Unser Autor ist eine queere Person of Color. Seine Wut richtet sich gegen rechte Instrumentalisierung des Terrors und die Ideologie der Islamisten.

G erade hatte ich einen Aufsatz über das Verschwinden unserer gemeinsamen Räume in Berlin mitverfasst, die zunehmend unter Muslimfeindlichkeit, Gewalt gegen Queers, Antisemitismus und rassistischer Diskriminierung leiden. Es ist ein Text, der vernünftig zu argumentieren versucht, sorgfältig recherchiert, mit Quellenangaben und Fußnoten. Jene Art von Text, der Soziologen zitiert, offene Fragen stellt und den Le­se­r*in­nen zutraut, eigene Schlussfolgerungen zu ziehen. Ich hatte Interviews geführt. Ich hatte eine Struktur. Ich hatte eine These.

Dann fuhr ein Mann in einem Transporter in eine Menschenmenge, die das Recht feierte, sich in der Öffentlichkeit als das zu zeigen, was man ist, das Recht, sich von der gesellschaftlichen Norm zu unterscheiden. In mir ist an diesem Samstagabend etwas zerbrochen, von dem ich glaube, dass es sich nie wieder gänzlich heilen lässt.

Ich bin schwul. Ich bin queer. Ich hasse institutionalisierte Religionen – und zwar ausnahmslos – seit meinen frühen Teenagerjahren, als ich alt genug war, zu verstehen, was sie den Menschen auf der ganzen Welt angetan haben. Wegen meines Aussehens, wegen eines Namens, den ich mir nicht ausgesucht habe, und wegen eines Gesichts, das auf Fremde, die sich nie die Mühe gemacht haben, mir auch nur eine einzige ernsthafte Frage zu stellen, einen bestimmten Eindruck macht, wurde ich an diesem Wochenende emotional dazu gezwungen, mich zu rechtfertigen.