Kürzlich rief ein Artikel in der „Zeit“ eine neue Ära der weiblichen Körperkultur aus. Als Gegenentwurf zur neuerlichen Schlankheits-Obsession, befeuert durch „Skinnytok“ oder Ozempic, wird darin der sogenannte „Carbonara-Körper“ gefeiert: Frauen, die schwere Gewichte stemmen, „innen hart, außen weich sind“, wackelnde Pobacken und stämmige Arme haben, aber mühelos zwei Wasserkisten schleppen. Jenen Frauen ist die so oft idealisierte Lücke zwischen den Oberschenkeln egal, sie ignorieren die testosterongeladenen Pumper im Freihantelbereich und trainieren nur für sich selbst.Das liest sich im ersten Moment wie eine erfrischende Abwechslung. Endlich ein Befreiungsschlag gegen das allgegenwärtige Ideal des Dünnseins! Doch bei genauerem Hinsehen tappt der Text genau in die Falle, die er eigentlich anprangern will: Er erhebt eine bestimmte Körperform zu einem Ideal und zu einem Statement – und degradiert dabei ganz nebenbei andere Körper und Lebensrealitäten.
Feminismus misst sich nicht an den Kilos auf der Hantelstange
Die „Zeit“-Autorin verknüpft den „Carbonara-Körper“ mit mentaler Stärke, Resilienz und einer feministischen Lebenseinstellung. Und genau hier liegt der Fehler. Ein Körper sollte einfach nur ein Körper sein. In dem Moment, in dem er zu einem politischen Statement auserkoren wird oder ein Marker mentaler Gesundheit sein soll, werden nur neue Anforderungen an den weiblichen Körper gestellt. Frauen können sich in männlich dominierten Räumen wie Fitnessstudios behaupten - unabhängig davon, wie sie aussehen oder ob sie 60 Kilogramm auf der Bank drücken.Feminismus misst sich nicht an den Kilos auf der Hantelstange. Es ist völlig egal, ob eine Frau schwere Gewichte hebt, lieber in den Bauch-Beine-Po-Kurs geht oder ausschließlich Cardio macht. Die Behauptung, „Eine stabile Frau lässt sich nicht so leicht übermannen“, vermischt physische Masse mit psychischer Widerstandskraft. Natürlich kann auch eine sehr dünne, zierliche Frau mental stark sein.







