The Big PictureEskalation am Persischen Golf, steigende Zinsen an den Bondmärkten sowie wachsende Skepsis gegenüber dem Wettrüsten rund um das Thema künstliche Intelligenz: Für Investoren ist die Navigation schwierig geworden. Wo sind die sicheren Häfen?«Vor uns liegt das Bab el-Mandab – eine düstere, karge Felslandschaft, wo die glühende Hitze der Wüste auf die Feuchtigkeit des Meeres trifft. Der Ort scheint wie geschaffen für den Namen ‹Tor der Tränen›.»Sir Richard Francis Burton, brit. Afrikaforscher u. Offizier (1821–1890)Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Meerenge zwischen dem Roten Meer und dem Indischen Ozean galt unter Seefahrern während Jahrhunderten als anspruchsvolle Passage. Im wahrscheinlich im ersten Jahrhundert verfassten griechischen Handelshandbuch Periplus Maris Erythraei wird erwähnt, das Revier sei «eng und von gefährlichen Strömungen durchzogen (...), die Küsten sind rau und ohne sicheren Hafen.»Die portugiesischen Seefahrer des frühen 16. Jahrhunderts wussten um die strategische Bedeutung der Meerenge: «Die Einfahrt in die Strasse ist so eng und tückisch, dass nur wenige Schiffe sie gleichzeitig passieren können. Wer die Tore dieses Meeres schliesst, hält den Schlüssel zu allen Schätzen Indiens und Arabiens in der Hand», schrieb Afonso de Albuquerque um 1513 an seinen König Manuel I.Wegen der gefährlichen Strömungen etablierte sich unter arabischen Händlern im Mittelalter für die Meerenge der Name Bab el-Mandab: das Tor der Tränen.Die strategische Bedeutung des Bab el-Mandab wird der Weltöffentlichkeit heute wieder vor Augen geführt: Die mit Iran verbündeten Huthi-Milizen in Jemen haben in der Nacht auf Donnerstag zwei mit Rohöl aus Saudi-Arabien beladene Tanker beschossen und ihre zu Wochenbeginn ausgesprochene Drohung wahr gemacht, eine Seeblockade gegen saudische Ölexporte zu verhängen.Nachdem in den vergangenen fünf Monaten primär die Strasse von Hormuz, die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Indischen Ozean, im Fokus stand, sind die Finanzmärkte nun gezwungen, auf einen zweiten «Choke Point» in der Region zu blicken.Der Ölpreis der Referenzsorte Brent stieg im Nachgang der Meldung am Donnerstag erstmals seit zwei Monaten wieder auf über 100 $ je Fass.Die neuerliche Eskalation des Krieges zwischen den USA und Iran am Persischen Golf – und nun auch am Roten Meer – ist nur eine von mindestens drei gefährlichen, teilweise miteinander verbundenen Strömungen, mit denen Investoren an den globalen Finanzmärkten gegenwärtig zu kämpfen haben.Die anderen beiden Strömungen lassen sich am Bondmarkt und im Technologiesektor der Aktienmärkte beobachten, wo das Google-Mutterhaus Alphabet mit einem wichtigen Signal auffällt.Das dieswöchige «Big Picture» versucht, diese Strömungen einzuordnen und zeigt, welche Häfen Anlegern Schutz bieten dürften.InhaltsverzeichnisZittern am Tor der TränenDie langfristigen Zinsen in der kritischen ZoneHistorische Entwicklungen in JapanAlphabet liefert wichtiges SignalAufgeblähte GewinneZittern am Tor der TränenDie Mitte Juni zwischen Teheran und Washington unterschriebene «Absichtserklärung» (Memorandum of Understanding) ist Makulatur. Der temporäre Rückgang des Ölpreises hat sowohl die Hardliner in Iran wie auch die Trump-Regierung zu einer aggressiveren Haltung animiert. Seit zwei Wochen eskaliert der Krieg wieder. Die Strasse von Hormuz ist für Tank- und Frachtschiffe derzeit wieder so gut wie geschlossen.Mit den Angriffen der Huthi am Roten Meer hat sich ein gefährlicher zweiter Krisenherd geöffnet. Die Huthi hatten sich in der ersten Phase des Krieges ab März zurückgehalten, was es Saudi-Arabien erlaubt hat, über die Ost-West-Pipeline und den Hafen Yanbu am Roten Meer rund 7 Mio. Fass Öl pro Tag zu exportieren.Nun ist diese «Bypass-Operation» gefährdet. Falls die Huthi weiter eskalieren, könnten Öltanker gezwungen sein, den Weg von Yanbu nach Norden, durch den Suezkanal, zu nehmen, was den Transportweg nach Asien signifikant verlängern würde.Den Rohstoffmärkten droht eine Situation wie im März, mit akuten Angebotsausfällen – aber mit dem Nachteil, dass die globalen Reserven in den vergangenen Monaten aufgezehrt wurden und heute deutlich tiefer liegen als im März. Selbst in den USA, die in der Rohölproduktion theoretisch autark sind, sind die strategischen Ölreserven auf den niedrigsten Stand seit 1983 gefallen.Strategische Erdölreserven der USA, in Mio. Fass.Quelle: Bianco ResearchIn Europa werden mit Blick auf den nächsten Winter die niedrigen Gasspeicher zunehmend zum Thema, und angesichts knapper Raffineriekapazitäten weltweit steigen die Preise für Treibstoffe wie Diesel und Kerosin deutlich stärker als der Rohölpreis. Die Margen der Raffineriebetreiber liegen deutlich über dem Niveau vom Frühjahr 2022, nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine.Diese Entwicklungen sind ein herber Schlag für die Weltwirtschaft, die ab Juni wieder klare Zeichen eines konjunkturellen Aufschwungs gezeigt hatte.Im Verlauf der Monate April bis Juni wurden die Finanzmärkte in ihrem Vertrauen auf die «TACO»-These («Trump Always Chickens Out») bestätigt: Wenn der Ölpreis deutlich steigt, die Benzin- und Dieselpreise in den USA in die Höhe klettern und der Druck von den Finanzmärkten zu gross wird, krebst der US-Präsident zurück.Die Märkte hoffen zweifellos abermals auf eine baldige TACO-Wende, aber bis anhin sendet Trump keine entsprechenden Signale. Im Gegenteil, er droht täglich, Iran «hart zu schlagen» und auch zivile Infrastruktur zu zerstören. Die Hardliner in Teheran ihrerseits dürften sich in ihrer Einschätzung bestätigt fühlen, dass sie gegenüber dem flatterhaften US-Präsidenten langfristig am längeren Hebel sitzen.Wir massen uns keine Spekulation über die Frage an, welchen Ausweg Trump aus dem Schlamassel finden wird. Aber er wird einen Ausweg suchen, denn steigende Treibstoffpreise sind in der amerikanischen Bevölkerung extrem unpopulär. Entsprechend überrascht es nicht, dass seit der jüngsten Eskalation am Golf an den Wettmärkten die Chancen der Demokraten weiter gestiegen sind, an den Zwischenwahlen vom 3. November zumindest eine der beiden Kongresskammern zu gewinnen.Die langfristigen Zinsen in der kritischen ZoneDer Anstieg der Treibstoffpreise kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Im Juni liess die Inflation der Konsumenten- und Produzentenpreise in den USA leicht nach, was dem Vorsitzenden der US-Notenbank (Fed), Kevin Warsh, mehr Spielraum in der Kalibrierung der Geldpolitik zu geben schien.Doch diese Entwicklung ist nun ebenso Makulatur wie das von Trump in Versailles unterzeichnete MoU mit Teheran. Steigende Treibstoffpreise erhöhen den Inflationsdruck wieder.Kommende Woche, am 29. Juli, findet die zweite Sitzung des Fed-Offenmarktkomitees unter der Leitung von Warsh statt. Die Terminmärkte gehen mit einer Wahrscheinlichkeit von 70% davon aus, dass der Leitzins unverändert belassen wird. Für den Rest des Jahres werden an den Terminmärkten nun aber wieder zwei Zinserhöhungen eingepreist, eine im September – also bereits vor den Zwischenwahlen – und eine im Dezember.Die Rendite zweijähriger Treasury Notes ist auf über 4,3% gestiegen und liegt mehr als 50 Basispunkte über dem oberen Ende des vom Fed gesetzten Zielbandes der Fed Funds Rate. Das ist ein Signal, dass der Bondmarkt eine Verschärfung der Geldpolitik erwartet.Problematischer für Investoren sind allerdings die Bewegungen am langen Ende der Zinskurve. Die Rendite zehnjähriger Treasury Notes ist am Donnerstag auf 4,7% gestiegen, die Rendite dreissigjähriger Treasury Bonds ist mit 5,16% auf den höchsten Stand seit zwanzig Jahren geklettert.Das sind Zinsniveaus, auf denen es den Aktienmärkten in den vergangenen drei Jahren jeweils überaus unwohl wurde.Steigende Langfristzinsen sind nicht bloss ein amerikanisches, sondern ein globales Phänomen. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen etwa ist mit 3,2% auf den höchsten Stand seit 2011 gestiegen.Historische Entwicklungen in JapanBesonders im Auge behalten müssen Investoren die Lage in Japan, wo die langfristigen Zinsen Mehrdekaden-Höchstwerte erreicht haben; 2,8% bei den zehnjährigen, knapp 4% bei den dreissigjährigen Staatsanleihen (Japanese Government Bond, JGB).Angesichts dieser Entwicklung wird es immer deutlicher, dass die Bank of Japan (BoJ) mit ihrer extrem zögerlichen Zinserhöhungspolitik im Rückstand liegt. Der Leitzins der BoJ liegt auf 1%, die Zinskurve in Japan ist extrem steil (was die Banken erfreut). In diesem Zusammenhang sorgte diese Woche ein Bericht von «Bloomberg» für Aufsehen, wonach die Führung der BoJ zu rascheren Zinserhöhungen bereit sei. Am Freitag meldete «Nikkei» jedoch, an der nächsten Sitzung der BoJ von kommender Woche sei keine Erhöhung des Leitzinses zu erwarten.Doch auch wenn die BoJ zögert – der Bondmarkt hat das Heft in die Hand genommen. Japans Zinskurve zeigt nach dreissig Jahren hartnäckiger Deflation wieder ein inflationäres Wirtschaftsumfeld an.Von den Weltfinanzmärkten kaum beachtet machte Japans Finanzministerin Satsuki Katayama am 10. Juli an einer Pressekonferenz eine Aussage, die möglicherweise in die Geschichtsbücher eingehen wird:«Wir wollen Massnahmen ergreifen, die Pensionsfonds – einschliesslich des staatlichen Pensionsfonds GPIF – dazu bewegen, deutlich stärker in japanische Finanzanlagen zu investieren.»Das ist die erste explizite Ansage der japanischen Regierung, mit der inländische institutionelle Investoren höflich angehalten werden, einen Teil ihrer riesigen im Ausland gehaltenen Vermögen zu repatriieren.Der GPIF, der grösste Pensionsfonds der Welt mit einem Anlagevermögen von rund 1,8 Bio. $, ist nicht der Regierung unterstellt und kann die Aufforderung Katayamas ignorieren. Trotzdem: Das «Nudging» nimmt unübersehbar zu.Doch auch von den Wünschen der Regierung abgesehen: Mit dem Anstieg der langfristigen Zinsen werden japanische Staatsanleihen für inländische Institutionelle attraktiver. Sie können auch aus freien Stücken zum Schluss kommen, dass sie einen Teil ihres vor allem in den USA gehaltenen Anlagekapitals repatriieren wollen.Das Puzzlestück, das noch fehlt, ist der Yen. Japans Valuta hat sich auch nach dem Aufruf Katayamas weiter abgewertet und mit knapp 164 Yen/$ das schwächste Niveau seit 1986 erreicht.Aber sollte unter den japanischen institutionellen Investoren ein Umdenken stattfinden, und sollten sie mit der Repatriierung ihres Auslandsvermögens beginnen, dann kann sich der Yen plötzlich heftig aufwerten. Ronald-Peter Stöferle vom Liechtensteiner Vermögensverwalter Incrementum weist darauf hin, dass Hedge Funds so grosse Short-Positionen im Yen halten wie nie seit 2007.Wenn diese Kapitalströme einmal ihre Richtung wechseln, werden sie ein Beben an den globalen Finanzmärkten auslösen.Und das bringt uns zur dritten gefährlichen Strömung.Alphabet liefert wichtiges SignalVor zwei Wochen haben wir an dieser Stelle geschrieben, dass der Boom rund um das Thema künstliche Intelligenz (KI) in die kritische Phase geht. Ausführlich dargelegt haben wir unsere Gedanken im «The Big Picture Live»-Webinar vom 20. Juli. Hier der entsprechende Video-Ausschnitt:Die Anzeichen mehren sich, dass die Finanzmärkte das Wettrüsten der sogenannten Hyperscaler (Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta Platforms, Oracle) im Bau von Rechenzentren mit zunehmender Skepsis betrachten. Seit Oktober 2025 schneiden die Aktien der Hyperscaler schlechter ab als der Gesamtmarkt.Diese Phase der relativ schwachen Performance begann an einer wichtigen Wegmarke: Seit dem vierten Quartal 2025 sind die Kapitalinvestitionen (Capital Expenditures, Capex) der Hyperscaler so gross geworden, dass diese sie nicht mehr aus ihrem operativen Cashflow finanzieren können. Sie müssen seither zusätzliche Mittel an den Kapitalmärkten aufnehmen, und sie haben ihre Aktienrückkaufprogramme grösstenteils gestoppt.Die Frage, ob diese Kapitalinvestitionen jemals eine Rendite abwerfen werden oder ob es sich um einen der grössten Kapitalvernichtungszyklen aller Zeiten handelt, beschäftigt die Märkte.Alphabet war am Mittwoch der erste Hyperscaler, der seine Zahlen zum zweiten Quartal publiziert und ein Update über seine Capex-Pläne abgegeben hat. Die Zahlen waren glänzend; in der Cloud-Sparte hat das Mutterhaus von Google mit einem Umsatzwachstum von 82% die Erwartungen der Analysten übertroffen.Doch dann sagte CEO Sundar Pichai an der Telefonkonferenz, dass Alphabet im laufenden Jahr Kapitalinvestitionen in Höhe von 195 bis 205 Mrd. $ plane – eine Erhöhung der bislang in Aussicht gestellten 180 bis 190 Mrd. $.Mit dieser Aussage drehte die Stimmung. Im nachbörslichen Handel brachen die Alphabet-Aktien um rund 5% ein. Am Donnerstag sackte Alphabet 7% in die Tiefe und zog die anderen Hyperscaler in Mitleidenschaft. Weil Tesla nach schwachen Quartalszahlen ebenfalls auf den Verkaufslisten landete, gingen für die «Magnificent Seven» (Microsoft, Amazon, Alphabet, Meta, Tesla, Nvidia, Apple) gesamthaft 890 Mrd. $ an Börsenwert in Rauch auf.Alphabet hat seit dem Höchststand Mitte Mai 21% eingebüsst und notiert an der 200-Tage-Durchschnittslinie:Das erste Urteil der Finanzmärkte ist klar: Eine weitere Erhöhung der bereits riesigen Kapitalinvestitionen stösst auf Misstrauen. Wie wichtig diese Trendwende ist, zeigt auch der Blick auf den freien Cashflow von Alphabet: Im zweiten Quartal lag dieser mit einem Minus von etwas mehr als 5 Mrd. $ erstmals in der gut zwanzigjährigen Börsengeschichte des Konzerns im negativen Bereich.Freier Cashflow von Alphabet, pro Quartal, in Mrd. $Quelle: WSJWas bedeutet das für den weiteren Verlauf an den Börsen?Ein erstes Signal ist mit Alphabet gesetzt. Kommende Woche, am 29. Juli, folgen die Quartalsberichte von Microsoft und Meta. Amazon berichtet am 30. Juli. Dort wird es spannend sein, zu sehen, ob sich das Bild bestätigt: Sollten Microsoft, Meta und Amazon ebenfalls ihre Capex-Prognosen erhöhen, und sollte der Finanzmarkt darauf ebenfalls ablehnend reagieren, dann ist das Verdikt klar. Sollte einer der Hyperscaler seine Capex-Prognosen dagegen senken und dafür an den Märkten Applaus erhalten, ist das Verdikt ebenfalls klar: Die Skepsis gegenüber einer weiteren Erhöhung der Kapitalinvestitionen überwiegt.Das wäre ein Signal, das die Hyperscaler nicht ignorieren können – und es hätte Konsequenzen für alle Unternehmen aus den Zulieferindustrien, die am Bauboom von Rechenzentren profitieren.Aufgeblähte GewinneEin Phänomen des KI-Booms ist, dass die Unternehmensgewinne auf aggregierter Basis aufgebläht werden und der Aktienmarkt – primär der amerikanische, am Beispiel des S&P 500 – zu günstig erscheint. Der Grund liegt in der buchhalterischen Behandlung der Kapitalinvestitionen auf der Ausgaben- und der Einnahmenseite. Die Details dazu haben wir an dieser Stelle dargelegt.Hinzu kommt jedoch noch ein zweiter Faktor, der auf aggregierter Basis ebenfalls zu einer Aufblähung der Unternehmensgewinne führt: Die Hyperscaler halten signifikante Beteiligungen an KI-Unternehmen wie Anthropic und OpenAI. Und weil diese ihre Aktien noch nicht im Publikum platziert haben, richtet sich ihr Wert nach den jüngsten privaten Finanzierungsrunden.Ein Beispiel: Alphabet hält einen 15%-Anteil an Anthropic. Ende 2025 wurde Anthropic an den Privatmärkten noch mit rund 300 Mrd. $ bewertet, im Frühjahr 2026 waren es bereits gut 900 Mrd. $. Für den im Herbst geplanten Börsengang soll das Unternehmen einen Wert von mehr als 1 Bio. $ anstreben.Der Wert der Beteiligung, die Alphabet an Anthropic hält, ist dadurch in den vergangenen Monaten kräftig gestiegen. Ebenso hält Alphabet einen Anteil am Weltraumunternehmen SpaceX, dessen Wert per Ende Juni mit 94 Mrd. $ ausgewiesen wird. Auch dieser wurde durch den Börsengang von SpaceX im Juni aufgebläht. In der Erfolgsrechnung weist Alphabet diese Aufwertungsgewinne in der Zeile «Other Income» aus. Diese «übrigen Gewinne» summierten sich im zweiten Quartal auf satte 98 Mrd. $, verglichen mit 2,7 Mrd. $ in der Vorjahresperiode.Erfolgsrechnung von Alphabet für das zweite Quartal. Die «übrigen Gewinne» («Other income») stiegen im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr um 3581% auf 98 Mrd. $.Quelle: AlphabetDer ausgewiesene Gewinn je Aktie von Alphabet stieg dank diesem Effekt um 294% auf 9.11 $, obwohl der operative Gewinn «nur» um 30% expandierte.Auch diese Gewinne sind, genau wie die Gewinne der Lieferanten für den Bau von Rechenzentren, nur temporärer Natur. Sobald die Bewertung von Anthropic und OpenAI nicht mehr steigt – bei SpaceX ist das bereits der Fall –, versiegt diese Quelle.Welche Häfen bieten Schutz?Die drei beschriebenen Strömungen – Eskalation am Golf, steigende Zinsen an den Bondmärkten sowie wachsende Skepsis gegenüber dem KI-Boom – vermengen sich für Investoren zu schwierigen Bedingungen an den Finanzmärkten.Doch das bedeutet nicht, dass das Umfeld unisono schlecht ist. Die Märkte reagieren mit Präferenzverschiebungen und widmen sich Sektoren und Branchen, die entweder von den Veränderungen nicht betroffen sind oder die davon profitieren.Fünf Themen bieten sich als sichere Häfen an.Energie: Der Energiesektor hat sich im März und abermals im Juli als effektiver «Hedge» gegen eine Eskalation am Golf erwiesen. Auch wenn Trump eine TACO-Wende vollziehen und der Ölpreis sinken sollte, so sprechen die längerfristigen Perspektiven doch für den Energiesektor. Es wird nach einem Ende des Krieges Jahre dauern, bis die strategischen Öllager wieder aufgefüllt sind. China hat sich zudem als «Grenzkäufer» etabliert und drosselt seine Importe, wenn der Ölpreis über 90 $ steigt, während es seine strategischen Käufe ausweitet, wenn der Ölpreis unter 70 $ fällt. Für langfristige Nachfrage ist also gesorgt.Wege, auf dieses Thema zu setzen:SS SPDR MSCI World Energy UCITS ETFISIN: IE00BYTRR863iShares MSCI World Energy Sector UCITS ETFISIN: IE00BJ5JP105Banken in Europa und in Japan: Der Bankensektor in Europa und in Japan zeigt bereits seit Jahren relative Stärke. Die steile Zinskurve, ein grosses Potenzial für Aktienrückkäufe sowie die Aussicht auf Fusionen und Übernahmen – in Europa endlich auch grenzüberschreitend – sprechen für den Sektor. Die Bewertungen sind nach wie vor attraktiv.Wege, auf dieses Thema zu setzen:Amundi STOXX Europe 600 BanksISIN: LU1834983477iShares STOXX Europe 600 Banks UCITS ETFISIN: DE000A0F5UJ7Für japanische Banken gibt es nur einen in Tokio gehandelten ETF:Next Funds TOPIX Banks ETF (Tickersymbol: 1615.T)Gesundheit: Abgesehen vom Energie- und dem Finanzsektor sind in den vergangenen vier Wochen vor allem Aktien aus dem Bereich Gesundheit – Pharma, Biotech, Medtech – mit relativer Stärke aufgefallen. Der Sektor ist defensiv, er hängt kaum am Konjunkturzyklus, und er ist günstig bewertet. In den Jahren seit dem Ende der Covid-Pandemie stand der Gesundheitssektor bei Investoren nicht hoch im Kurs. Das ändert sich nun wieder.Wege, auf dieses Thema zu setzen:SS SPDR MSCI World Health Care UCITS ETFISIN: IE00BYTRRB94China: Der amerikanische Value-Investor Kevin Duffy bezeichnet den chinesischen Aktienmarkt als «Anti-Blase», weil er günstig bewertet ist und von den meisten Investoren nach wie vor gemieden wird. Aber Duffy mahnt, Chinas Aufstieg zur Innovationsmacht nicht zu unterschätzen. Der «Moonshot Moment» von vergangener Woche, als das Startup Moonshot AI mit seinem KI-Modell Kimi K3 international Aufsehen erregte, unterstreicht Chinas Anspruch.Ein profanerer Effekt kommt hinzu: Chinas Aktienmarkt zählte im laufenden Jahr zu den schlechtesten weltweit. Die Zentralregierung hat Anfang Juli eine Gruppe von Finanzinstituten – an den Märkten als das «National Team» bekannt – angewiesen, mehr chinesische Aktien zu kaufen. Politischer Druck funktioniert immer. Im Juli schafft es der MSCI China bisher auf eine Performance von 6,2%, während der MSCI World 0,9% eingebüsst hat.Wege, auf dieses Thema zu setzen:Franklin FTSE China UCITS ETFISIN: IE00BHZRR147iShares MSCI China UCITS ETF USD (Acc)ISIN: IE00BJ5JPG56
Ölpreis, Zinsen und KI-Boom: Drei gefährliche Strömungen für Investoren
Eskalation am Persischen Golf, steigende Zinsen sowie wachsende Skepsis gegenüber dem KI-Boom: Wo sind die sicheren Häfen für Investoren?
Huthi blockieren saudische Ölexporte im Roten Meer; Brent über 100 $/Fass erstmals seit 2 Monaten – erste von drei Risiken neben steigenden Zinsen und KI-Skepsis. Tech-Manager müssen Infrastruktur-Capex neu kalibrieren: Energiekosten, Zinsdruck und deflationäre KI-Bewertungen destabilisieren Technologie-Budgets.









