ErklärtDer Unionsfraktionschef ist zurückgetreten, weil er und sein Mann ein Kind mithilfe einer Leihmutter in den USA bekommen haben. Schon zuvor war der deutsche Politiker in mehrere Skandale verwickelt. Eine Übersicht.23.07.2026, 16.45 Uhr4 LeseminutenDer ehemalige Unionsfraktionschef Jens Spahn, hier im Juli im Bundestag, überstand schon mehrere Skandale. Der folgenschwerste war die Maskenaffäre.Maryam Majd / ReutersIm ZDF-Sommerinterview sprach der deutsche Kanzler Friedrich Merz am Sonntag aus, was viele dachten: Die Empörung der Menschen über Jens Spahn habe «wahrscheinlich auch etwas mit seiner Person zu tun», sagte Merz.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Vergangene Woche war innerhalb weniger Tage der Ärger über den damaligen Unionsfraktionschef stark gewachsen – in der Union, aber auch bei den Kirchen und in Teilen der Gesellschaft. Der Grund: Spahn und sein Mann Daniel Funke haben mithilfe einer Leihmutter in den USA ein Kind bekommen. Dabei lehnt Spahns Partei, die CDU, Leihmutterschaft strikt ab, und auch er selbst hatte sich öffentlich immer dagegen ausgesprochen. Am Samstag ist er zurückgetreten.Tatsächlich war Spahn schon vor der Affäre um die Leihmutterschaft in mehrere Skandale verwickelt. Der CDU-Politiker überstand sie alle, obwohl sie teilweise ähnlich grosse Empörung ausgelöst hatten.InhaltsverzeichnisHoher Schaden durch MaskenaffäreUnklare Finanzierung der Berliner VillaAbendessen mit heiklen SpendenHoher Schaden durch MaskenaffäreZu Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 kaufte das Bundesgesundheitsministerium, das damals von Jens Spahn geleitet wurde, 5,8 Milliarden Schutzmasken, um eine Versorgungskrise in Deutschland zu vermeiden. Dabei sicherte der Bund jedem Lieferanten, der bis Ende April 2020 FFP2-Masken beschaffen konnte, einen festen Abnahmepreis in Höhe von 4,50 Euro pro Maske zu – ein Preis, der sich im Nachhinein als viel zu hoch herausstellen sollte.Dadurch meldeten sich mehr als 700 Betriebe, so dass ein Überangebot entstand. Um die aus dem Ruder gelaufenen Kosten zu drücken, verweigerte das Ministerium die Annahme vieler Masken und beglich Rechnungen nicht. Dabei berief es sich auf angebliche Qualitätsmängel und verpasste Fristen.Der Bundesrechnungshof kritisierte die chaotische Beschaffung und das ungesteuerte Vorgehen des Ministeriums scharf. Auch viele Lieferanten klagten. Erst diese Woche hat das Bonner Landgericht die Klage eines Hamburger Unternehmers abgewiesen. Nach Darstellung der Firma hatte Spahn persönlich mehr als 350 Millionen Masken bei ihnen bestellt. Später sei die Kommunikation im Sande verlaufen, so das Unternehmen.Insgesamt gab das Bundesgesundheitsministerium für die Masken 5,9 Milliarden Euro aus. Viele von ihnen mussten aber vernichtet werden – weil sie bestimmte FFP2-Sicherheitsstandards nicht erfüllten oder das Haltbarkeitsdatum abgelaufen war. Nur 1,7 Milliarden Masken wurden letztlich verwendet – weniger als ein Drittel der georderten Menge.Spahn wurde ausserdem Vetternwirtschaft vorgeworfen. Das Gesundheitsministerium vergab den Auftrag für Lagerung und Auslieferung der Masken ohne reguläres Ausschreibungsverfahren. Den Zuschlag erhielt ein Speditionsunternehmen aus dem Münsterland, Jens Spahns Heimat. Der damalige Chef des Unternehmens sass zu der Zeit im Vorstand des CDU-Wirtschaftsrats. Zwar war der Logistiker später mit der Auslieferung der Masken überfordert; Schadenersatz verlangte Spahn jedoch nicht.Grüne und Linkspartei warfen Spahn deshalb vor, Parteifreunde begünstigt zu haben. Die CDU und die SPD argumentierten dagegen, es habe sich bei der Pandemie um eine historische Ausnahmesituation gehandelt. Wer in Krisen wichtige Entscheidungen treffe, dürfe später nicht verunglimpft werden, so seine Verteidiger.Schon jetzt sind durch die kopflose Maskenbeschaffung enorme Kosten entstanden, weitere Klagen sind hängig. Laut Schätzungen könnte sich der Gesamtschaden inklusive Zinsen sowie Rechts- und Verfahrenskosten auf bis zu 3,5 Milliarden Euro belaufen.Unklare Finanzierung der Berliner VillaEbenfalls im Pandemiejahr 2020 kauften sich Spahn und sein Mann Daniel Funke im Berliner Ortsteil Dahlem eine Villa für etwa vier Millionen Euro. Die Finanzierung der Immobilie warf viele Fragen auf, auch weil Spahn bereits zuvor drei Wohnungen erworben hatte.Zum Zeitpunkt des Kaufs war Spahn Bundesgesundheitsminister. Doch schon damals stand fest, dass die schwarz-rote Koalition nur noch ein Jahr bestehen würde. Es war also ungewiss, ob Spahn in den kommenden Jahren genug verdienen würde, um die Kredite zu bedienen. Sein Mann war damals für den Burda-Verlag tätig, inzwischen arbeitet der Medienmanager für den Modehändler Peek & Cloppenburg. Auf den ersten Blick war damals auch bei ihm nicht ersichtlich, wie er die notwendigen finanziellen Mittel für den Hauskauf aufbringen konnte.Trotzdem erhielt das Paar einen ungewöhnlich hohen Kredit der Sparkasse Westmünsterland: Laut einem Bericht des «Tagesspiegels» finanzierte sie den Kauf offenbar komplett. Normalerweise verlangen Banken einen Eigenanteil von 10 bis 15 Prozent der Kaufsumme. Auch die Wahl des Geldinstituts war pikant: Von 2009 bis 2015 sass Spahn im Verwaltungsrat der Sparkasse Westmünsterland. Bald hiess es, der Kauf der Villa werde unter anderem über Spahns Mann finanziert, dessen Vater seinem Sohn ein Vermögen vererbt habe. Später sagten Spahn und Funke dem «Spiegel», dass dies nicht stimme.Im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Villenkauf setzte Spahn bald auch seine Anwälte in Bewegung. Später urteilte jedoch das Oberlandesgericht Hamburg, dass er kritische Berichte hinzunehmen habe: «Politische Führungspersonen müssen sich als Repräsentanten des Staates schon grundsätzlich eine kritische Befassung mit ihren finanziellen Verhältnissen gefallen lassen», schrieb das Gericht. Inzwischen haben Spahn und sein Mann die Villa verkauft.Abendessen mit heiklen SpendenIm Oktober 2020 geriet Spahn wegen eines Abendessens in Leipzig in die Kritik, an dem zwölf Gäste, unter ihnen viele Unternehmer, teilgenommen hatten. Bei dem Treffen wurden die Gäste dazu ermuntert, den Bundestagswahlkampf des CDU-Politikers durch Spenden an Spahns Kreisverband in Borken zu unterstützen. Als Richtwert wurden 9999 Euro genannt – damit lag der Betrag knapp unter der Schwelle von 10 000 Euro, ab der Parteispenden im offiziellen Rechenschaftsbericht namentlich veröffentlicht werden müssen.Politiker von SPD und Grünen sowie die Organisation Transparency International Deutschland warfen Spahn daraufhin vor, die Summe gezielt genannt zu haben, um die Transparenzregeln formal einzuhalten, sie aber faktisch zu umgehen. Tatsächlich gingen nach dem Essen mehrere Spenden im CDU-Kreisverband Borken ein. Spahns Büro lehnte es aber ab, die Namen der Geldgeber oder die Teilnehmer des Essens zu nennen.Doch nicht nur die Handhabung der Spendenhöhe rief Verärgerung hervor, auch der Zeitpunkt des Treffens war brisant: Es fand inmitten der zweiten Corona-Welle statt. Als Bundesgesundheitsminister hatte Spahn zuvor vor privaten Treffen gewarnt und die Bürger dazu aufgerufen, unnötige Reisen zu meiden. Einen Tag nach dem Essen wurde Spahn selbst positiv auf das Coronavirus getestet.Passend zum Artikel
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