In «Toy Story 5» kämpfen Helden aus Plastik und zertifiziertem Holz gegen die Digitalisierung im KinderzimmerDie Fortsetzung der «Toy Story»-Reihe ist ein schlauer Film über Technik und Kindheit. Es ist ein Triumph der Unterhaltung.Daniel Haas27.07.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenBuzz Lightyear und Woody bangen in «Toy Story 5» um ihre Existenz.Disney / PixarDas muss man gesehen haben: Buzz Lightyear, den Astronauten und Eroberer von Kinderzimmern weltweit, wie er auf einem perlmuttfarbenen Spielzeugpferd reitet, dessen rosafarbene Mähne so kess zur Seite gekämmt ist, als sei’s die Frisur eines New-Wave-Pop-Stars. Allein für diese Szene lohnt sich der Film.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das Tolle an «Toy Story 5» (Regie und Buch: Andrew Stanton): Es gibt solche grossartigen, weil ironischen und überraschenden Szenen dutzendfach. Was die Ideenfülle angeht, den inszenatorischen Drive und die Charakterzeichnung der über vier Filme etablierten Figuren, ist das ein überragendes Kinowerk.Im Angesicht der DigitalisierungEs sind wieder alle dabei. Das Cowgirl Jessie, mittlerweile zum Sheriff aufgestiegen (Synchronstimme im Original: Joan Cusack; Deutsch: Carolin Hartmann). Der Astronaut Buzz Lightyear (Tim Allen / Walter von Hauff), nach wie vor ein Macho, der diesmal allerdings Liebeskummer hat. Woody, der Cowboy (Tom Hanks / Michael «Bully» Herbig), ein liebenswürdiger Besserwisser, der im entscheidenden Moment das Richtige tut: ein toller Freund und Gefährte sein. Der wehleidig-sentimentale Dino Rex (Wallace Shawn / Rick Kavanian), der smarte Dackel mit Metallspiralen-Körper. Mr. Potato Head, das energische Stoffpferdchen Bullseye.«Toy Story 5» nimmt ein brisantes Kinder- und Erziehungsthema ins Visier: den Kampf um die mentalen und sozialen Ressourcen von Heranwachsenden im Angesicht der Digitalisierung. Einfacher gesagt: den Kampf gegen das Netz und Social Media.Bonnie ist ein kleines Mädchen, das einsam ist und mit Puppen spielt. Irgendwann landet ein Lilypad, eine Art iPad für Kinder, in ihrem Leben wie ein Ufo mit feindlichen Invasoren. Lilypad (Greta Lee / Laura Maire) hat Zugang zum Netz, dient als Nachrichtenplattform, Spielautomat und Bildtelefon. Damit ist das im Froschdesign gehaltene Gerät der gefährliche Gegenspieler der traditionellen Spielzeuge, die per Hand und – ganz wichtig – durch die Phantasie belebt werden müssen.Die «Toy Story 5»-Helden mit Jessie als Anführerin und Buzz als Hilfssheriff (er trägt stolz einen Glitzerstern auf der Plastikheldenbrust) bangen um ihre Existenz. Der Dino Rex bringt es mit einer Punch-Line auf den Punkt: «Auslöschung? Nicht schon wieder!»Die traditionellen Spielzeuge: Stoffpferdchen Bullseye und Sheriff Jesse. Der gefährliche Gegenspieler: das Tablet Lilypad.Disney / PixarJessie, Buzz und Woody, der mittlerweile als Rettungshelfer depressiven Spielzeugen (eine Folge des Ausgemustertseins) hilft, kämpfen um die Aufmerksamkeit und Hingabe ihrer Besitzerin. Bonnie will wie die anderen Kinder modern sein. Deshalb werden die Spielzeuge ohne Screen ad acta gelegt, und «Toy Story 5» erzählt 102 herrliche Minuten lang von der Rückkehr eines Kindes zur Phantasie.Verliebt in das SchweinDiese Phantasie, aus der beinahe alles entstehen kann – grosse Ideen, Empathie, Gemeinsinn, ja sogar Lebensglück –, droht im Mahlstrom aus Bits und Bytes zu versinken. Und weil Phantasie und Spiel strukturell zusammengehören, sind Spielzeuge die idealen Helden im Kampf gegen die digitale Bildschirmwelt, die durch künstliche Intelligenz von Tag zu Tag mächtiger wird. Lilypad ist das trojanische Pferd: Als Geschenk ins Kinderzimmer gebracht, vollendet es einen Feldzug, der mit der Erfindung des Computers begann. «Das Zeitalter des Spielzeugs ist vorbei», sagt Woody zu Beginn resigniert. «Spielzeuge sind zum Spielen. Technologie ist für alles da.»«Toy Story 5» ist kein technikfeindlicher Film. Lilypad darf im zweiten Akt eine neue, pädagogisch wertvolle Rolle finden. Das ist der versöhnliche Gestus im technikkritischen Drama: Es geht nicht um vordigitalen Purismus oder um ideologisch verbohrten Hass auf die Moderne, sondern um Vermittlung.Damit es zur Versöhnung von virtueller und konkreter Welt kommen kann, muss man Hürden nehmen. Das ist buchstäblich gemeint: Jessie reitet nicht nur das Stoffpferdchen, sondern einen richtigen Gaul. Überhaupt treten diesmal lebende Tiere auf, darunter ein Hausschwein, das, wenn die Leute in Hollywood einen guten Riecher haben, demnächst einen eigenen Film bekommt. Ein Grunzer genügt, und man ist verliebt.Weil «Toy Story 5» Kinozitate noch schneller als die Vorgängerfilme zu ganzen Motiv- und Anspielungsketten verknüpft – darunter sogar die «Odyssee» – und die Pointen nur so durch die Dialoge flirren, ist der Film mehr als nur erwachsenentauglich, er ist ein Erwachsenenwerk. Das ist von jeher das Rezept der Pixar-Macher: die Kleinen unterhalten, die Grossen verblüffen.Generation X und Boomer schauen in die Geschichte von Bonnie, ihrem Kampf gegen die Einsamkeit und das Verwaltetwerden via Technik, wie in ein Kapitel ihrer eigenen Biografie. Nostalgische Effekte können nicht ausbleiben, wenn man einem Kind zusieht, wie es leblose Puppen zu Akteuren einer freien Phantasie macht.Authentisches Spiel, egal ob das Spielzeug aus politisch korrekt geerntetem Holz oder aus Industrieplastik besteht. Es beginnt dort, wo Spielzeuge Teil einer Privatmythologie werden, die in ihrer Fülle und Verwegenheit nur ein Kind erschaffen kann. Das Finale ist so gesehen ein Triumph. Mehr sei nicht verraten. Nur so viel: Eine wildere Hochzeit gab es lange nicht im Kino.«Toy Story 5» im Kino: 102 Minuten.Passend zum Artikel
Im Film «Toy Story 5» kämpfen Helden aus Plastik und zertifiziertem Holz gegen die Digitalisierung
Die Fortsetzung der «Toy Story»-Reihe ist ein schlauer Film über Technik und Kindheit. Es ist ein Triumph der Unterhaltung.









