Mit seinen jüngsten Personalentscheidungen geht Friedrich Merz ein Wagnis mit ungewissem Ausgang ein. Dass der Kanzler mit Steffen Bilger im zweiten Anlauf einen Verkehrsminister beruft, der sich mit dieser Materie auskennt, ist erfreulich. Es bleibt zu klären, warum er ihn nicht gleich gefragt hat. So wichtig Bilger als Erster Parlamentarischer Geschäftsführer für die Abläufe in der Unionsfraktion war – ob die Koalition erfolgreich ist, entscheidet sich vor allem in den Fachministerien. Es ist Bilger zu wünschen, dass unter ihm die Bahn zumindest wieder etwas pünktlicher kommt.Keine gute Nachricht ist hingegen, dass Gitta Connemann als Parlamentarische Staatssekretärin vom Wirtschafts- ins Digitalministerium wechselt. Connemann war in der Wirtschaft als engagierte und empathische Zuhörerin geschätzt, während der Fokus von Hausherrin Katherina Reiche vor allem auf der Energiepolitik liegt. Dass Connemann ihr Amt als Mittelstandsbeauftragte mit ins Digitalministerium nimmt, ist bemerkenswert. Das in seinen Kompetenzen ohnehin schon stark beschnittene Wirtschaftsministerium wird so weiter geschwächt.Warum nicht Wirtschaft und Digital zusammen?Die Frage drängt sich auf, warum Merz bei so viel Wechselfreude die beiden Ministerien nicht gleich zusammenlegt. Inhaltlich anbieten würde es sich allemal, viele Mitarbeiter des Digitalministeriums haben früher im Wirtschaftsministerium gearbeitet. Womöglich sind die Gerüchte, Karsten Wildberger könnte Reiches Aufgaben über kurz oder lang mitübernehmen, nicht so abwegig wie kolportiert.Schwer nachvollziehbar ist das, was Merz mit dem Gesundheitsministerium macht. Der künftige Minister Carsten Linnemann hielt sich vor einem Jahr selbst für ungeeignet für dieses Amt, die neue Parlamentarische Staatssekretärin Christiane Schenderlein hat zuletzt Sportpolitik gemacht. Das sind, vorsichtig ausgedrückt, nicht die idealen Voraussetzungen, um im Geflecht der Lobbyinteressen Kostensenkungen im Gesundheitswesen und in der Pflege durchzusetzen.Keine Frage, nicht auf jeder Spitzenposition in der Politik muss ein Experte oder eine Expertin sitzen, dazu gibt es die Fachebenen in den Ministerien. Aber ob Deutschland mit diesem hektisch zusammengestellten Personaltableau besser regiert wird als zuvor, ist fraglich.