Mit dem Sparen ist das so eine Sache: Auch dafür muss man bisweilen erst einmal Geld ausgeben. Wie im Fall von BMW: Der Münchner Autobauer will seine Kosten senken und dafür Stellen streichen. Wie das ablaufen soll, das haben Vorstand und Betriebsrat nun ausgehandelt, eine entsprechende Vereinbarung stellen der neue BMW-Chef Milan Nedeljković und der Betriebsratsvorsitzende Martin Kimmich am Mittwochmorgen auf einer Betriebsversammlung am Stammsitz in München vor, wie eine Sprecherin des Konzerns bestätigte.Dem Vernehmen nach will BMW insgesamt rund 8000 Jobs abbauen, das entspräche mehr als jeder elften Stelle in Deutschland. Kleiner werden dürfte dabei nicht nur, aber wohl vor allem der Stammsitz in München: Hier arbeiten besonders viele Beschäftigte im sogenannten indirekten Bereich, also auf Stellen in den Büros und abseits der Werkshallen, etwa in der Konzernverwaltung oder dem Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ). Auf diesen Jobs liegt der Fokus.Vereinbart wurde dafür ein Abfindungsprogramm für alle deutschen Standorte: Etwa 40 000 Beschäftigte in Deutschland sollten demnächst angeschrieben werden und ein Abfindungsangebot vorgelegt bekommen, hieß es. Das wäre knapp die Hälfte der insgesamt etwa 84 000 BMW-Mitarbeiter in Deutschland. Die konkrete Summe richte sich dann wie üblich vor allem nach der jeweiligen Betriebszugehörigkeit und dem derzeitigen Einkommen, heißt es. Starten soll das Programm im Oktober und dann bis Ende kommenden Jahres laufen. Ziel sei, die gesamte Management-Struktur des Konzerns neu aufzustellen und schlanker zu machen. Dafür plant BMW allein für dieses Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag für Abfindungen ein, wie viel dann im Laufe des kommenden Jahres dazukommt, sei noch nicht klar, hieß es.Das Sparprogramm hatte sich bereits seit einigen Wochen abgezeichnetEs ist nicht das erste Mal, dass BMW mit Hilfe von Abfindungen Personal abbaut. Zuletzt hatten die Münchner am Anfang der Corona-Pandemie im Sommer 2020 etwas Ähnliches vereinbart, Zielgröße damals: 6000 Jobs. Der Dauerrivale Mercedes hatte Anfang vergangenen Jahres ebenfalls ein entsprechendes Programm aufgelegt, das inzwischen abgeschlossen ist. Dabei zahlten die Stuttgarter Abfindungen von bis zu einer halben Million Euro, unter dem Strich floss ein Milliardenbetrag und Berichten zufolge verließen rund 5500 Mitarbeiter den Konzern. Allerdings scheint auch das nicht zu reichen. Inzwischen fordert Konzernchef Ola Källenius von seinen Leuten, fürs gleiche Geld länger zu arbeiten – und beschwor damit zuletzt heftige Gegenwehr im Betrieb und von der IG Metall herauf.Reden wir über Geld:„Ich bin bei Mercedes auf der schwarzen Liste“Der Arbeitsrechtler Stefan Nägele verhandelt Millionenabfindungen für Topmanager aus der Autoindustrie – und hält das selbst nicht mehr für gerechtfertigt. Ein Gespräch über gekränkten Stolz, Ehekrisen und die Frage, wieso er bei Mercedes Hausverbot hatte.Dass nun auch BMW in erheblichen Umfang Stellen streicht, kommt nicht völlig überraschend. Erst Mitte Mai hatte Nedeljković, 57, bis dahin verantwortlich für die Produktion, vom langjährigen BMW-Chef Oliver Zipse übernommen – und nur einen Monat später für einen Knall gesorgt: Der Neue strich erst einmal die Prognosen seines Vorgängers zusammen, BMW schockte Anleger und Mitarbeiter Mitte Juni mit einer heftigen Gewinnwarnung. Absatz und Gewinn würden im laufenden Jahr wohl deutlich niedriger ausfallen als geplant, es müsse gespart werden, hieß es bereits damals. Die BMW-Aktie fiel daraufhin noch einmal deutlich und hat sich seither nicht erholt. Seit Jahresanfang hat sie fast ein Drittel an Wert eingebüßt.Es zeigt sich nun: BMW, das lange als einziger deutscher Hersteller erfolgreich eine Doppelstrategie mit Verbrenner-Modellen und E-Autos verfolgte, hat die Krise der Branche eingeholt. „Zuversicht ist keine Stimmung. Sie ist eine aktive Entscheidung“, hatte Zipse bei seinem Abschied noch gesagt. Nedeljković dagegen traf bald die Entscheidung, reinen Tisch zu machen: Er kündigte „weitere Struktur- und Effizienzmaßnahmen“ an, die laufenden Sparbemühungen wolle man „intensivieren und beschleunigen“.Der Termin hat für Nedeljković gleich zwei VorteileBereits da sprach der Konzern auch von „einmaligen Belastungen“ für die Bilanz im zweiten Halbjahr, deren Wirkung dann „in den Folgejahren sichtbar“ werden sollten. Ob damit ein Stellenabbau gemeint war, blieb zunächst offen – es hörte sich aber bereits alles danach an. Sechs Wochen später ist man nun offensichtlich einen Schritt weiter: Management und Betriebsräte haben sich geeinigt, und zwar ausnehmend geräuschlos. Anders als die Chefs von Volkswagen und Mercedes wählte Nedeljković offenbar den Weg der leisen Diplomatie statt des lauten öffentlichen Aufschlags, wie es ihn zuletzt in Wolfsburg und Stuttgart gegeben hatte.Die Vorstellung des Sparprogramms auf der lange geplanten Betriebsversammlung vor den sommerlichen Werksferien hat für den neuen BMW-Chef nun einen doppelten Vorteil: Die Mitarbeiter müssen nicht über den Sommer rätseln, wie es wohl weitergeht im Konzern. Und wenn Nedeljković am Donnerstag seine ersten eigenen – und voraussichtlich nicht gerade glänzenden – Zahlen vorlegt, kann er zumindest einen ersten Erfolg beim anstehenden Umbau des Konzerns vorweisen.Zumal offenbar nicht unbedingt die Nachfrage das Problem ist – zumindest nicht in Europa und den USA. Am Dienstag erst hatte BMW gemeldet, dass vom neuen, im vergangenen Herbst präsentierten Elektro-SUV iX3 bereits 50 000 Stück im neuen Werk im ungarischen Debreczin vom Band gelaufen seien. Die Vorbestellungen würden außerdem bald die Marke von 100 000 erreichen. Anfang Juli hatte Nedeljković zudem im US-Werk in Spartanburg mit großer Show das größere Schwester-Modell X5 enthüllt, das in gleich fünf verschiedenen Antriebsvarianten gebaut werden soll. Und in diesen Wochen soll nun im Münchner Stammwerk die Serienproduktion der Elektro-Limousine i3 anlaufen.
BMW will sparen – und dafür bis zu 8000 Jobs streichen
Lange vermittelte BMW, die Krise betreffe den Konzern nicht – nun könnte jede elfte Stelle in Deutschland wegfallen.











