Der andere BlickDie Deutschen nehmen Migrantengewalt achselzuckend hin. Das ist gefährlichDeutschland im Sommer 2026: Gewalttat reiht sich an Gewalttat. Mit Messerverbotszonen allein bekommt man die importierte Gewalt nicht in den Griff.23.07.2026, 17.30 Uhr3 LeseminutenDie Messerattacken in Deutschland reissen nicht ab.Illustration Ida Götz / NZZSie lesen einen Auszug aus dem Newsletter «Der andere Blick am Abend», heute von Oliver Maksan, Stellvertretender Chefredaktor der NZZ Deutschland. Abonnieren Sie den Newsletter kostenlos. Nicht in Deutschland wohnhaft? Hier profitieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Deutschland in den vergangenen Tagen und Wochen:Im bayrischen Höchberg verletzt ein 20-jähriger Syrer einen 65-Jährigen schwer. Warum? Der Mann trug einen Israel-Anstecker. Das reichte schon, um auf ihn einzutreten und ihm einen Wirbel zu brechen.Im rheinland-pfälzischen Trier ersticht ein 22-jähriger Afghane einen ihm unbekannten Studenten. Warum? Das weiss man nicht. Der Afghane wurde in einer Psychiatrie untergebracht.Im bayrischen Ruhpolding bedroht ein 28-jähriger Afghane den Schaffner und Kinder in einem Regionalzug mit dem Messer. Er wurde in eine forensische Klinik eingewiesen.Auch Ausländer werden zu Opfern. In Witten in Nordrhein-Westfalen sticht ein 19-jähriger Syrer in einer Asylunterkunft auf einen Iraker ein; er wird lebensgefährlich verletzt.In Bad Langensalza in Thüringen eskaliert ein Streit zwischen einem Algerier und zwei Syrern. Die beiden Syrer erstechen den Mann.Und das sind nur die Taten im Juni und Juli. Man könnte die Liste beliebig verlängern. Manchmal erregen diese Taten Aufsehen, manchmal nicht. Wen wundert das? An solche Berichte hat man sich gewöhnt. Wer will da schon den Überblick behalten.Deutschland läuft in die FatalismusfalleDie Deutschen gewöhnen sich an die importierte Brutalität im Land. Selbst Messerattacken lösen nur noch Achselzucken aus. Deutschland läuft so Gefahr, in eine doppelte Fatalismusfalle zu laufen.Da sind zunächst die Bürger, die den Eindruck haben, dass weder Wahlen noch politische Massnahmen etwas bewirken. Gleichzeitig feiert sich die Bundesregierung für ihre Migrationswende, obwohl nach wie vor jedes Jahr eine Grossstadt in Deutschland über den Asylweg einwandert und Afghanen und Syrer viel häufiger schwere Gewalttaten verüben als Deutsche.Dann sind da die Politiker, die versucht sein könnten, weniger politisches Kapital in das Asylthema zu investieren. Denn bis anhin profitiert die Bundesregierung in den Umfragen nicht davon, dass die Zahl der irregulären Migranten sinkt. Im Bund ist die von Anfang an migrationskritische AfD den Regierungsparteien CDU, CSU und SPD schon vor Monaten enteilt. Mittlerweile sehen Umfragen die AfD sogar im linken Berlin an erster Stelle.Dabei ist die Bundesregierung keineswegs untätig. Man darf Kanzler Friedrich Merz und seinem Innenminister Alexander Dobrindt abnehmen, dass sie wirklich eine Asylwende wollen. Beide waren Kritiker der unverantwortlichen Asylpolitik Angela Merkels. Beide haben die SPD in den Koalitionsverhandlungen nach der vergangenen Bundestagswahl dazu gebracht, Dinge mitzutragen, die in der Ampelregierung undenkbar gewesen wären, etwa Asylsuchende an den Grenzen zurückzuweisen.Innenminister Dobrindt hat es jetzt möglich gemacht, dass nicht mehr nur Straftäter und Gefährder nach Afghanistan ausgeschafft werden können, sondern alle ausreisepflichtigen Afghanen. Das ist notwendig. Der Preis, dafür mit den Taliban und den Islamisten in Syrien zusammenarbeiten zu müssen, ist vertretbar.Es führt kein Weg daran vorbei, die Zahl von Migranten aus in der Kriminalstatistik überrepräsentierten Ländern wie Syrien und Afghanistan so weit wie nur möglich zu verkleinern. Das von Kanzler Merz ausgegebene Ziel, 80 Prozent der seit 2014/15 eingereisten Syrer rückzuführen beziehungsweise zur Heimreise zu bewegen, mag nur schwer umzusetzen sein. Als politische Zielmarke bleibt es richtig, zumal der Bürgerkrieg vorbei ist.Symptome bekämpfen genügt nichtDie bittere Wahrheit ist: Mit Massnahmen wie Messerverbotszonen, Einlasskontrollen auf Volksfesten oder Alkoholverboten an Bahnhöfen bekämpft man nur Symptome, die mit der irregulären Migration verbunden sind. An die Ursachen geht man damit nicht. Wenn sich weiterhin so viele Syrer und Afghanen im Land aufhalten, dann werden auch viele Gewalttaten verübt – selbst wenn nur ein kleiner Teil der Afghanen und Syrer straffällig wird.Fachleute weisen darauf hin, dass kulturell geprägte Gewaltbereitschaft sich nicht einfach auswächst. Der Blick nach Schweden zeigt, dass sie sich in der zweiten und dritten Generation verfestigt, wenn nicht sogar verschärft.Deutschland hat zudem nicht die Kapazitäten, traumatisierte und entwurzelte Menschen therapeutisch in dem Umfang aufzufangen, wie das nötig wäre. Kanzlerin Merkel hätte schon deshalb alles tun müssen, um die Grenzen frühzeitig zu schliessen und Asylbewerber abzuweisen. Der entsprechende Einsatzbefehl an die Bundespolizei lag vor.Mehr als zehn Jahre später kämpft Deutschland mit den Folgen und wird es noch lange tun müssen. Erst wenn die Fehler von 2015 nicht nur nicht wiederholt, sondern rückgängig gemacht wurden, wird sich spürbar etwas ändern.Passend zum Artikel