Der kontinuierlich wachsende Einfluss Chinas auf Russland steht außer Frage; Berichte der vergangenen Tage haben diesen Trend erneut hervorgehoben. So soll Peking seine Macht demonstriert haben, indem es sich geweigert hat, die für Russlands geplante Erweiterung der Nördlichen Seeroute benötigten Schiffsantriebssysteme bereitzustellen. Gleichzeitig scheinen die Verhandlungen über die geplante große Gaspipeline „Power of Siberia 2“ ins Stocken geraten zu sein – offenbar aufgrund von Forderungen Chinas nach extrem niedrigen Preisen für russisches Gas, die deutlich unter den Vorstellungen des Kremls liegen.

Ein am 20. Juli veröffentlichter Bericht in der englischsprachigen Onlinezeitung EU Observer deutet darauf hin, dass angesichts des sich verschärfenden Ukraine-Krieges und der wirtschaftlichen Schwierigkeiten Russlands traditionelle Verbündete sowie neutralere Staaten wie die Türkei beginnen, sich von Moskau abzuwenden. Gleichzeitig wächst Pekings Verhandlungsmacht gegenüber Russland und dessen Wirtschaft weiter.

China diktiert zunehmend die Bedingungen

Dem Bericht zufolge versucht China, für das Gas aus „Power of Siberia 2“ eine eigene chinesische Preisformel durchzusetzen, die weit unter dem Niveau liegt, das Moskau anstrebt. Russland hat sich nach Osten orientiert, um zusätzliche Gasabsatzmärkte zu sichern, während die Möglichkeiten für seine Pipeline-Exporte weiter schrumpfen. Die Lieferungen nach Europa dürften eines Tages vollständig auf null sinken, sollte Brüssel an seinem Ziel festhalten, sich langfristig von russischem Gas unabhängig zu machen.