Hört man Friedrich Merz (CDU) zu, könnte man glauben, in Deutschland läuft alles prima. Nach dem vorzeitigen WM-Aus erklärte der Bundeskanzler in einem Social-Media-Post, die Nationalmannschaft habe „mit ihrem Einsatz und Teamgeist unser Land begeistert“. Glauben möchte man es sogar. Nur glaubt man es nicht. Weil man nicht dumm ist. Und weil die Realität nun einmal anders aussieht.Nun wirbt Merz bei internationalen Investoren um frisches Kapital. Deutschland sei der „Stabilitätsanker Europas“. Im Oktober will die Bundesregierung erstmals einen großen Investitionsgipfel nach dem Vorbild von Emmanuel Macrons „Choose France“ ausrichten. Im Entwurf seiner Präsentation im Vorfeld des Gipfels, über die die Financial Times exklusiv berichtet, hebt Merz Deutschlands Triple-A-Rating bei allen drei großen Ratingagenturen, den Rechtsstaat und die breite industrielle Basis hervor.

Deutschland als „Stabilitätsanker“? Was hierzulande sonst alles „stabil“ läuft

„Investieren Sie jetzt in Deutschland“, wird Merz zitiert. Internationale Investoren sollen sich an Deutschlands „tiefgreifender struktureller Transformation“ beteiligen, am Ausbau moderner Infrastruktur, an Innovationen und der Erneuerung der Industrie. Das Ernsthafte daran: Deutschland braucht dieses Geld wirklich. Das Komische: Merz verkauft internationalen Investoren ein Land, an das viele deutsche Unternehmen selbst kaum noch glauben.