Der deutsche Widerstand ist gebrochen: Auf dem Finanzplatz Frankfurt hat künftig ein Italiener das SagenDer Unicredit-Chef Andrea Orcel hat die Schlacht um die Commerzbank gewonnen. Plötzlich wollen die Deutschen schon immer gesprächsbereit gewesen sein.26.07.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenEr will hoch hinaus: Der Unicredit-Chef Andrea Orcel will einen paneuropäischen Finanzkonzern bauen.Luigi Mistrulli / IPA / ImagoDie Kapitulationserklärung kam adrett verpackt daher. Der Aufsichtsrat habe schon mehrfach betont, dass man zu Gesprächen bereit sei, schrieb Jens Weidmann, der Aufsichtsratspräsident der deutschen Commerzbank, am Freitag in einem Statement. Wie bitte? Fast zwei Jahre lang führte das Institut einen erbitterten Abwehrkampf gegen die italienische Grossbank Unicredit. Sich aufkaufen lassen von den Italienern? Sicher nicht!Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nun ist der Widerstand gebrochen. Plötzlich ist man in Frankfurt schon immer zu Gesprächen bereit gewesen. Der Unicredit-Chef Andrea Orcel hat das deutsche Establishment nach allen Regeln der Kunst ausgetrickst. Als die deutsche Regierung im September 2024 ihren Anteil an der Commerzbank verkleinern wollte, schnappte er sich die Aktien.Inzwischen kontrolliert Unicredit fast 50 Prozent der Commerzbank-Aktien. Das genügt, um jede Generalversammlung zu dominieren. Orcel hat freie Bahn, einen transeuropäischen Finanzkonzern zu zimmern. Im August sollen erste Gespräche mit der Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp stattfinden. Sie ist künftig Befehlsempfängerin aus Mailand.Bei der UBS nur die Nummer zweiOrcel gehört zu den schillerndsten Figuren im europäischen Banking. Der Römer gleiste bereits in den nuller Jahren waghalsige Fusionen auf, bis die Finanzkrise dem Spuk ein Ende bereitete. Später half er seinem Gefährten Sergio Ermotti – beide hatten sich bei Merrill Lynch in London ihre Sporen verdient – bei der Sanierung der UBS.Doch auf Dauer genügte ihm die Rolle im Schatten Ermottis nicht. Orcel wollte selber CEO werden. Sein erster Versuch bei Santander scheiterte spektakulär – er zerstritt sich mit der Besitzerfamilie noch vor dem Antritt. Doch bei Unicredit schlug seine grosse Stunde. Seit seinem Antritt als CEO im April 2021 hat sich der Aktienkurs verneunfacht. Der Abstand zur UBS wird immer kleiner.Diese Woche glänzte Orcel mit einem Quartalsgewinn von knapp drei Milliarden Euro. Damit hat er die Latte hoch gelegt – auch für die UBS. Ermotti wird am Mittwoch sein Quartalsergebnis präsentieren. Dabei wird sich zeigen, ob er den Vorsprung auf seinen alten Rivalen halten kann.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel