Wie der Attentäter von Berlin vom gewalttätigen Jugendlichen zum Islamisten wurdeSchon als Jugendlicher geriet Abdul B. ins Visier des Verfassungsschutzes. Obwohl er aus einer schiitischen Familie kam, wollte er sich der sunnitischen Terrororganisation «Islamischer Staat» anschliessen.Armin Arbeiter, Berlin26.07.2026, 22.33 Uhr3 LeseminutenEinen Tag nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin fand die Berliner Polizei den Attentäter Abdul B.CLEMENS BILAN / EPAAm Sonntagabend erfolgte der Zugriff: Berliner Polizeibeamte entdeckten den islamistischen Attentäter Abdul B. in einer Kleingartenanlage im Berliner Bezirk Spandau. Der 21-Jährige, der beim Anschlag auf den Christopher Street Day in der Nacht auf Sonntag mindestens einen Menschen getötet und 29 weitere verletzt hatte, soll die Beamten mit einer Stichwaffe attackiert haben. Diese eröffneten das Feuer und erschossen Abdul B.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Laut Berichten gehört die Gartenlaube, in der sich B. aufhielt, seinem Vater. Informanten aus dem persönlichen Umfeld des Attentäters sollen die Polizei laut der «Bild»-Zeitung auf die richtige Spur gebracht haben.Abdul B. war den deutschen Sicherheitsbehörden bekannt. 2005 als Sohn einer schiitischen Familie aus Libanon in Deutschland geboren, wuchs er in Berlin auf. Zunächst fiel er durch Gewaltdelikte auf: Im Oktober 2020 raubte er gemeinsam mit einem Mittäter einem Mann am Berliner Innsbrucker Platz Kopfhörer. Im Februar 2022 verurteilte ihn ein Jugendschöffengericht wegen Körperverletzung und räuberischer Erpressung.IS-Propaganda verbreitetAbdul B. war allerdings auch dem Berliner Verfassungsschutz bereits seit seinem 16. Lebensjahr für seine Nähe zum Islamismus bekannt und schon als Jugendlicher in der islamistischen, sunnitischen Szene der Hauptstadt aktiv. Sein Vater sagte dem Magazin «Spiegel», dass B. an extremistischen Positionen aus dem sunnitischen Lager immer mehr Gefallen gefunden habe.Die ersten gerichtlich festgestellten Propagandadelikte stammen aus dem Juni 2024. Damals war B. 19 Jahre alt. Das Amtsgericht Tiergarten sah es als erwiesen an, dass er auf sozialen Medien Propaganda der Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) verbreitet hatte.Im vergangenen Jahr wollte sich Abdul B. dem bewaffneten Kampf des IS anschliessen. Am 20. Mai 2025 flog er von Berlin über die Türkei nach Libanon, um von dort nach Syrien zu gelangen. Dort nahm er Kontakt zu Personen auf, die er selbst für IS-Mitglieder hielt. Die libanesischen Sicherheitsbehörden nahmen ihn am 24. Juli fest. Ein libanesisches Militärgericht verurteilte ihn unter anderem wegen der Anstiftung zu religiösen und konfessionellen Konflikten zu drei Monaten Haft, die er auch absass.Als Gefährder eingestuftNach seiner Haft in Libanon wurde Abdul B. nach Deutschland überstellt und kam im November 2025 in Untersuchungshaft. Er wurde als islamistischer Gefährder eingestuft.Das Amtsgericht Tiergarten verhängte im Mai 2026 eine Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Die Entscheidung, ob die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird, wollte es ein halbes Jahr später treffen. Zudem sollte Abdul B. an einem Deradikalisierungsprogramm teilnehmen. Rechtskräftig war das Urteil noch nicht. Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft, die eine dreijährige Freiheitsstrafe gefordert hatte, legte Berufung ein. Nach seiner Entlassung wurde er zeitweise observiert, auch sein Telefon soll nach Medienberichten überwacht worden sein.In zwei Vorgesprächen bei der Deradikalisierungsstelle trat Abdul B. nach Angaben der Beratungsstelle freundlich und angepasst, inhaltlich aber wenig greifbar auf. Die Berater zweifelten Berichten zufolge, ob es Sinn ergäbe, ihn tatsächlich in das Programm aufzunehmen, da es ihm an «Problemeinsicht» gemangelt habe. Zeichen einer konkreten Bedrohungssituation habe es nicht gegeben.Am 3. Juli durchsuchten Ermittler seine Wohnung, nachdem er ein Foto mit einer Waffe veröffentlicht hatte. Sie fanden allerdings nur eine Spielzeugwaffe. Drei Wochen später verübte B. den Anschlag im Berliner Tiergarten.Passend zum Artikel
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