KommentarZürich steckt in der grössten Drogenkrise seit mehr als dreissig Jahren. Doch die Politik reagiert planlos auf das Crack-ElendDie Süchtigen beschäftigen Zürich zwar seit Jahren. Die Entwicklung in den letzten Wochen aber zeigt: Die Politik ist bei Crack wieder einen Schritt zu spät.24.07.2026, 15.34 Uhr3 LeseminutenCrack ist als Droge ein Albtraum. Das High hält nur kurz und macht die Konsumenten schnell abhängig.Dominic NahrMitte Juni erklärte die Zürcher Sozialvorsteherin Céline Widmer im Stadtparlament, man habe die Situation im Griff. Auf der Bäckeranlage, die in den letzten Jahren zum Symbol der Crack-Krise in Zürich geworden ist, sei der offene Konsum der schnell süchtig machenden Droge massiv zurückgegangen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Doch nur einen Monat später ist alles anders: Zürich hat gleich vier Gebiete zwischen Hauptbahnhof, Langstrasse und Bäckeranlage zu Brennpunkten erklären müssen. Denn dort ist Realität geworden, was die Stadt immer verhindern wollte: Drogenszenen, an denen sich Dealer tummeln und Süchtige offen konsumieren. Handel, Konsum, Beschaffungskriminalität und Gewalt belasten die Quartiere mehr und mehr. Bei Anwohnern und Gewerblern sorgen sie für Unruhe und Frustration.Repression bringt höchstens eine Verbesserung auf ZeitNun soll die Lage mit mehr Repression beruhigt werden. Die Polizei soll mit zusätzlichen Patrouillen, Kontrollen und Wegweisungen sowie einer härteren Gangart gegen den Drogenhandel für Sicherheit sorgen.Allen ist aber klar: Die Polizei kann die Situation höchstens kurzfristig verbessern. Denn die Süchtigen bleiben süchtig, sie werden bloss an andere Orte verdrängt. Zudem bindet eine erhöhte Polizeipräsenz viele Kräfte, wofür zusätzliche Stellen bei den Einsatzkräften notwendig wären. Diese verhindert das linke Zürich immer wieder.Damit wiederholt sich das Muster der letzten Jahre. Die Politik in Zürich zeigt sich ob des Drogenelends, das besonders im Sommer sichtbar ist, zwar beunruhigt. Doch dann passiert wenig, man glaubt sich auch so gut gerüstet, nach dem Motto: Wir haben die seit den neunziger Jahren bewährten Rezepte, es wird schon irgendwie gehen.Das Zaudern hat schwerwiegende Folgen. Nicht nur für die Anwohnerinnen und Anwohner, sondern auch für die Abhängigen selbst, die sich in einer Negativspirale aus Beschaffungskriminalität, Gewalt und der verzweifelten Suche nach dem nächsten High wiederfinden.Denn Crack ist als Droge ein Albtraum: Das High ist extrem, die Droge macht aggressiv, die Wirkung ist aber auch extrem schnell wieder vorbei. Schon nach wenigen Minuten brauchen Süchtige den nächsten Kick. Dealerbanden vermarkten die Droge als handliche und billige Crack-Steinchen.Um die Crack-Krise in den Griff zu bekommen, braucht es deshalb nicht nur eine harte Gangart gegen die Dealernetzwerke, sondern auch geeignete Auffangstrukturen. Das ist eine Lehre aus der Platzspitz-Zeit Anfang der neunziger Jahre, als das Drogenelend in der Limmatstadt noch weit grösser war. Aber Auffangstrukturen lassen sich nicht von einem Tag auf den anderen aus dem Boden stampfen. Niemand freut sich über ein Fixerstübli im Quartier.Das zeigt sich in Zürich bei der bisher erfolglosen Suche nach dem dringend benötigten Standort für eine vierte Kontakt- und Anlaufstelle. Die drei bestehenden Stellen geraten angesichts der vielen Süchtigen inzwischen an ihre Kapazitätsgrenzen.Zürich allein wird es nicht schaffenSo ist Zürich im Kampf gegen die Crack-Krise meist einen Schritt zu spät. Aber die grösste Stadt des Landes ist damit noch immer weiter als die meisten Schweizer Kommunen. Denn vielerorts fehlt es an allem: an Anlaufstellen und Angeboten für Süchtige ebenso wie an Fachpersonal, das sich um die Konsumenten kümmert. Ohne Auffangstrukturen drohen allerdings städtische Zentren wie Zürich noch mehr zu Magneten für Süchtige und Dealer zu werden. Es braucht deshalb auch mehr Engagement aus den Herkunftsgemeinden der Süchtigen. Allein wird Zürich das Problem nicht lösen können.Das während der Drogenhölle am Platzspitz und am Letten entwickelte Vier-Säulen-Modell hat auch deshalb so gut funktioniert, weil man den Heroinsüchtigen von damals eine Behandlung in Form von Methadon anbieten konnte. Das ermöglichte es ihnen, ein Leben in normalen Bahnen zu führen und sich im Alltag, im Job und im Umfeld zurechtzufinden.Bei Crack gibt es bis jetzt keine solche Alternative. Für eine dauerhafte Lösung wird die Politik nicht darum herumkommen, Ersatzstoffe und neue Abgabeformen für die Substanz zu finden. Sonst werden sich die Elendsszenen in jedem Sommer aufs Neue wiederholen.Passend zum Artikel
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Die Süchtigen beschäftigen Zürich zwar seit Jahren. Die Entwicklung in den letzten Wochen aber zeigt: Die Politik ist bei Crack wieder einen Schritt zu spät.







