Neue Gefechte in der Strasse von Hormuz: Iran und die USA signalisieren Bereitschaft zu noch heftigeren AngriffenNachdem Washington fünf iranische Tanker bombardiert hat, feuert Teheran zwanzig Raketen auf Jordanien ab. Die Attacken am Persischen Golf dürften sich ausweiten.09.09.2026, 13.31 Uhr3 LeseminutenEin iranischer Tanker brennt nach einem amerikanischen Bombardement in der Nacht auf Mittwoch.US Central Command via ReutersDie USA haben in der Nacht auf Mittwoch fünf iranische Öltanker zerstört. Das teilte das amerikanische Regionalkommando für den Nahen Osten, Centcom, mit. Mit der Attacke reagierte Washington laut eigenen Angaben auf einen iranischen Raketenangriff gegen ein Marineschiff im Persischen Golf.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Reaktion aus Teheran folgte prompt: Iran feuerte zwanzig ballistische Raketen auf Jordanien ab. Achtzehn der Geschosse wurden laut dem jordanischen Militär abgefangen, zwei fielen in unbewohnte Gebiete. Die iranischen Revolutionswächter teilten zudem mit, zwei amerikanische Kriegsschiffe, acht Tanker und zehn weitere Schiffe mit Raketen anvisiert zu haben. Andere Quellen bestätigten dies bisher nicht.Nach den Tankerangriffen sowie den Huthi-Attacken auf saudische Energieanlagen am Dienstag hat der Ölpreis am Mittwoch die 100-Dollar-Marke pro Fass geknackt. Eine Entspannung an den Märkten ist nicht in Sicht – denn weder Washington noch Teheran geben nach. Im Gegenteil: Beide Staaten signalisieren Bereitschaft zur Eskalation.Teheran warnt die GolfstaatenSo hatten die Revolutionswächter am Dienstagabend erstmals eine Warnung an Besatzungen von Tankern geschickt, die vor Kuwait und Bahrain vor Anker liegen. Die Crew solle die Schiffe so schnell wie möglich verlassen.Die Tanker blieben zwar unversehrt, doch sendet Teheran damit ein unmissverständliches Signal. Die von Donald Trump ausgegebene «Tanker für Tanker»-Doktrin gilt auch in die andere Richtung: Falls die USA weitere iranische Erdölfrachter versenken, wird Iran Tanker der Golfstaaten attackieren.Zwar hatte Iran auch schon zuvor Handelsschiffe im Persischen Golf ins Visier genommen. Doch erfolgten die Angriffe nur, wenn diese ohne Koordination mit Teheran die Meerenge von Hormuz passieren wollten. Sollten nun alle Tanker der Golfstaaten zu Zielen werden, bedeutete dies eine signifikante Eskalation vonseiten Irans.Auch hatte Iran bis zum vergangenen Wochenende keine amerikanischen Kriegsschiffe angegriffen. Doch ebenso wie die Tankerattacken der USA zur neuen Normalität im Schlagabtausch am Persischen Golf werden, gehören jetzt augenscheinlich auch iranische Raketen auf die US-Navy zum Standardrepertoire der Islamischen Republik.Die auf die amerikanischen Kriegsschiffe abgefeuerten Raketen und Drohnen erhöhen das Eskalationsrisiko massiv. Bisher konnten die USA alle Geschosse abwehren. Doch sollte eine der iranischen Attacken auf ein Kriegsschiff gelingen und womöglich sogar amerikanische Soldaten verletzt oder getötet werden, wären die USA zu einer harten militärischen Reaktion gezwungen – die Spirale aus Schlägen und immer härteren Gegenschlägen dürfte sich noch schneller drehen.Die USA wollen nicht verhandelnWie auch Iran sind die USA derzeit nicht an Entspannung interessiert. Unlängst hatte Donald Trump die im Juni beschlossene Absichtserklärung zwischen den USA und Iran für wertlos erklärt. Washington intensiviert derweil seinen Wirtschaftskrieg gegen Iran. So hatten die USA am Dienstag ein neues Sanktionspaket gegen mehrere iranische Fluggesellschaften beschlossen.Die amerikanischen Attacken auf Tanker sind laut dem Chef des Geheimdienstausschusses im Kongress, dem Republikaner Rick Crawford, die «militärische Komponente» der amerikanischen Mission «wirtschaftliche Ausgrenzung». Die Luftangriffe gegen Irans Erdölflotte sind demgemäss ein zentraler Bestandteil der neuen amerikanischen Strategie.Derzeit sehen sowohl die USA als auch Iran mehr Vorteile in weiterem militärischem und wirtschaftlichem Druck als in einem Kompromiss. Teheran will vor den amerikanischen Zwischenwahlen die Energiepreise in die Höhe treiben und Donald Trump so schwächen. Die USA gehen derweil davon aus, dass Iran mit einem Mix aus Sanktionen, Seeblockade und gezielten Bombardements ökonomisch in die Knie gezwungen werden kann.Unter diesen Voraussetzungen ist in naher Zukunft mit keiner Einigung zu rechnen. Und selbst wenn die USA und Iran wieder verhandeln würden – andere Fronten im Nahen Osten wären noch lange nicht befriedet: Die Kämpfe zwischen den Huthi und den von Saudiarabien unterstützten Regierungstruppen in Jemen nahmen am Mittwoch wieder Fahrt auf. Damit ist auch eine der wichtigsten Alternativrouten für saudisches Erdöl am Roten Meer auf absehbare Zeit nur eingeschränkt befahrbar.Passend zum Artikel
Neue Gefechte in der Strasse von Hormuz: Die USA und Iran dürften den Krieg weiter eskalieren lassen
Nachdem Washington fünf iranische Tanker bombardiert hat, feuert Teheran zwanzig Raketen auf Jordanien ab. Die Attacken am Persischen Golf dürften sich ausweiten.









