Die EEG-Reform gefährdet Klima und Industrie, sagt Baden-Württembergs grüne Umweltministerin Walker – und zieht mit Hubert Aiwanger an einem Strang.

taz: Frau Walker, früher galten Baden-Württemberg und Bayern beim Ausbau der Windkraft als Nachzügler, jetzt holt der Süden mächtig auf. Sie haben gemeinsam mit dem bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger von den Freien Wählern eine Initiative gestartet, damit die Windenergie in Süddeutschland nicht ausgebremst wird. Der von CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche vorgelegte Entwurf für ein neues Erneuerbare-Energien-Gesetz, die EEG-Reform, nimmt Ihre Forderungen wie höhere Ausschreibemengen für Windenergie auf. Ist jetzt alles gut?

Thekla Walker: Der jetzige Entwurf ist besser als die Abrissbirne für Erneuerbare, die Anfang des Jahres geleakt wurde. Aber auch in dieser Form gefährdet Katherina Reiche damit den Ausbau der Windkraft im Süden. Allein in Baden-Württemberg haben wir gerade insgesamt über 1.300 Windräder in Genehmigungsverfahren. Bei den vergangenen Ausschreibungsrunden für Mindestvergütungen nach EEG waren aber nur eine Handvoll Anlagen erfolgreich. Die Erhöhung der Ausschreibungsmenge nimmt etwas Druck aus dem Kessel, löst aber nicht das Grundproblem: Ein Windrad ins Küstenflachland zu stellen braucht weniger Investitionen, als eines auf einer Schwarzwaldanhöhe zu installieren. Erstere wird in Ausschreibungen eher zum Zug kommen. Für eine insgesamt günstige Energiewende brauchen wir aber Windkraft dort, wo der meiste Strom verbraucht wird, also nahe an den industriellen Zentren des Südens. Das spart Kosten für Netzausbau. Deshalb werden wir gemeinsam mit Bayern im Bundesrat aktiv werden und für einen gezielten Windausbau kämpfen – mit einer festen Quote von 20 Prozent für den Süden.