An diesem Mittwochvormittag hat der neue Vorstandsvorsitzende von BMW, Milan Nedeljković, den Mitarbeitern wenig Erfreuliches verkündet. Er stellte mit dem Betriebsratschef Martin Kimmich das Personalstrukturprogramm vor. Auf das haben sich Vorstand und Betriebsrat in der für BMW üblichen vertrauensvollen Weise geeinigt. Daran wird Nedeljković in seiner Ansprache festhalten und keine konkreten Zahlen nennen. Doch wie aus Unternehmenskreisen zu vernehmen ist, bewegt sich der Abbau von global 8000 Stellen am oberen Rand der Zahlen, über die im Vorfeld in Medien spekuliert worden war.Damit reduziert BMW die Zahl von 150.000 Mitarbeitern auf der Welt um gut fünf Prozent. Auf die 90.000 Beschäftigten in Deutschland soll mehr als die Hälfte des Abbaus entfallen. „Mir ist bewusst, dass die nächste Zeit von uns allen viel abverlangen wird“, sagte Nedeljkovic nach Angaben aus Teilnehmerkreisen. Doch BMW müsse sicherstellen, dass das Unternehmen wieder profitabler und wettbewerbsfähiger werde. „Dieses Mal sprechen wir von einer substanziellen Veränderung der Spielregeln unserer Industrie und damit der Grundlage unseres Geschäftsmodells“, zitierten Teilnehmer der Betriebsversammlung den Vorstandsvorsitzenden.Das sei auch eine Folge marktferner politischer Zielvorgaben. Weder der Protektionismus noch die gravierenden Marktveränderungen würden wieder verschwinden. „Daher müssen wir jetzt – schnell und konsequent – unsere Strukturen und Prozesse verschlanken und unsere Kostenposition deutlich verbessern“, wird Nedeljkovic zitiert. Wie zu erwarten war, beruht das Personalstrukturprogramm auf Freiwilligkeit. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben. Im Ausland will der Vorstand auf Altersteilzeit und natürliche Fluktuation setzen. In Deutschland startet im Oktober ein Abfindungsprogramm.Programm soll bis Ende 2027 laufenDen Stellenabbau möchte der BMW-Vorstand Ende 2027 abschließen. In Deutschland sind die sogenannten indirekten Bereiche betroffen, also Verwaltung, Entwicklung und Vertrieb. Die Produktion soll außen vor bleiben. Zudem bleibt die schon vor Längerem mit dem Betriebsrat beschlossene Betriebsvereinbarung zur Beschäftigungssicherung in Kraft. Diese gilt, solange BMW im Konzern ein positives Ergebnis vor Steuern erzielt. Das dürfte in diesem Jahr zu erwarten sein, auch wenn die Profitabilität aufgrund der Absatzkrise unter Druck geraten ist.Mitte Juni hatte BMW die Prognosen für das Gesamtjahr gesenkt. Demnach wird der Vorsteuergewinn im Vergleich zum Vorjahr „deutlich“ statt nur „moderat“ sinken. Für den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll die Marge nur noch zwischen einem und drei Prozent liegen, nachdem Nedeljkovićs Vorgänger Oliver Zipse zuvor vier bis sechs Prozent in Aussicht gestellt hatte. Nedeljković hatte Zipse nach der Hauptversammlung Mitte Mai als Vorstandschef abgelöst. Seit der Gewinnwarnung vor sechs Wochen hat der Vorstand mit dem Betriebsrat das Sparprogramm ausgehandelt.Auch die Managementebenen unterhalb des Vorstands müssen sich auf tiefgreifende Maßnahmen vorbereiten. Die knapp 70 Bereiche, die sich jeweils wieder in Hauptabteilungen und Abteilungen auffächern, sollen verschlankt, also zusammengelegt werden. Nedeljkovic will so mehr Verantwortung in die Hände der wertschöpfenden Bereiche geben. Seine Devise lautet: „Unternehmerisches Handeln mit hoher Eigenverantwortung“. BMW begründete Mitte Juni die Gewinnwarnung mit höheren Energiepreisen und den Inflations- und Konjunktursorgen der Kunden.Für die Marken BMW, Mini und Rolls-Royce wird ein leichter Rückgang der Auslieferungen im laufenden Jahr erwartet. Ursprünglich wollte BMW ungefähr so viele Fahrzeuge verkaufen wie im Jahr 2025.Damals kündigte der Vorstand in Reaktion auf die „einmaligen Belastungen“ weitere Struktur- und Effizienzmaßnahmen an, um die laufenden Sparbemühungen zu intensivieren und zu beschleunigen. Für Nedeljković geht es um „Geschwindigkeit und Effizienz“. Am Aktienmarkt konnte der BMW-Aktienkurs in den vergangenen vier Wochen um 3,6 Prozent zulegen. Seit Jahresanfang hat der Titel fast 40 Prozent an Wert verloren.