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Ein ID4 von Volkswagen. Foto: IMAGO/imagebroker Autobauer in der Krise: Autoland, mach dich locker! Gewinneinbrüche bei VW, BMW und Audi, noch mehr Jobs bei Porsche weg – in der deutschen Autoindustrie brennt es. Aber: Mit kühlem Kopf betrachtet gibt es mehr Licht als Schatten.

Keine Messgröße in der deutschen Autoindustrie erscheint derzeit so wichtig wie diese: die Arbeitskosten pro Auto. Über 3000 Dollar pro Auto sind es hierzulande – in Rumänien etwa ein Zehntel davon (siehe Grafik).In Kombination mit den miserablen Geschäftszahlen, die die deutschen Autobauer derzeit vermelden, wird daraus schnell ein genereller Abgesang: Die deutsche Autoindustrie sei praktisch verloren, so das panische Fazit, werde überrannt von der aufstrebenden chinesischen Konkurrenz.Da ist einiges Wahres dran, denn China ist unfassbar stark und schnell. Aber richtig ist die Annahme in dieser Radikalität noch lange nicht. Viel vernünftiger, als ständig Abgesänge auf der Deutschen liebste Industrie anzustimmen, wäre es, Autoland würde sich mal ein bisschen locker machen, würde die Daten in Ruhe betrachten, würde seine Stärken stolz feiern – und natürlich seine Schwächen besonnen ausmerzen.Die beste Zahl für eine solche Standortbestimmung sind die Verkäufe, nicht etwa die Gewinne. Nur Autos, die überzeugen, die technisch wenigstens mithalten können, die keine peinliche Marke auf dem Kühlergrill tragen, kann man verkaufen.Nur ein einigermaßen gesundes Unternehmen kann in einer hochkompetitiven Branche wie der Autoindustrie seine Verkäufe verteidigen. Macht es dann noch kostenseitig seine Hausaufgaben, stimmen am Ende auch die Gewinne.Hohe Arbeitskosten erklären nicht allesSieht man sich die Absatzentwicklung der größten etablierten Autobauer (ohne chinesische Hersteller) seit 2015 an, fällt schnell auf: Die meisten Hersteller der drei klassischen Hersteller-Regionen Europa, USA und Japan haben in den vergangenen Jahren deutlich an Absatz eingebüßt.Bei den fünf größten Herstellern (ohne Stellantis, weil erst 2021 gegründet) schaffte es nur Toyota, zu wachsen. Dann kommt schon das Sorgenkind, der scheinbar kranke Mann der deutschen Wirtschaft: der Volkswagen-Konzern. Alle anderen etablierten Top-Hersteller haben mehr Markt verloren. Und das trotz der hohen Arbeitskosten in Deutschland. Das muss man erst mal schaffen.Dass VW es geschafft hat, liegt auch daran, dass mit den Arbeitskosten nicht alles steht und fällt. Sie machen rund 17 Prozent der VW-Gesamtkosten aus. Das ist ein großer Kostenblock, aber eben nicht alles. Man kann um so viel teurer sein, wie man besser ist als die günstigeren Konkurrenten. Das ist dem VW-Konzern bislang größtenteils gelungen.Miele „Die Deutschen sind nicht mehr bereit, für deutsche Qualität zu zahlen“ Weltweit behauptet Miele sich als Premiummarke – und in der Heimat? Co-Chef Zinkann spricht über Fabriken in Deutschland, Küchen in Dubai und warum er bei Rabattschlachten nicht mitspielt. von Horst von Buttlar und Florian WeyandWenn VW so bedroht ist, wie viele meinen, dann wären es also fast alle anderen großen Autobauer auch. Bei aller Lust an der Katastrophe: Dass die globale Autoindustrie untergeht und praktisch nur noch China Autos baut, so weit wird es bis auf Weiteres nicht kommen.Das sagen die Absatzzahlen über VW und die Konkurrenz ausDer nähere Blick auf die VW-Absatzzahlen zeigt vielmehr eine Entwicklung, über die der frühere VW-Chef Herbert Diess unlängst in der TV-Sendung „Markus Lanz“ sprach: Der China-Boom, der bei VW zwischenzeitlich für Absatzzahlen von fast 11 Millionen Autos sorgte, ist vorbei. Weil China die westlichen Hersteller nicht mehr braucht, sich selbst und andere Länder mit eigenen Produkten versorgen kann und will. Insofern sei, so Diess, die China-bedingte Sonderkonjunktur zu Ende, der Absatz von VW habe sich normalisiert.Tatsächlich landete VW im vergangenen Jahr auf dem Absatzniveau von vor dem Boom (2012). Und übrigens: Es ist das Niveau, das man bei VW auch schon 2021, 2022, 2023 und 2024 sah. In diesem Jahr dürften es rund 8,5 Millionen verkaufte Autos werden. Das ist nicht toll, aber immer noch mehr als 2011. Und wenn dies das neue Normal wäre, würde VW auch damit ganz gut leben können. Vorausgesetzt natürlich, der Konzern geht hart an die Kosten ran.Aber, könnte man einwenden, es geht doch viel besser, wie Toyota beweist. Tatsächlich konnte die Nummer eins der Branche in den vergangenen zehn Jahren um 11 Prozent beim Absatz zulegen.Das ist eine starke Leistung. Toyota setzte früh auf die Hybridtechnik, die die normalen Benziner und Diesel immer mehr verdrängte und heute die Standardantriebstechnik ist. Auch ist Toyota gut in Schwellenländern vertreten. Vor allem aber hat der Konzern seine Kosten gut im Griff.Andererseits hat VW im vergangenen Jahr ungefähr fünfmal so viele Elektroautos abgesetzt wie Toyota. Dieser Erfolg wurde mit hohen Entwicklungsausgaben erkauft. Toyota dagegen hat sich auf seinem Hybrid-Erfolg ausgeruht und das E-Auto sträflich vernachlässigt. Heute gehört Toyota in der Elektrodisziplin zu den Schlusslichtern – VW dagegen zu den Schwergewichten.Autoindustrie in Europa Wirtschaftliche Vernunft schlägt Populismus Ford öffnet seine Fabrik in Valencia für den chinesischen Konkurrenten Geely. Das ist ein starkes Bekenntnis zur Globalisierung. Ein Kommentar. Kommentar von Martin SeiwertUS-Konzerne verlieren beim E-Auto den AnschlussDie US-Autobauer GM, Ford und Chrysler (Stellantis) wollten es Tesla und VW gleichtun und ebenfalls groß mitmischen im E-Auto-Geschäft, investierten dutzende Milliarden in neue Modelle.Doch unter der E-Auto-kritischen Trump-Regierung schwenkten sie zurück zum Verbrenner, stoppten die Transformation weitgehend.Überhaupt wirken die US-Konzerne wie im Rückzugsmodus, geben wichtige Auslandsmärkte wie Europa zunehmend auf. In den vergangenen Jahren verloren GM und Ford so über ein Drittel ihres Absatzes.Es gibt nur einen deutschen Autokonzern, der sich ähnlich schlecht entwickelt hat: Mercedes verlor seit 2015 rund 29 Prozent beim Umsatz.Aber die alten Wachstumsziele (20 Millionen verkaufte E-Autos pro Jahr ab 2030) bleiben bei derzeit unter zwei Millionen Autos völlig unerreichbar. Ohne Durchbruch beim autonomen Fahren könnte Tesla bei den zwei Millionen – oder darunter – gefangen sein.Auch in Südkorea schielt man neidisch auf Toyota: Hyundai, der größte Autobauer des Landes und weltweit die Nummer drei, verlor im vergangenen Jahrzehnt fast zehn Prozent seines Absatzes – trotz guter E-Auto-Strategie.Beim Toyota-Rivalen Honda aus Japan, weltweit immerhin die Nummer acht, waren es sogar rund 16 Prozent.Wie es viel besser geht, zeigt der – absatzmäßig betrachtet – beste deutsche Hersteller BMW.Seit 2015 konnten die Münchner fast 9 Prozent zulegen. Was Toyota im Volumenmarkt ist, ist BMW bei der Absatzbetrachtung im Premiumsegment: die Nummer eins.Die deutsche Autoindustrie ist also mitnichten der Verlierer einer längst entschiedenen Schlacht, sondern vielmehr Teil eines gewaltigen Umbruchs. Und den spüren alle etablierten Konzerne. Entscheidend für sie alle wird sein, die Kosten zu senken, ohne bei E-Autos und zukunftsträchtigen Technologien den Anschluss zu verlieren. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! 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