Eingangs sei er von einer „kleinen Renovierung“ ausgegangen, dann sei aber doch eine Kernsanierung daraus geworden. Der bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Markus Blume (CSU), fasst jene Entwicklung beinahe entschuldigend zusammen, als er am Dienstagnachmittag zusammen mit Josef Schrädler, dem Direktor der Bayerischen Staatsbrauerei Weihenstephan, über die Baustelle des neuen „Weihenstephaner am Platzl“ führt.„Ich bin froh, dass wir mit Weihenstephaner einen so tatkräftigen wie finanzkräftigen Partner gefunden haben“, sagt Blume. Planmäßig hätte das Wirtshaus jetzt im Sommer eröffnen sollen, doch der Umbau hielt so viele Überraschungen bereit, dass es erst im Herbst losgehen kann. Mehrere Millionen Euro und vierzehn Monate Umbauzeit werden bis zum Abschluss der Arbeiten insgesamt ins Projekt geflossen sein, erklärt Brauereidirektor Schrädler.Wissenschaftsminister Markus Blume (links) und der Weihenstephaner Brauereichef Josef Schrädler bei der Führung durch die Räume. Florian PeljakDas Objekt am Platzl, dessen Räumlichkeiten sich Weihenstephaner zum Teil mit der Bayerischen Staatsoper teilt, wurde komplett entkernt. Von Alfons Schuhbecks früherem Restaurant ist nun nichts mehr zu sehen. Knapp 20 Jahre waren hier die „Südtiroler Stuben“ des Starkochs untergebracht, die sich zeitweise sogar mit einem Michelin-Stern schmücken durften.Im Zuge von Schuhbecks Verurteilung wegen Steuerhinterziehung, Insolvenzverschleppung und Subventionsbetrugs wurde das Restaurant wie fast alle seine Betriebe geschlossen. Heute trägt nur noch das Gewürzgeschäft im Orlando-Haus den Namen des früheren Platzhirschen am Platzl.Der barocke Prunk der ehemaligen Südtiroler Stuben solle nun einer Gaststube weichen, die Tradition und Moderne miteinander verbindet, verspricht Schrädler. „Das Spannungsfeld zwischen Hightech und Geschichte macht unsere Marke aus“, meint der Brauereidirektor. Man sei beim Innenausbau auch schon weiter fortgeschritten, als es die Baustelle aktuell vermuten lässt.Die neue Fensterfront zum Platzl hin ist zum Beispiel schon fertig. Deren bodentiefe Türen lassen sich im Sommer komplett öffnen, sodass die Gäste vom Stehausschank aus das Platzl bestens im Blick haben. Ebenfalls im Eingangsbereich wird ein Souvenirgeschäft mit Brauerei-Artikeln zu finden sein. Dahinter geht es ein paar Stufen hinauf in den eigentlichen Gastraum, der rund 190 Gästen Platz bieten soll. Draußen auf der Terrasse werden weitere 140 unterkommen können.Die Fensterfront zum Platzl ist schon fertig. Im Sommer können sie komplett geöffnet werden. Florian PeljakEigentlich sollte das neue Wirtshaus schon im Sommer eröffnen, doch jetzt wird es wohl Herbst. Die Renovierung war umfangreicher als zunächst gedacht. Florian PeljakDaneben gibt es das räumlich getrennte Salettl mit rund 40 Plätzen sowie eine weitere kleine Stube im hinteren Bereich des Restaurants neben der Küche. Ein besonderes Schmuckstück in der Wirtsstube ist der Bartresen, der mit marmoriertem und glitzerndem Gneis aus dem Valsertal verkleidet ist. Schrädler zufolge ist der Stein mehr als 20 Millionen Jahre alt.Im Durchgang zur Küche wartet ein weiteres Highlight: Der große „Kuchltisch“ direkt gegenüber der Anrichte kann von Gruppen mit bis zu 17 Personen für Bier-Verkostungen gebucht werden. Mit Blick auf die offene Küche kann man sich hier durch das Sortiment von Weihenstephaner probieren und bekommt darauf abgestimmt kleine Speisen vom Küchenteam gereicht.Um die Küchenleitung wird sich der gelernte Koch und Co-Wirt Sebastian Zinner selbst kümmern, der das Wirtshaus zusammen mit seiner Ehefrau Cornelia Zinner und seinem Bruder Ferdinand Zinner übernehmen wird. Das Trio hat sich bisher nicht nur mit einem eigenen Catering-Betrieb einen Namen gemacht, sondern auch mit dem Wirtshaus Zinner in Taufkirchen sowie dem Weinhäusl am Wiener Platz und einer Weinschänke in der Utzschneiderstraße.SZ Good News:Gute Nachrichten aus München – jetzt auf Whatsapp abonnierenMehr positive Neuigkeiten im Alltag: Die Süddeutsche Zeitung verbreitet jeden Tag auf Whatsapp ausschließlich schöne und heitere Nachrichten aus München und der Region. So können Sie ihn abonnieren.Neben ihren Weinlokalen wird die Familie Zinner nun also bald auch mit einem Restaurant mit Bierausschank im Stadtzentrum vertreten sein. Dass es sich bei jenem Brauerei-Partner um Weihenstephaner handelt, dürfte für Cornelia Zinner die Kirsche auf der Torte sein. Sie hat dort nämlich Brauwesen studiert und damit eine besondere Verbindung zur Freisinger Traditionsbrauerei.Der Weihenstephaner am Platzl wird das erste Wirtshaus in München sein, das den Namen der Brauerei im Namen trägt. Neben Hofbräu wird somit auch die zweite bayerische Staatsbrauerei im Herzen der Stadt vertreten sein, noch dazu in unmittelbarer Nähe zum Hofbräuhaus. Dort kostet die Halbe Helles aktuell 5,80 Euro. Der Bierpreis vom Weihenstephaner nebenan stehe zwar noch nicht fest, sagt Brauereidirektor Schrädler, man wolle sich aber am umliegenden Markt orientieren. So teuer wie auf der Wiesn wird es aber sicher nicht werden. Es könnte gut sein, schätzt Schrädler, dass pünktlich zum Anstich Mitte September auch im Weihenstephaner am Platzl das erste Bier fließt.
Münchner Altstadt: Weihenstephaner zieht in Schuhbecks früheres Lokal am Platzl
Knapp 20 Jahre waren in dem Gebäude am Platzl die „Südtiroler Stuben“ des Starkochs untergebracht. Bald eröffnet hier ein neues Wirtshaus.






