Weiterer Verdächtiger freigelassenNach dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag am Rande des Christopher Street Days in Berlin ist ein zunächst festgenommener zweiter Verdächtiger wieder frei. Der Mann sei entlassen worden, teilte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft mit. Der Tatverdacht gegen den Mann dürfte sich demnach nicht erhärtet haben.Islamverbände verurteilen AnschlagDie Integrationsbeauftragte des Berliner Stadtteils Neukölln, Güner Balcı, fordert nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag in Berlin Konsequenzen. Homophobie werde in vielen reaktionären Gemeinden regelmäßig gepredigt, sagte Balcı am Montag im Deutschlandfunk. Hier müsse interveniert werden, womöglich auch mit der Schließung von einschlägigen Moscheegemeinden, „um ein klares Zeichen zu setzen“.Islamverbände reagierten bestürzt auf den Anschlag und riefen zur Besonnenheit auf. „Wo Menschen aufgrund ihrer Identität oder ihrer Lebensweise zur Zielscheibe von Gewalt werden, werden die Grundwerte unseres Zusammenlebens angegriffen“, teilte der Zentralrat der Muslime in Deutschland am Montag in Köln mit. Sollte sich der Verdacht einer islamistischen Motivation des Täters bestätigen, „wäre dies ein weiterer Fall, in dem eine extremistische Ideologie religiöse Bezüge missbraucht, um Hass und Gewalt zu rechtfertigen sowie Menschen gegeneinander aufzubringen“. Niemand dürfe aufgrund seiner sexuellen Orientierung, Religion oder Herkunft das Ziel von Gewalt werden: „Unsere Antwort auf Hass und Gewalt muss der gemeinsame Einsatz für Menschenwürde, Freiheit, Sicherheit und ein friedliches Zusammenleben sein.“ Auch die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs verurteilte den „abscheulichen“ Angriff. „Wer Menschen angreift, ermordet oder in Angst versetzt, handelt nicht im Namen des Islams, sondern folgt einer menschenverachtenden Wahnideologie“, sagte Generalsekretär Ali Mete am Sonntagabend in Köln: „Er missbraucht Religion, um Hass und Gewalt zu rechtfertigen.“Sebastian GubernatorVater des Attentäters spricht von „Gehirnwäsche"Der Vater des mutmaßlichen CSD-Attentäters hat die Radikalisierung seines Sohnes mit einer „Gehirnwäsche“ erklärt. Abdul Ballout sei „großzügig, emotional, liebevoll“ gewesen, mit dem „Herz eines Kindes“, sagte der 64 Jahre alte Mann dem „Spiegel“ und fügte hinzu: „Er wurde einer Gehirnwäsche unterzogen.“ Der Vater erzählte dem Magazin außerdem, der mutmaßliche Täter habe mit dessen Mutter und zwei seiner drei Schwestern in einem Mehrfamilienhaus in Berlin gewohnt. Die Eltern seien geschieden.Abdul Ballout habe die Schule bis zur zehnten Klasse besucht und danach gearbeitet, „zum Beispiel als Sicherheitsmitarbeiter oder als Fahrer“. Einen festen Job habe er nie gehabt. Stattdessen habe er die Nächte am Handy oder vor dem Fernseher verbracht und viel geschlafen, sei erst am späten Nachmittag aufgestanden. Die Familie sei „nicht extrem religiös“, betonte der Vater. „Wir sind Schiiten. Wir unterstützen den Islamischen Staat (IS) nicht.“ Sein Sohn habe die Sunniten jedoch „geliebt“. Zwar habe Abdul Ballout vor einiger Zeit auf Nachfrage beteuert, er halte den IS für „schlecht“. Seine langen Haare und sein Bart seien aber Streitthema gewesen. „Ich habe ihm nicht erlaubt, einen langen Bart zu tragen“, sagte der Vater dem „Spiegel“.Was ansonsten über Abdul Ballout bekannt ist, lesen Sie hier.Fabian DrahmouneJU-Chef Winkel fordert Erwachsenenstrafrecht für alle GefährderNach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) hat der Vorsitzende der Jungen Union (JU), Johannes Winkel, Erwachsenenstrafrecht für alle Gefährder gefordert. „Die Politik darf nicht zur Tagesordnung übergehen, sondern muss den gesamten Rechtsrahmen überprüfen und aus dem Fall die Konsequenzen ziehen“, sagte Winkel dem „Stern“.Gefährder dürften künftig nicht mehr nach Jugendstrafrecht verurteilt werden können, forderte Winkel. „Die dafür notwendige ‚Reifeverzögerung' darf künftig nicht mehr angenommen werden, wenn Täter sich radikalisiert haben.“ Hintergrund ist die frühere Verurteilung des 21-jährigen mutmaßlichen Angreifers. Er war im Mai wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Dem „Stern“ zufolge wandte das Berliner Gericht Jugendstrafrecht an, weil es offenbar von Reifeverzögerungen ausging.Brandenburger Tor leuchtet in Regenbogenfarben nach Angriff Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Terroranschlag in Berlin ist das Brandenburger Tor in den Regenbogenfarben angeleuchtet worden. Die Farben gelten als Symbol der queeren Szene und stehen für Vielfalt und Toleranz. Sie sind seit Sonnenuntergang an das Wahrzeichen in Berlins Mitte projiziert.Lena SpilgerDobrindt: Keine akute Gefahr nach Tod von CSD-Verdächtigem Nach dem Tod des Tatverdächtigen des mutmaßlich islamistischen Terroranschlag in Berlin geht Bundesinnenminister Alexander Dobrindt aktuell von keiner weiteren Gefahr aus. „Es gibt weitere Maßnahmen, aber wir gehen jetzt aktuell von keiner weiteren Gefährdung aus. Aber das ist alles immer eher eine Momentaufnahme“, sagte der CSU-Politiker im ARD-„Brennpunkt“.Wegner wundert sich über Freilassung von Abdul B. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hat sich verwundert über den früheren Umgang der Berliner Justiz mit dem Tatverdächtigen für den Terroranschlag vom Samstag geäußert. „Er wurde verurteilt (...) nach Jugendstrafrecht“, sagte der CDU-Politiker am Abend in der RBB-„Abendschau“. „Und dann wurde leider durch das Gericht eine Bewährungsstrafe ausgegeben. Und ich will das nicht bewerten, das ist die Unabhängigkeit der Justiz, aber mir fehlen da schon die Worte.“Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte, man werde an diesem Punkt „genau hinschauen“ müssen. „Wir wissen ja, dass er eine Vielzahl von Straftaten begangen hat, dass er mit dem Terror sympathisiert hat, dass es auch eine Verurteilung gab, die auf Bewährung ausgesetzt wurde, und die Staatsanwaltschaft dagegen Beschwerde erhoben hat“, so der CSU-Politiker in der ARD. „Und in der Tat wird zurzeit sehr die Frage danach gestellt, wie kann eigentlich bei jemandem, den man als Gefährder identifiziert, eine Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Auch dem wird detailliert nachgegangen.“ Queerbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz: Angriff auf Vielfalt verletzt MenschenwürdeNach dem Anschlag auf den Christopher-Street-Day (CSD) in Berlin sieht der Queerbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Weihbischof Ludger Schepers, die Vielfalt in der Gesellschaft bis ins Mark erschüttert. „Wo Vielfalt angegriffen wird, ist die Menschenwürde verwundet“, sagte Schepers laut Mitteilung.Die unantastbare Würde des Menschen sei bei dem Attentat bis aufs Äußerste verwundet worden. „Jegliche Gewalt gegen Menschen widerspricht diesem Grundsatz und muss entschieden verurteilt werden“, so Schepers weiter. „Jeder Anschlag, der Menschen auseinanderreißen will, erinnert uns daran, diese, unsere Vielfalt umso entschlossener zu bewahren.“Als Queerbeauftragter der DBK trete er weiterhin für eine zugewandte Gemeinschaft und ein tolerantes Miteinander unter den Menschen ein. In seinen Gedanken und Gebeten sei er bei den Opfern und verletzten Menschen. Wegner erleichtert über FahndungserfolgBerlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hat sich erleichtert darüber gezeigt, dass der Tatverdächtige des mutmaßlich islamistisch motivierten Terroranschlags am Rande des Christopher Street Days (CSD) gestellt wurde. „Dass die Berliner Polizei innerhalb von 24 Stunden den Tatverdächtigen hat, ist ein großer Erfolg der Ermittlungsbehörden“, sagte der CDU-Politiker am Abend im RBB. „Und da bin ich sehr dankbar." Tatverdächtiger bei Polizei-Großeinsatz in Spandau erschossenNach dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag auf den Christopher Street Day in Berlin ist der Tatverdächtige bei einem Polizeieinsatz getötet worden. Das teilte die Berliner Polizei mit. Bei einem Einsatz in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau sei der mutmaßliche Täter mit einer Stichwaffe auf die Einsatzkräfte zugelaufen, daraufhin habe das Berliner SEK auf ihn geschossen. „Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen durch die Berliner Feuerwehr verstarb er noch am Einsatzort“, sagte die Polizei.Die Ermittlungen zu dem Anschlag am Rande des CSD übernahm die Bundesanwaltschaft als oberste Anklagebehörde in Deutschland. Steinmeier: Angriff auf unsere offene GesellschaftBundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich erschüttert über den mutmaßlichen Anschlag am Rande des CSD geäußert. „Diese Tat ist ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft, auf unsere Art zu leben und zusammenzuleben“, sagte er in Hamm, wo er an einem Tempelfest der Hinduistischen Gemeinde in Deutschland teilnahm. Er sei „erschüttert und entsetzt über den mutmaßlichen Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin, bei dem Hunderttausende Menschen aus aller Welt friedlich und fröhlich feiern wollten, ein Zeichen setzen wollten für Toleranz und Vielfalt, für ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben.“ Merz besucht Tatort im TiergartenBundeskanzler Friedrich Merz hat den Tatort des Anschlags am Rande des Berliner CSD besucht. Der CDU-Politiker machte sich nach einer Gedenk-Andacht auf den Weg zu der Stelle im Tiergarten und legte Blumen ab. Unter anderem mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hielt er kurz inne und gedachte der Opfer. Prominente äußern Entsetzen und rufen zu Zusammenhalt auf Nach dem tödlichen Angriff am Rande des Berliner Christopher Street Days (CSD) haben sich viele Prominente entsetzt geäußert – aber auch kämpferisch. Sängerin Sarah Connor, die auf der Abschlusskundgebung am Samstag am Brandenburger Tor aufgetreten war, drückte den Betroffenen und Angehörigen ihr Beileid aus. „Ekelhaft und sinnlos diese Tat!“, erklärte sie bei Instagram, betonte aber: „Ich würde jederzeit wieder auftreten und ich hoffe, wir machen das im nächsten Jahr wieder genauso!!!! Noch lauter, noch bunter!“Rapperin Ikkimel, die am Freitag beim „Demokratieabend“ des Berliner CSD am Brandenburger Tor aufgetreten war, schrieb in ihrer Instagram-Story: „Liebe ist NIEMALS der Fehler, ANGST UND HASS niemals eine Antwort“. Sie hoffe, dass viele Menschen jetzt realisierten, wie wichtig es sei, zusammenzuhalten – „jetzt noch mehr als sonst“. Wenigstens Berlin solle ein sicherer Ort sein, so die 29 Jahre alte Sängerin. „Bitte bitte bleibt stark. Ich werde immer für uns einstehen.“Moderator Jochen Schropp, der am Samstag mit Ricarda Hofmann durch das Hauptprogramm des CSD am Brandenburger Tor geführt hatte, postete ein Video auf Instagram: „Ich hoffe irgendwie, wir kommen da als Community gut durch“, sagte der schwule 47 Jahre alte Moderator. „Ich hab' sehr viele Menschen gesehen, denen es danach gar nicht gut ging und die unter Schock standen.“ Es sei ein so schöner Tag, voll mit Liebe gewesen, sagte Schropp. „Und dann passiert sowas.“Bill Kaulitz, der Sänger der Band Tokio Hotel, schrieb in der Nacht, dass er an die Menschen beim CSD denke – „die Opfer, Freunde und Angehörigen“. CSD-Veranstalter: Anschlag nicht instrumentalisierenDie Veranstalter des Christopher Street Day (CSD) in Berlin haben nach dem Terroranschlag am Rande der großen Abschlussparty vor vorschnellen Urteilen und Wertungen gewarnt. „Wir wollen nicht, dass diese Tat für politische Zwecke instrumentalisiert wird oder Menschen unter Generalverdacht gestellt werden“, sagte ein Sprecher vor Journalisten in Berlin. „Hinter solcher Gewalt steckt der Versuch, unsere Gesellschaft zu spalten und Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Das werden wir als Berliner CSD nicht zulassen.“Nötig seien jetzt Besonnenheit und Anteilnahme mit den Opfern und ihren Angehörigen, so der Sprecher. „Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen, sondern warten die laufenden Ermittlungen der Polizei ab.“ Klar sei, dass der Berliner CSD-Verein jede Form von Gewalt ablehne. „Religiöse Ideologien oder rechte Ideologien verfolgen beide das Ziel, queere Menschen zu unterdrücken.“ Der Berliner CSD stehe für Zusammenhalt, Respekt und Solidarität. Mehr ladenTickarooLive Blog Software