Putin und Xi wollen eine grenzenlose Partnerschaft. In der chinesisch-russischen Grenzregion wächst diese nur langsam.

V or dem Eingang zum „Russischen Dorf“ flattern chinesische und russische Fahnen leicht im Wind. In kleinen hölzernen Hütten, vor denen riesige Matroschka-Puppen stehen, erwartet die chinesischen Besucher eine russische Bäckerei, ein Kasinoraum mit Roulettetisch und eine altrussische Kneipe. Es wird Kaffee mit russischer Schokolade serviert, russische Popmusik kommt aus den Lautsprechern und in einigen Hütten singen und tanzen „echte Russen“.

Ganz authentisch wirkt das „Russische Dorf“ bei Harbin im Nordosten Chinas aber nicht. Im Souvenirladen läuft das Titellied von „Game of Thrones“. Die Kneipe ist mit US-amerikanischen Autoschildern und einem Bierzapfhahn der dänischen Marke Carlsberg dekoriert. Auch die Russen, die hier täglich auftreten und sich mit den chinesischen Touristen fotografieren lassen, sind nicht alle russisch.

„Ob man wirklich Russe ist, spielt keine Rolle. Es zählt nur, dass man slawisch aussieht“, sagt Bohdan*, der, wie die anderen Musiker seiner Band, Ukrainer ist. Gegenüber nicht chinesischen Besuchern machen sich die Bandmitglieder darüber lustig, dass das „Russische Dorf“ eher den Klischees entspricht als den tatsächlichen Gegebenheiten auf der anderen Seite der über 4.000 Kilometer langen Grenze.