An diesem Mittwochvormittag spricht der neue Vorstandsvorsitzende von BMW, Milan Nedeljković, zu den Mitarbeitern. Sie werden wenig Erfreuliches hören, denn es geht um das Personalstrukturprogramm, auf das sich Vorstand und der Betriebsrat in der für BMW üblichen vertrauensvollen Weise geeinigt haben.Daran wird Nedeljković in seiner Ansprache festhalten und keine konkreten Zahlen nennen. Doch wie aus Unternehmenskreisen zu vernehmen ist, bewegt sich der Abbau von global 8000 Stellen am oberen Rand der Zahlen, über die im Vorfeld in Medien spekuliert worden war.Damit verschlankt BMW sein mehr als 150.000 Mitarbeitende starkes Personal um gut fünf Prozent. Auf Deutschland mit rund 90.000 Beschäftigten soll mehr als die Hälfte des Abbaus entfallen. Wie zu erwarten war, beruht das Personalstrukturprogramm auf Freiwilligkeit. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben. Im Ausland will der Vorstand auf Altersteilzeit und natürliche Fluktuation setzen. In Deutschland startet im Oktober ein Abfindungsprogramm.Programm soll bis Ende 2027 laufenDen Stellenabbau möchte der BMW-Vorstand Ende 2027 abschließen. In Deutschland sind die sogenannten indirekten Bereiche betroffen, also Verwaltung, Entwicklung und Vertrieb. Die Produktion soll außen vor bleiben. Weiterhin bleibt die schon vor Längerem mit dem Betriebsrat beschlossene Betriebsvereinbarung zur Beschäftigungssicherung in Kraft. Diese gilt, solange BMW im Konzern ein positives Ergebnis vor Steuern erzielt. Das dürfte in diesem Jahr zu erwarten sein, auch wenn die Profitabilität aufgrund der Absatzkrise unter Druck geraten ist.Mitte Juni hatte BMW die Prognosen für das Gesamtjahr gesenkt. Demnach wird der Vorsteuergewinn im Vergleich zum Vorjahr „deutlich“ statt nur „moderat“ sinken. Beim Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll die Marge nur noch zwischen ein und drei Prozent liegen, nachdem Nedeljkovićs Vorgänger Oliver Zipse zuvor vier bis sechs Prozent in Aussicht gestellt hatte. Nedeljković hatte Zipse nach der Hauptversammlung Mitte Mai als Vorstandschef abgelöst. Seit der Gewinnwarnung vor sechs Wochen hat der Vorstand mit dem Betriebsrat das Sparprogramm ausgehandelt.Auch die Managementebenen unterhalb des Vorstands müssen sich auf tiefgreifende Maßnahmen vorbereiten. Die knapp 70 Bereiche, die sich jeweils wieder in Hauptabteilungen und Abteilungen auffächern, sollen verschlankt, also zusammengelegt werden. BMW begründete Mitte Juni die Gewinnwarnung mit höheren Energiepreisen und den Inflations- und Konjunktursorgen der Kunden. Für die Marken BMW, Mini und Rolls-Royce wird ein leichter Rückgang der Auslieferungen im laufenden Jahr erwartet. Ursprünglich wollte BMW ungefähr so viele Fahrzeuge verkaufen wie im Jahr 2025.Damals kündigte der Vorstand in Reaktion auf die „einmaligen Belastungen“ weitere Struktur- und Effizienzmaßnahmen an, um die laufenden Sparbemühungen zu intensivieren und zu beschleunigen. Für Nedeljković geht es um „Geschwindigkeit und Effizienz“. Am Aktienmarkt konnte der BMW-Aktienkurs in den vergangenen vier Wochen um 3,6 Prozent zulegen. Seit Jahresanfang hat der Titel fast 40 Prozent an Wert verloren.