An manchem mangelt es Italien durchaus, anständige Gehälter etwa, zeitnahe Arzttermine, flächendeckende Drogeriemärkte. Was dagegen wirklich nicht fehlt: Antikes, Sehenswürdigkeiten, antike Sehenswürdigkeiten. Einen Mann aus der Gegend nahe dem norditalienischen Vicenza hielt dieser Umstand dennoch nicht davon ab, ein antikes Theater zu fälschen. Und für diese selbst gebaute Sehenswürdigkeit 40 Euro Eintritt zu verlangen.Aus eigens behandelten, alt aussehenden Steinen ließ er am Rande des Ortes Arcugnano Stufen im Halbrund errichten. Dazu ein paar Säulen aus Beton, Statuen aus Gips und einen kleinen Teich. „Anfiteatro berico“ nannte er sein Werk, „bericisches Amphitheater“ also, in Anlehnung an die Hügelkette rund um den Monte Berico südlich von Vicenza. Wobei findige Griechisch-Nerds bereits hier hätten merken können, dass etwas faul war: Schließlich ist ein Amphitheater oval oder kreisförmig und geschlossen wie das Kolosseum in Rom oder die Arena in Verona. Das griechische ἀμφί (amphí) bedeutet: ringsherum, auf beiden Seiten. Was der Mann erbaut hatte, war dagegen: ein Theater.FacebookDie SZ-Redaktion hat diesen Artikel mit einem Inhalt von Facebook angereichertUm Ihre Daten zu schützen, wurde er nicht ohne Ihre Zustimmung geladen.Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Facebook angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an den Betreiber des Portals zur Nutzungsanalyse übermittelt. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie unter sz.de/datenschutz.Der Bau entstand Anno Domini 2016 auf einer Fläche von etwa 5000 Quadratmetern und wurde als spektakulärer Fund angekündigt. Ein kleineres Magazin schrieb in einer PR-artigen Onlinemeldung von einer „echten jahrtausendealten archäologischen Perle des paläovenetischen Gebiets“, dort sollten Veranstaltungen, Konzerte, Aufführungen und Konferenzen stattfinden.Im selben Jahr rückten allerdings bereits die Carabinieri an, wie italienische Medien jetzt schreiben. Die Staatsanwaltschaft ermittelte nach einem Hinweis der Gemeinde. Bald stellten die Behörden fest: Es handelte sich um einen modernen Bau, errichtet ohne Genehmigung und im Landschaftsschutzgebiet. Das Gelände wurde beschlagnahmt. Gegen den Betreiber des Komplexes wurden Ermittlungen eingeleitet.Vom Betreiber liest man in Google-Rezensionen, er sei freundlich und erkläre die Geschichte „sehr präzise“Wie viele zahlende Besucher das Fake-Amphitheater in der Zwischenzeit sahen, ist nicht bekannt. Auf Google Maps findet man nach wie vor den Standort, mit dem Zusatz „vorübergehend geschlossen“. Auch ein paar durchaus begeisterte Rezensionen lassen sich online lesen, sogar noch von 2025. „Ein magischer Ort mitten in der Natur“, heißt es da, von einer „spektakulären Aussicht“ und „besonderen Energie und Ausstrahlung“ ist die Rede. Und vom Betreiber, der „die Geschichte sehr präzise“ erklärt habe und „sehr freundlich“ sei.Mittlerweile ist der freundliche Betreiber im Gefängnis. Er wurde in erster und dann auch zweiter Instanz wegen illegaler Bautätigkeit und Fälschung von Kunstwerken verurteilt. Seine Verteidiger fochten die Entscheidungen an. Unter anderem argumentierten sie, die Fälschung sei so offensichtlich, dass sie für jeden durchschaubar sei. Doch das Kassationsgericht, Italiens dritte und höchste Instanz, bestätigte das Urteil: zwei Jahre und vier Monate Haft, die er laut Corriere della Sera nun auch angetreten hat, nachdem sein Antrag auf Bewährung scheiterte. Der Betreiber selbst hingegen behauptet auf seiner Website bis jetzt, das Theater sei ein echter historischer Ort. Sich selbst sieht er als Opfer einer Intrige, organisiert von Mafia, Politik, Behörden und Medien.Was aus dem Amphi- respektive Semitheater wird, ist unklar. Längst hätte es abgerissen werden sollen. Doch es steht immer noch. Als wäre es erbaut, um die Zeiten zu überdauern.
Italien: Mann baut falsches antikes Theater und kassiert Eintritt - jetzt muss er ins Gefängnis
In Norditalien errichtete ein Mann ein gefälschtes antikes Theater aus behandelten Steinen und verlangte Eintritt. Der Betreiber wurde verurteilt.











