Tatverdächtiger bei Polizei-Großeinsatz in Spandau erschossenNach dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag auf den Christopher Street Day in Berlin ist der Tatverdächtige bei einem Polizeieinsatz getötet worden. Das teilte die Berliner Polizei mit. Bei einem Einsatz in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau sei der mutmaßliche Täter mit einer Stichwaffe auf die Einsatzkräfte zugelaufen, daraufhin habe das Berliner SEK auf ihn geschossen. „Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen durch die Berliner Feuerwehr verstarb er noch am Einsatzort“, sagte die Polizei.Die Ermittlungen zu dem Anschlag am Rande des CSD übernahm die Bundesanwaltschaft als oberste Anklagebehörde in Deutschland. Sebastian GubernatorCDU-Politiker fordern härteren Kurs gegen GefährderSicherheitspolitiker der CDU mahnen ein härteres Vorgehen gegen Gefährder und Islamisten an. „Freiheitsrechte von gerichtsbekannten Extremisten und Islamisten dürfen spätestens dann nicht länger überhöht werden, wenn Leib und Leben von Menschen gefährdet sind“, sagte der Vorsitzende des Geheimdienst-Kontrollgremiums des Bundestages, Marc Henrichmann, dem „Handelsblatt“. Die „Kriegserklärung an unsere freiheitliche Demokratie“ dürfe nicht „mit Samthandschuhen“ beantwortet werden. Henrichmann forderte zudem einen reibungslosen Datenaustausch zwischen Sicherheitsbehörden, eine bessere Datenanalyse und eine „angemessene Datenbevorratung“. Erkenntnisse über terroristische Gefährder müssten länger ausgewertet werden, um Netzwerke erkennen zu können.Auch der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm (CDU), verlangte einen härteren Kurs. Bei Anhängern der islamistischen Ideologie dürfe es „keinerlei Nachsicht geben“, sagte er der Zeitung. Dies müsse sich bei Haft, Sicherungsverwahrung und Abschiebehaft widerspiegeln. „Es muss gelten: im Zweifel für die Sicherheit der Bevölkerung.“Der Vorsitzende der Jungen Union (JU), Johannes Winkel, forderte die Anwendung des Erwachsenenstrafrechts für alle Gefährder. „Die Politik darf nicht zur Tagesordnung übergehen, sondern muss den gesamten Rechtsrahmen überprüfen und aus dem Fall die Konsequenzen ziehen“, sagte Winkel dem „Stern“. Gefährder dürften künftig nicht mehr nach Jugendstrafrecht verurteilt werden können, forderte Winkel. „Die dafür notwendige ,Reifeverzögerung‘ darf künftig nicht mehr angenommen werden, wenn Täter sich radikalisiert haben.“Fabian DrahmouneJU-Chef Winkel: Erwachsenenstrafrecht für alle GefährderNach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) hat der Vorsitzende der Jungen Union (JU), Johannes Winkel, Erwachsenenstrafrecht für alle Gefährder gefordert. „Die Politik darf nicht zur Tagesordnung übergehen, sondern muss den gesamten Rechtsrahmen überprüfen und aus dem Fall die Konsequenzen ziehen“, sagte Winkel dem „stern“.Gefährder dürften künftig nicht mehr nach Jugendstrafrecht verurteilt werden können, forderte Winkel. „Die dafür notwendige ‚Reifeverzögerung' darf künftig nicht mehr angenommen werden, wenn Täter sich radikalisiert haben.“Hintergrund ist die frühere Verurteilung des 21-jährigen mutmaßlichen Angreifers. Er war im Mai wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Dem „stern“ zufolge wandte das Berliner Gericht Jugendstrafrecht an, weil es offenbar von Reifeverzögerungen ausging.Brandenburger Tor leuchtet in Regenbogenfarben nach Angriff Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Terroranschlag in Berlin ist das Brandenburger Tor in den Regenbogenfarben angeleuchtet worden. Die Farben gelten als Symbol der queeren Szene und stehen für Vielfalt und Toleranz. Sie sind seit Sonnenuntergang an das Wahrzeichen in Berlins Mitte projiziert.Lena SpilgerDobrindt: Keine akute Gefahr nach Tod von CSD-Verdächtigem Nach dem Tod des Tatverdächtigen des mutmaßlich islamistischen Terroranschlag in Berlin geht Bundesinnenminister Alexander Dobrindt aktuell von keiner weiteren Gefahr aus. „Es gibt weitere Maßnahmen, aber wir gehen jetzt aktuell von keiner weiteren Gefährdung aus. Aber das ist alles immer eher eine Momentaufnahme“, sagte der CSU-Politiker im ARD-„Brennpunkt“.Wegner wundert sich über Freilassung von Abdul B. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hat sich verwundert über den früheren Umgang der Berliner Justiz mit dem Tatverdächtigen für den Terroranschlag vom Samstag geäußert. „Er wurde verurteilt (...) nach Jugendstrafrecht“, sagte der CDU-Politiker am Abend in der RBB-„Abendschau“. „Und dann wurde leider durch das Gericht eine Bewährungsstrafe ausgegeben. Und ich will das nicht bewerten, das ist die Unabhängigkeit der Justiz, aber mir fehlen da schon die Worte.“Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte, man werde an diesem Punkt „genau hinschauen“ müssen. „Wir wissen ja, dass er eine Vielzahl von Straftaten begangen hat, dass er mit dem Terror sympathisiert hat, dass es auch eine Verurteilung gab, die auf Bewährung ausgesetzt wurde, und die Staatsanwaltschaft dagegen Beschwerde erhoben hat“, so der CSU-Politiker in der ARD. „Und in der Tat wird zurzeit sehr die Frage danach gestellt, wie kann eigentlich bei jemandem, den man als Gefährder identifiziert, eine Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Auch dem wird detailliert nachgegangen.“ Queerbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz: Angriff auf Vielfalt verletzt MenschenwürdeNach dem Anschlag auf den Christopher-Street-Day (CSD) in Berlin sieht der Queerbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Weihbischof Ludger Schepers, die Vielfalt in der Gesellschaft bis ins Mark erschüttert. „Wo Vielfalt angegriffen wird, ist die Menschenwürde verwundet“, sagte Schepers laut Mitteilung.Die unantastbare Würde des Menschen sei bei dem Attentat bis aufs Äußerste verwundet worden. „Jegliche Gewalt gegen Menschen widerspricht diesem Grundsatz und muss entschieden verurteilt werden“, so Schepers weiter. „Jeder Anschlag, der Menschen auseinanderreißen will, erinnert uns daran, diese, unsere Vielfalt umso entschlossener zu bewahren.“Als Queerbeauftragter der DBK trete er weiterhin für eine zugewandte Gemeinschaft und ein tolerantes Miteinander unter den Menschen ein. In seinen Gedanken und Gebeten sei er bei den Opfern und verletzten Menschen. Wegner erleichtert über FahndungserfolgBerlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hat sich erleichtert darüber gezeigt, dass der Tatverdächtige des mutmaßlich islamistisch motivierten Terroranschlags am Rande des Christopher Street Days (CSD) gestellt wurde. „Dass die Berliner Polizei innerhalb von 24 Stunden den Tatverdächtigen hat, ist ein großer Erfolg der Ermittlungsbehörden“, sagte der CDU-Politiker am Abend im RBB. „Und da bin ich sehr dankbar." Steinmeier: Angriff auf unsere offene GesellschaftBundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich erschüttert über den mutmaßlichen Anschlag am Rande des CSD geäußert. „Diese Tat ist ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft, auf unsere Art zu leben und zusammenzuleben“, sagte er in Hamm, wo er an einem Tempelfest der Hinduistischen Gemeinde in Deutschland teilnahm. Er sei „erschüttert und entsetzt über den mutmaßlichen Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin, bei dem Hunderttausende Menschen aus aller Welt friedlich und fröhlich feiern wollten, ein Zeichen setzen wollten für Toleranz und Vielfalt, für ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben.“ Merz besucht Tatort im TiergartenBundeskanzler Friedrich Merz hat den Tatort des Anschlags am Rande des Berliner CSD besucht. Der CDU-Politiker machte sich nach einer Gedenk-Andacht auf den Weg zu der Stelle im Tiergarten und legte Blumen ab. Unter anderem mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hielt er kurz inne und gedachte der Opfer. Prominente äußern Entsetzen und rufen zu Zusammenhalt auf Nach dem tödlichen Angriff am Rande des Berliner Christopher Street Days (CSD) haben sich viele Prominente entsetzt geäußert – aber auch kämpferisch. Sängerin Sarah Connor, die auf der Abschlusskundgebung am Samstag am Brandenburger Tor aufgetreten war, drückte den Betroffenen und Angehörigen ihr Beileid aus. „Ekelhaft und sinnlos diese Tat!“, erklärte sie bei Instagram, betonte aber: „Ich würde jederzeit wieder auftreten und ich hoffe, wir machen das im nächsten Jahr wieder genauso!!!! Noch lauter, noch bunter!“Rapperin Ikkimel, die am Freitag beim „Demokratieabend“ des Berliner CSD am Brandenburger Tor aufgetreten war, schrieb in ihrer Instagram-Story: „Liebe ist NIEMALS der Fehler, ANGST UND HASS niemals eine Antwort“. Sie hoffe, dass viele Menschen jetzt realisierten, wie wichtig es sei, zusammenzuhalten – „jetzt noch mehr als sonst“. Wenigstens Berlin solle ein sicherer Ort sein, so die 29 Jahre alte Sängerin. „Bitte bitte bleibt stark. Ich werde immer für uns einstehen.“Moderator Jochen Schropp, der am Samstag mit Ricarda Hofmann durch das Hauptprogramm des CSD am Brandenburger Tor geführt hatte, postete ein Video auf Instagram: „Ich hoffe irgendwie, wir kommen da als Community gut durch“, sagte der schwule 47 Jahre alte Moderator. „Ich hab' sehr viele Menschen gesehen, denen es danach gar nicht gut ging und die unter Schock standen.“ Es sei ein so schöner Tag, voll mit Liebe gewesen, sagte Schropp. „Und dann passiert sowas.“Bill Kaulitz, der Sänger der Band Tokio Hotel, schrieb in der Nacht, dass er an die Menschen beim CSD denke – „die Opfer, Freunde und Angehörigen“. CSD-Veranstalter: Anschlag nicht instrumentalisierenDie Veranstalter des Christopher Street Day (CSD) in Berlin haben nach dem Terroranschlag am Rande der großen Abschlussparty vor vorschnellen Urteilen und Wertungen gewarnt. „Wir wollen nicht, dass diese Tat für politische Zwecke instrumentalisiert wird oder Menschen unter Generalverdacht gestellt werden“, sagte ein Sprecher vor Journalisten in Berlin. „Hinter solcher Gewalt steckt der Versuch, unsere Gesellschaft zu spalten und Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Das werden wir als Berliner CSD nicht zulassen.“Nötig seien jetzt Besonnenheit und Anteilnahme mit den Opfern und ihren Angehörigen, so der Sprecher. „Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen, sondern warten die laufenden Ermittlungen der Polizei ab.“ Klar sei, dass der Berliner CSD-Verein jede Form von Gewalt ablehne. „Religiöse Ideologien oder rechte Ideologien verfolgen beide das Ziel, queere Menschen zu unterdrücken.“ Der Berliner CSD stehe für Zusammenhalt, Respekt und Solidarität. Wegner lobt Krisenmanagement nach mutmaßlichem AnschlagBerlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hat das Krisenmanagement nach dem mutmaßlichen Anschlag gelobt. „Ich bin unserer Polizei, unserer Feuerwehr, den Hilfsorganisationen sehr dankbar, die sofort funktioniert haben“, sagte der CDU-Politiker nach einer Sondersitzung des Berliner Senats.Dankbar sei er aber auch den Veranstaltern des CSD. „Dass das so reibungslos gelaufen ist, dass keine Panik ausgebrochen ist, dass nicht noch Schlimmeres passiert ist, liegt auch an der guten Zusammenarbeit der Berliner Polizei mit dem CSD-Verein.“„Wir werden in den nächsten Tagen besprechen, wie gegebenenfalls Sicherheitskonzepte noch besser funktionieren, wie bestimmte Abläufe noch besser funktionieren können“, fügte Wegner vor Journalisten hinzu. „Ich kann Ihnen aber sagen, aus meiner Erfahrung, die ich gestern Abend auch direkt vor Ort machen konnte, dass vieles sehr gut funktioniert hat.“ Angriffsauto vom CSD verladenDie Polizei hat das Tatwerkzeug vom CSD-Angriff, einen weißen Van, verladen. Das Fahrzeug werde abtransportiert, sagte ein Sprecher der Polizei. Auf einem sogenannten Sicherstellungsgelände würden dann Ermittler intensiv nach Spuren suchen. Mit dem Fahrzeug soll ein 21 Jahre alter Mann am Samstagabend in eine Menschenmenge am Rande des Berliner CSD gefahren sein. Imamin Ates bei Andacht: Wer im Namen Gottes Hass predigt, missbraucht den GlaubenNach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag im Umfeld des Berliner Christopher Street Days ist mit einer Andacht der Opfer und ihrer Angehörigen gedacht worden. An der Feier in der evangelischen Marienkirche nahmen am Sonntagnachmittag auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und weitere Mitglieder der Bundesregierung teil, darunter Bildungsministerin Karin Prien (CDU) und Justizministerin Stefanie Hubig (SPD).Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und weitere Landespolitiker, Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel und die muslimische Imamin Seyran Ates waren zu dem Gottesdienst gekommen. Ates betonte, wer im Namen Gottes Hass auf Menschen predige, weil sie lieben, missbrauche den Glauben. Der Anschlag habe nicht nur einzelnen Menschen gegolten, sondern auch der Freiheit, der Liebe und der Demokratie.Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesiche Oberlausitz, Christian Stäblein sagte, queeres Leben und Lieben wohnten „im Herzen dieser Stadt“. Dies ließen sich die Menschen in Berlin nicht nehmen. „Das Herz dieser Stadt ist Freiheit, ist Vielfalt, ist Achtung“, sagte er. Was immer der Täter habe erreichen wollen, „er wird es nicht erreichen“. Gewalt im Namen der Religion auszuüben, sei Gotteslästerung, betonte der Bischof. Mehr ladenTickarooLive Blog Software