Kämpfe am Persischen Golf: Die USA und Iran liefern sich die heftigsten Gefechte seit Beginn der WaffenruheTeheran schiesst ballistische Raketen auf amerikanische Militärbasen in Kuwait und Bahrain, nachdem amerikanische Truppen einen Tanker in der Strasse von Hormuz angegriffen haben. Die Attacken kommen zu einer Zeit, in der ein diplomatischer Durchbruch weit entfernt bleibt.03.06.2026, 10.17 Uhr3 LeseminutenSkyline von Kuwait-Stadt: Laut Centcom verfehlten zwei auf Kuwait abgefeuerte iranische Raketen ihr Ziel.IMAGO/Asad / ImagoDie USA und Iran haben sich in der Nacht auf Mittwoch die heftigsten Gefechte seit Beginn der Waffenruhe am 8. April geliefert. Laut Angaben des amerikanischen Regionalkommandos für den Nahen Osten (Centcom) hat ein amerikanischer Kampfjet am Dienstag einen unbeladenen Öltanker in der Strasse von Hormuz beschossen, der in Richtung eines iranischen Hafens fuhr. Der Angriff wurde im Rahmen der amerikanischen Seeblockade durchgeführt, die Washington seit Mitte April durchsetzt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Auf diese Attacke folgten iranische und amerikanische Gegenangriffe, die schliesslich in iranischen Raketenangriffen auf amerikanische Militärbasen in Kuwait und Bahrain mündeten.Laut Centcom wehrten die USA und ihre Alliierten die iranischen ballistischen Raketen auf die Golfstaaten ab und führten als Reaktion einen «Selbstverteidigungsschlag» gegen die iranische Insel Qeshm in der Nähe der Strasse von Hormuz durch. Trotz der Attacken sei die Waffenruhe zwischen Iran und den USA weiterhin in Kraft, teilte das amerikanische Regionalkommando mit.Es ist nicht das erste Mal seit Beginn der Feuerpause, dass Iran und die USA sich am Persischen Golf Gefechte liefern. Doch die Angriffe in der Nacht auf Mittwoch zeigen, wie brüchig diese Waffenruhe geworden ist. Gleichzeitig bleibt eine diplomatische Einigung in weiter Ferne.Iranische Angriffe abgewehrtCentcom teilte mit, dass keine der iranischen Raketen ihr Ziel erreicht habe: «Zwei auf Kuwait abgefeuerte iranische Raketen verfehlten ihr Ziel oder zerbrachen während des Fluges, und drei auf Bahrain abgefeuerte Raketen wurden sofort von der Flugabwehr der USA und Bahrains abgefangen.» Ebenfalls hat Teheran laut amerikanischen Angaben zivile Schiffe mit drei Drohnen angegriffen. Kein amerikanischer Soldat sei verletzt worden.Die iranischen Revolutionswächter warfen den USA vor, durch den Angriff auf den leeren Tanker die weiteren Attacken ausgelöst zu haben. Die Prätorianergarde des Regimes erklärte, iranische Streitkräfte hätten darauf mit einer Attacke gegen ein Schiff des «amerikanisch-zionistischen Feindes» reagiert. Die ballistischen Raketen habe Teheran als Reaktion auf den amerikanischen Angriff auf die Insel Qeshm abgeschossen.Verhandeln die USA und Iran überhaupt noch?Die gegenseitigen Attacken am Persischen Golf kommen zu einer Zeit, in der unklar ist, ob die USA und Iran überhaupt noch über ein Friedensabkommen verhandeln. Zunächst hiess es zu Beginn der Woche von iranischen Staatsmedien, dass Teheran den Austausch von Nachrichten mit den USA eingestellt habe.Am Dienstag berichtete die iranische Nachrichtenagentur Mehr unter Berufung auf interne iranische Quellen jedoch, dass der endgültige Entwurf Irans für ein vorläufiges Waffenstillstandsabkommen derzeit in Teheran noch geprüft werde. Das Dokument sei noch nicht an die Vermittler gesandt worden.Doch gleichzeitig zeigte sich Irans Chefunterhändler Mohammed Bagher Ghalibaf wenig konziliant. Der iranische Paralamentspräsident schrieb am Dienstag auf X, dass er in einem Gespräch mit Libanons Parlamentssprecher Nabih Berri Teherans Bereitschaft zu neuerlichen Angriffen signalisiert habe: «Ich habe betont, dass wir, sollten die Verbrechen des zionistischen Regimes in Libanon weitergehen, nicht nur die Verhandlungen unterbrechen, sondern uns auch dagegen stellen werden.»Iran hat seit Beginn der Verhandlungen darauf gepocht, dass ein Waffenstillstand mit den USA auch ein Ende der Kämpfe in Libanon einschliesst. Israel wehrt sich allerdings dagegen und hat in der vergangenen Woche seine Angriffe im nördlichen Nachbarland sogar ausgeweitet. Fast zwei Monate, nachdem die Waffenruhe zwischen Teheran und Washington in Kraft getreten ist, ist die Vereinbarung brüchig wie noch nie.Passend zum Artikel