Achtung – Sündenfall! Die verführerische Schlange schlängelt sich als ornamentiertes Warnzeichen die Galeriewand hinauf. Nur gibt es keinen Apfel. Keinen Baum der Erkenntnis. Keinen Adam. Und statt Eva stehen drei riesige Wuchtbrummen auf breiten, weißen Sockeln: die „Nanas“ von Niki de Saint Phalle (1930–2002). Die ausladenden Polyester-Mosaikfiguren, benannt nach der Edelhure aus Émile Zolas Roman, tragen Köpfe ohne Gesichter. Ihre Körper sind weiß, schwarz oder silbern, jede trägt einen Badeanzug. Die Arme sind in Ekstase nach oben geworfen, sie tänzeln auf einem Bein, während das andere schwungvoll angehoben ist. Bunte, lustvolle Leibesfülle, die die Schwerkraft zu ignorieren scheint.

Nikis dunkles Geheimnis

Eine solche, von weiblichem Selbstbewusstsein strotzende Plastik, „Les Trois Grâces“, könnte seit gut 30 Jahren in der Grünanlage vor dem Berliner Haus am Lützowplatz stehen. Der „Nana-Brunnen“ hätte damals 10.000 Dollar gekostet – aus heutiger Sicht ein Schnäppchen. Hätte der Senat den Ankauf nur tatsächlich gewollt, so wie die Initiatorin Karin Pott, damals Direktorin des Kunsthauses. Sie und der Kreis der Befürworter sahen die „Nanas“ der französisch-schweizerischen Bildhauerin Niki de Saint Phalle nicht als ästhetische Provokation, sondern als Sinnbild von Freiheit und weiblichem, sich um die eigene Achse drehendem Körperbewusstsein.