Tatverdächtiger bei Polizei-Großeinsatz in Spandau erschossenNach dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) in Berlin ist der Tatverdächtige bei einem Polizeieinsatz getötet worden. Das bestätigte die Berliner Senatsinnenverwaltung. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wurde der Mann angeschossen und erlag den Verletzungen.Hier soll das Auto am Rande des CSD in die Menge gefahren sein. Steinmeier: Angriff auf unsere offene GesellschaftBundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich erschüttert über den mutmaßlichen Anschlag am Rande des CSD geäußert. „Diese Tat ist ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft, auf unsere Art zu leben und zusammenzuleben“, sagte er in Hamm, wo er an einem Tempelfest der Hinduistischen Gemeinde in Deutschland teilnahm. Er sei „erschüttert und entsetzt über den mutmaßlichen Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin, bei dem Hunderttausende Menschen aus aller Welt friedlich und fröhlich feiern wollten, ein Zeichen setzen wollten für Toleranz und Vielfalt, für ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben.“ Merz besucht Tatort im TiergartenBundeskanzler Friedrich Merz hat den Tatort des Anschlags am Rande des Berliner CSD besucht. Der CDU-Politiker machte sich nach einer Gedenk-Andacht auf den Weg zu der Stelle im Tiergarten und legte Blumen ab. Unter anderem mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hielt er kurz inne und gedachte der Opfer. Prominente äußern Entsetzen und rufen zu Zusammenhalt auf Nach dem tödlichen Angriff am Rande des Berliner Christopher Street Days (CSD) haben sich viele Prominente entsetzt geäußert – aber auch kämpferisch. Sängerin Sarah Connor, die auf der Abschlusskundgebung am Samstag am Brandenburger Tor aufgetreten war, drückte den Betroffenen und Angehörigen ihr Beileid aus. „Ekelhaft und sinnlos diese Tat!“, erklärte sie bei Instagram, betonte aber: „Ich würde jederzeit wieder auftreten und ich hoffe, wir machen das im nächsten Jahr wieder genauso!!!! Noch lauter, noch bunter!“Rapperin Ikkimel, die am Freitag beim „Demokratieabend“ des Berliner CSD am Brandenburger Tor aufgetreten war, schrieb in ihrer Instagram-Story: „Liebe ist NIEMALS der Fehler, ANGST UND HASS niemals eine Antwort“. Sie hoffe, dass viele Menschen jetzt realisierten, wie wichtig es sei, zusammenzuhalten – „jetzt noch mehr als sonst“. Wenigstens Berlin solle ein sicherer Ort sein, so die 29 Jahre alte Sängerin. „Bitte bitte bleibt stark. Ich werde immer für uns einstehen.“Moderator Jochen Schropp, der am Samstag mit Ricarda Hofmann durch das Hauptprogramm des CSD am Brandenburger Tor geführt hatte, postete ein Video auf Instagram: „Ich hoffe irgendwie, wir kommen da als Community gut durch“, sagte der schwule 47 Jahre alte Moderator. „Ich hab' sehr viele Menschen gesehen, denen es danach gar nicht gut ging und die unter Schock standen.“ Es sei ein so schöner Tag, voll mit Liebe gewesen, sagte Schropp. „Und dann passiert sowas.“Bill Kaulitz, der Sänger der Band Tokio Hotel, schrieb in der Nacht, dass er an die Menschen beim CSD denke – „die Opfer, Freunde und Angehörigen“. CSD-Veranstalter: Anschlag nicht instrumentalisierenDie Veranstalter des Christopher Street Day (CSD) in Berlin haben nach dem Terroranschlag am Rande der großen Abschlussparty vor vorschnellen Urteilen und Wertungen gewarnt. „Wir wollen nicht, dass diese Tat für politische Zwecke instrumentalisiert wird oder Menschen unter Generalverdacht gestellt werden“, sagte ein Sprecher vor Journalisten in Berlin. „Hinter solcher Gewalt steckt der Versuch, unsere Gesellschaft zu spalten und Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Das werden wir als Berliner CSD nicht zulassen.“Nötig seien jetzt Besonnenheit und Anteilnahme mit den Opfern und ihren Angehörigen, so der Sprecher. „Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen, sondern warten die laufenden Ermittlungen der Polizei ab.“ Klar sei, dass der Berliner CSD-Verein jede Form von Gewalt ablehne. „Religiöse Ideologien oder rechte Ideologien verfolgen beide das Ziel, queere Menschen zu unterdrücken.“ Der Berliner CSD stehe für Zusammenhalt, Respekt und Solidarität. Wegner lobt Krisenmanagement nach mutmaßlichem AnschlagBerlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hat das Krisenmanagement nach dem mutmaßlichen Anschlag gelobt. „Ich bin unserer Polizei, unserer Feuerwehr, den Hilfsorganisationen sehr dankbar, die sofort funktioniert haben“, sagte der CDU-Politiker nach einer Sondersitzung des Berliner Senats.Dankbar sei er aber auch den Veranstaltern des CSD. „Dass das so reibungslos gelaufen ist, dass keine Panik ausgebrochen ist, dass nicht noch Schlimmeres passiert ist, liegt auch an der guten Zusammenarbeit der Berliner Polizei mit dem CSD-Verein.“„Wir werden in den nächsten Tagen besprechen, wie gegebenenfalls Sicherheitskonzepte noch besser funktionieren, wie bestimmte Abläufe noch besser funktionieren können“, fügte Wegner vor Journalisten hinzu. „Ich kann Ihnen aber sagen, aus meiner Erfahrung, die ich gestern Abend auch direkt vor Ort machen konnte, dass vieles sehr gut funktioniert hat.“ Angriffsauto vom CSD verladenDie Polizei hat das Tatwerkzeug vom CSD-Angriff, einen weißen Van, verladen. Das Fahrzeug werde abtransportiert, sagte ein Sprecher der Polizei. Auf einem sogenannten Sicherstellungsgelände würden dann Ermittler intensiv nach Spuren suchen. Mit dem Fahrzeug soll ein 21 Jahre alter Mann am Samstagabend in eine Menschenmenge am Rande des Berliner CSD gefahren sein. Imamin Ates bei Andacht: Wer im Namen Gottes Hass predigt, missbraucht den GlaubenNach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag im Umfeld des Berliner Christopher Street Days ist mit einer Andacht der Opfer und ihrer Angehörigen gedacht worden. An der Feier in der evangelischen Marienkirche nahmen am Sonntagnachmittag auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und weitere Mitglieder der Bundesregierung teil, darunter Bildungsministerin Karin Prien (CDU) und Justizministerin Stefanie Hubig (SPD).Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und weitere Landespolitiker, Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel und die muslimische Imamin Seyran Ates waren zu dem Gottesdienst gekommen. Ates betonte, wer im Namen Gottes Hass auf Menschen predige, weil sie lieben, missbrauche den Glauben. Der Anschlag habe nicht nur einzelnen Menschen gegolten, sondern auch der Freiheit, der Liebe und der Demokratie.Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesiche Oberlausitz, Christian Stäblein sagte, queeres Leben und Lieben wohnten „im Herzen dieser Stadt“. Dies ließen sich die Menschen in Berlin nicht nehmen. „Das Herz dieser Stadt ist Freiheit, ist Vielfalt, ist Achtung“, sagte er. Was immer der Täter habe erreichen wollen, „er wird es nicht erreichen“. Gewalt im Namen der Religion auszuüben, sei Gotteslästerung, betonte der Bischof. Polizei hat mehrere Personen in Gewahrsam genommenDie Polizei hat nach dem Angriff am Rande des Christopher Street Day in Berlin mehrere Menschen in Gewahrsam genommen. Von Tatverdächtigen sprach Polizei-Sprecher Florian Nath dabei aber nicht. Er sagte zugleich auch: „Wir haben immer noch die Ermittlungshypothese, dass es nicht nur ein Tatverdächtiger sein könnte.“Der Sprecher weiter: „Wir haben mehrere Personen, die wir natürlich im Zusammenhang mit dieser ganzen Tat befragt haben, die wir auch teilweise im Gewahrsam hatten, die wir im Gewahrsam haben“, sagte er. „Wir müssen diesen Personen aber konkrete Tatverdachtsmomente zuordnen. Wenn wir das nicht können, dann sind diese Personen nach Ablauf von 48 Stunden zu entlassen.“In dem betroffenen Bereich im Tiergarten war die Polizei am Nachmittag weiter mit der Tatortarbeit befasst. Derzeit werde das Fahrzeug, das zu dem Angriff genutzt wurde, von einem Unfallgutachter akribisch untersucht, sagte Polizei-Sprecher Nath am Nachmittag. Die Mordkommission habe hier sozusagen die Federführung der Ermittlungen. „Wir sind die ganze Zeit dabei, Spuren zu analysieren und dann tatsächlich auch diese Spuren aneinanderzulegen, um nachher ein komplettes Tatbild, einen Tathergang rekonstruieren zu können und den dann auch gerichtsfest beweisen zu können“, sagte Nath. Bei dem Angriff scheine eine Hieb- oder Stichwaffe eingesetzt worden zu sein. „Das ist von Zeugen hier auch bestätigt worden. Das ist aber auch Bestandteil unserer Ermittlungen, jetzt genau zu verifizieren, was für eine Stich- oder Hiebwaffe ist hier eingesetzt worden, wie ist das Verletzungsmuster bei denjenigen, die hier die Opfer, die Geschädigten sind.“ Merz: „Wir sind mehr, wir sind stärker"Bundeskanzler Friedrich Merz hat nach dem Angriff am Rande des Berliner Christopher Street Days (CSD) dazu aufgerufen, sich durch solche Taten nicht einschüchtern zu lassen. „Diese Taten haben nur einen Zweck: Sie wollen unsere Gesellschaft spalten, sie wollen uns das Wichtigste nehmen, was wir haben, nämlich unsere Offenheit und unsere Freiheit“, sagte der CDU-Politiker in Berlin kurz vor einem Gedenkgottesdienst. „Ich möchte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des CSD hier in Berlin und in ganz Deutschland zurufen: Lassen Sie sich, lassen wir uns nicht einschüchtern.“Auch er sprach von ‌einem islamistischen Anschlag. Man werde nicht zulassen, dass „dieses Gift des Terrorismus und dieses Gift gegen unsere Freiheit“ weiter um sich ​greife. „Wir werden die Freiheit unserer ⁠Gesellschaft verteidigen. Darauf können sich alle verlassen“, betonte der Kanzler. „Wir sind mehr, wir ​sind stärker und wir halten in unserem Land zusammen.“ Das ⁠sei das Wichtigste in ‌einer so schweren Stunde.Merz kündigte Konsequenzen an. „Diese Straftäter, diese ⁠Extremisten haben in der Mitte unserer Gesellschaft keinen Platz“, sagte er weiter. „Wir werden über Konsequenzen nachdenken und mit Besonnenheit, aber auch mit Entschlossenheit entscheiden“, fügte Merz hinzu. Bundesanwaltschaft übernimmt die ErmittlungenDie Bundesanwaltschaft wird die Ermittlungen zu dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag am Rande des Berliner Christopher Street Days (CSD) übernehmen. Das kündigte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig an. „Der Innenminister hat bereits mitgeteilt, dass es sich um einen islamistischen Anschlag handelt. Der Generalbundesanwalt wird die Ermittlungen übernehmen“, sagte die SPD-Politikerin. „Natürlich werden wir die Verantwortlichen mit aller Härte verfolgen und dann auch vor ein Gericht stellen.“ Noch ist die Berliner Generalstaatsanwaltschaft zuständig.Der Generalbundesanwalt ist die oberste Anklagebehörde in Deutschland. Er ist unter anderem zuständig für Fälle von islamistisch motiviertem Terrorismus. Zudem kann er solche mit besonderer Bedeutung an sich ziehen. Was über den mutmaßlichen Täter bekannt istBundesinnenminister Alexander Dobrindt (CDU) hat am Sonntagnachmittag den vollen Namen des 21 Jahre alten Mannes genannt, den die Polizei in ihrem Fahndungsaufruf am Morgen als Abdul B. bezeichnet hatte: Abdul Ballout. Der Verdächtige wird als schlank und etwa 1,90 Meter groß beschrieben. Laut Dobrindt sei Ballout schon in der Vergangenheit „durch ein hohes Maß an Straftaten ... auffällig“ geworden. Der mutmaßliche Täter wurde demnach 2005 in Deutschland geboren und ist deutscher Staatsbürger. Er habe einen libanesischen Hintergrund, seine Mutter sei 2002 in Deutschland eingebürgert worden. Ballout habe sich den Erkenntnissen zufolge radikalisiert und gehöre der islamistischen Szene an. Mehrere Medien berichteten von Sympathien für die Terrormiliz „Islamischer Staat".NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung berichteten, der Tatverdächtige sei bereits im Alter von 16 Jahren aufgefallen. Im Mai soll er wegen der Vorbereitung einer terroristischen Straftat zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden sein. Unter der Auflage, an einem Deradikalisierungsprogramm teilzunehmen, soll er auf Vorbewährung freigekommen sein.Mehrere Medien berichteten, Ballout habe an zwei Gesprächen mit der Organisation Violence Prevention Networks teilgenommen. Die Mitarbeiter hätten aber Zweifel gehabt, ob sie ihn als Beratungsfall annehmen sollten. Der „Focus“ zitiert den Geschäftsführer der Organisation mit der Einschätzung, Ballout habe in den Gesprächen „Zweckantworten“ gegeben. Erst nach einem weiteren Gespräch an diesem Montag hätte über eine weitere Zusammenarbeit entschieden werden sollen. Dobrindt deutete am Sonntag an, ein Urteil gegen Ballout sei noch nicht rechtskräftig gewesen. Medienberichten zufolge wurde der mutmaßliche Täter zeitweise observiert, auch sein Telefon soll überwacht worden sein. Er soll auch schon versucht haben, sich in Syrien dem „Islamischen Staat“ anzuschließen. Wie es ihm gelingen konnte, trotz dieser Umstände unerkannt Tatvorbereitungen zu treffen, etwa das Tatfahrzeug anzumieten, gehört zu den Fragen, die sich stellen. Der mutmaßliche Täter ist flüchtig, die Polizei in Berlin fahndet nach ihm. Auch die Bundespolizei ist bundesweit im Einsatz, an Bahnhöfen, Flughäfen und an den Grenzen. Sein konkretes Motiv ist nicht abschließend geklärt. Zwar deutet laut Innenminister alles auf einen islamistischen Terroranschlag hin. Doch der genaue Zusammenhang zwischen dieser Einstufung und der Tat ist nicht geklärt.Nach Behördenangaben ist bislang auch unklar, ob der gesuchte Verdächtige Ballout tatsächlich das Tatfahrzeug gesteuert hat. Wegen unterschiedlicher Zeugenaussagen ist es ungewiss, ob ein einzelner oder mehrere Täter beteiligt waren. Die genaue Täterzahl ist daher noch ungeklärt. Hatte der Tatverdächtige einen Beifahrer?Der Rundfunk Berlin-Brandenburg und „Die Zeit“ berichten übereinstimmend, im Auto des Tatverdächtigen habe ein Beifahrer gesessen. Er soll demnach iranischer Staatsbürger sein.Die queere Community will sich nicht einschüchtern lassen – auch aus Mainz sendet sie eine klare Botschaft: Mehr ladenTickarooLive Blog Software