Region, viele von ihnen gebunden durch die Blockade iranischer Häfen. Vor Kriegsbeginn waren es 10 000 Soldaten weniger.In Teheran gibt man sich derweil unnachgiebig. Immer wieder gab es in den vergangenen Wochen Angriffe auf Öltanker in der Region, mutmasslich aus Iran. Mit der Neuverlegung von Seeminen versucht das Regime nun wohl, die volle Kontrolle über die Meerenge zurückzugewinnen.Man suche keinen Krieg, sagte Präsident Masud Pezeshkian am Montag im Staatsfernsehen. Einer Aggression werde man aber niemals tatenlos zusehen, man sei zu einer entschiedenen Antwort fähig. Das Aussenministerium verurteilte den Angriff auf Larak und berief sich auf das Recht auf Selbstverteidigung. Der Preis, den das Land für die Auseinandersetzung zahlen muss, ist dabei schon heute hoch. Iranische Stellen beziffern den Schaden des Krieges mittlerweile auf 270 Milliarden Dollar.Und der Krieg könnte sich noch länger hinziehen. Verhandlungen mit Washington gibt es derzeit nicht, das bestätigte das Weisse Haus am Donnerstag. Iran und Oman sprechen zwar weiter über eine Regulierung für die Meerenge, vermittelt unter anderem von Katar. Trump lässt sich aber Zeit. Er habe es nicht eilig, Iran an den Tisch zu bekommen, sagte er vergangene Woche.Passend zum Artikel