PfadnavigationHomeKulturAus dem Museum auf den MarktJetzt braucht der Tänzerinnenbrunnen nur noch einen KäuferVeröffentlicht am 04.05.2026Lesedauer: 2 Minuten1922 erschaffen, 1942 unter NS-Druck verkauft, 2026 restituiert Quelle: Foto © Christian KainDer Tänzerinnenbrunnen aus dem Berliner Georg-Kolbe-Museum wird versteigert. Der Rückgabe an die Erben der ursprünglichen Eigentümer Heinrich und Jenny Stahl gingen lange Verhandlungen und eine späte juristische Klärung voraus.Der berühmte Tänzerinnenbrunnen aus dem Garten des Georg-Kolbe-Museums in Berlin kommt unter den Hammer. Die Versteigerung ist die Folge einer „gütlichen Einigung“ zwischen der Georg-Kolbe-Stiftung und den Nachfahren von Heinrich und Jenny Stahl – nach langen Verhandlungen und juristischem Klärungsbedarf. Der Bildhauer Georg Kolbe hatte den Brunnen – eine bronzene Tänzerin über einem Travertin-Sockel mit Trägerfiguren – im Jahr 1922 für Heinrich Stahl, den damaligen Direktor der Victoria-Versicherungen, angefertigt. Seit 1933 war Stahl Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Berlins, 1942 wurden er und seine Frau Jenny nach Theresienstadt deportiert. Heinrich Stahl wurde im Konzentrationslager ermordet, Jenny Stahl wurde befreit und wanderte in die USA aus.Lesen Sie auchDer Tänzerinnenbrunnen kam in den Besitz eines bulgarischen Konsuls, von dessen Nachfahren ihn das Georg-Kolbe-Museum 1978 kaufte und im Garten des ehemaligen Atelierhauses aufstellte. Der Kauf schien rechtmäßig zu sein. Lange berief sich das Museum zudem auf einen Verzicht der Stahl-Erben aus dem Jahr 2001. Später stellte sich jedoch heraus, dass die Transaktion damals nicht im Einvernehmen mit der gesamten Erbengemeinschaft verlaufen war.Für ihr 2025 erschienenes Buch „Der Brunnen“ hatte Kathleen Reinhardt, seit 2022 Direktorin des Museums, die Ikonologie der Sockelfiguren als kolonial codiertes Motiv erklärt. Georg Kolbe stellte sie in Gestalt von drei afrikanischen Männern dar, die in kauernder Stellung die Tanzende tragen. Zudem recherchierte sie die antisemitische Objektgeschichte des Brunnens.Die von Teilen der Erbengemeinschaft angestrebte Restitution kam nach Ansicht ihres Anwalts dagegen erst schleppend voran. Im Juli 2025 bekannte das Museum, dass der Verkauf Anfang der 1940er-Jahre „eindeutig unter NS-verfolgungsbedingten Maßnahmen erfolgt“ ist. Lesen Sie auchEine juristische Klärung kam zu dem Ergebnis, dass der Stahl-Enkel Werner den Verzicht auf den Brunnen nicht im Namen der gesamten Familie erklärt hatte. Daraufhin erklärte das Museum, „das Werk vollständig an die Erbengemeinschaft nach Heinrich Stahl restituieren zu wollen“, und unterbreitete im September 2025 ein Restitutionsangebot, das die Erben im Februar 2026 annahmen.Die Suche nach einer „fairen und gerechten Verhandlungslösung“ für die Rückgabe im Sinne der Washingtoner Prinzipien ist damit beendet. Das Berliner Auktionshaus Grisebach wurde von den Erben mit der Versteigerung beauftragt. Bei den kommenden Sommerauktionen wird Georg Kolbes Tänzerinnenbrunnen dort am 4. Juni 2026 aufgerufen. Der Schätzpreis liegt bei einer Million bis eineinhalb Millionen Euro.