Lassen Sie uns heute mal mit einem kurzen Experiment starten. Schließen Sie bitte für eine Sekunde Ihre Augen. Und jetzt stellen Sie sich einen introvertierten Menschen vor. Wie würden Sie ihn beschreiben? Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie unter anderem das Wort „still“ verwenden würden. Liege ich richtig?Das Problem ist nur: Damit liegen Sie zwar nicht ganz falsch, aber auch lange nicht richtig. Denn Zurückhaltung kann in der Tat ein Merkmal introvertierter Menschen sein – aber es ist eben nicht das ganze Bild. Introvertierte Menschen sind nicht zwangsläufig schweigsamer, sie holen ihre Energie nur eher aus Ruhe, Fokus und Tiefe anstatt aus Dauer-Interaktion mit anderen Menschen. Und oft sprechen sie auch nicht weniger, sondern nur überlegter.Schweinsberg ist Professor an der European School of Management and Technolgy (ESMT) in Berlin. Er sagt: Unser Verständnis von Introversion führt dazu, dass wir für Führungsjobs häufig die falschen Menschen auswählen. Der Denkfehler passiere meist schon im Auswahlprozess, wo „leise“ oft mit „unsicher“ verwechselt werde und „nachdenklich“ mit „schwach“. Dabei seien Aufmerksamkeit, Bedacht und die Fähigkeit, andere sprechen zu lassen, in Wirklichkeit echte Führungsqualitäten – nur eben ohne viel Glamour.
Meinung: Leadership: Unternehmen unterschätzen introvertierte Talente noch immer
Introvertiert zu sein heißt vor allem: die eigenen Batterien eher im Stillen aufladen und nicht im Getümmel. Mit der Leistungsfähigkeit hat das allerdings nichts zu tun – auch wenn Unternehmen Introvertierte oft behandeln wie Mitarbeitende zweiter Klasse.







