Wer sich in den vergangenen zehn Jahren nicht mit Autos beschäftigt hat, wird vermuten, dass unter der riesigen Motorhaube dieses Cadillac-SUV eine V8-Maschine sitzt. Die Zeiten ändern sich. Cadillac, die Edelmarke des amerikanischen Autoriesen General Motors, setzt vorerst nur noch auf Elektro. An der Spitze der Modellpalette thront der 5,21 Meter lange, mit Spiegeln 2,20 Meter breite und 2,9 Tonnen schwere Vistiq. Der hat zwei Motoren, zusammen schicken sie bis zu 646 PS und 880 Newtonmeter Drehmoment an alle vier Räder.Kommen wir gleich zur größten Überraschung, die uns der dicke Caddy bereitete: das unerwartet sportliche und agile Fahrverhalten. Während schneller Landstraßenfahrt ist kaum etwas vom immensen Gewicht zu spüren, die adaptive Luftfederung und die Hinterachslenkung tragen zum guten Gesamteindruck bei, auch die Bremsen bewältigen ihre gewaltige Aufgabe eindrucksvoll. Dazu kann der Koloss in 4,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen, die Spitzengeschwindigkeit beträgt 210 km/h.33 Zoll, sagt Cadillac. Ist ein wenig gemogelt, es sind mehrere Displays verbaut.HerstellerSo schnell sind wir aber nur einmal kurz gefahren, der Reichweite wegen. Sie wird mit 460 Kilometer angegeben, ausgehend von einem Normverbrauch von 22 kWh auf 100 Kilometer. Im Schnitt notierten wir 26,0 kWh bei meist zurückhaltender Fahrweise, das macht mit der 91-kWh-Batterie (netto) Etappen von knapp 350 Kilometer möglich. Eine kleine Enttäuschung ist die Ladegeschwindigkeit von nur 130 kW an der Gleichstromsäule. Das können andere in der Preisklasse viel besser. So dauert es rund 40 Minuten, um von zehn auf 80 Prozent Ladestand zu kommen. Erwähnung verdient noch die „Handbremse“. Mit einem Schalter am Lenkrad kann das Tempo bis zum Stillstand reduziert werden. Danach bleibt der Vistiq auch stehen. Wird mit dem Fuß abgebremst, rollt der Wagen nach Halt und dem Lösen der Stopper los, sozusagen mit Standgas.Alles flachlegen, dann reicht es für einen UmzugBei der immensen Außenlänge und einem Radstand von 3,09 Meter dürfen im Vistiq fürstliche Platzverhältnisse erwartet werden, und eine mehr als gute Ausstattung sowieso. Die lässt schon der Grundpreis von knapp 100.000 erwarten. Der Testwagenpreis betrug 110.500 Euro. Nun, es gibt drei Sitzreihen, hinter der dritten Reihe verbleibt ein Stauraum von 297 Litern, plus 61 im Boden. Die Lehnen der Sitze sechs und sieben können elektrisch gefaltet werden, es entsteht eine ebene Ladefläche von mindestens 1,25 Meter Länge. Was fehlt, ist eine Gepäckraumabdeckung. Auch die vielfach verstellbaren Einzelsitze in der zweiten Reihe lassen sich falten, und dem kleinen Umzug steht nichts mehr im Weg. Die Länge des Laderaums wächst auf 2,10 Meter.Für den fürstlichen Grundpreis können fürstliche Platzverhältnisse erwartet werden.HerstellerWie es sich für einen Cadillac gehört, ist der Vistiq üppig ausstaffiert, angefangen mit dem Glasdach, dessen vordere Hälfte sich öffnen lässt. Der Fahrer blickt auf ein leicht gebogenes Display, das in verschiedene Bereiche unterteilt ist. Alle gängigen Assistenten sind an Bord, wem das Einparken zu schwierig erscheint, kann es den Systemen überlassen. Das Klima wird über einen kleinen Monitor unten am Mitteltunnel geregelt. Die Qualität der verbauten Materialien ist hoch, alles fasst sich prima an.Etwas klein ist die Bildausgabe der Rückfahrkamera, auch die Apple-Navigations-Karte ist wesentlich kleiner und weniger attraktiv als die bordeigene, auf Google basierende Karte. Die doppelte Handyladeschale liegt zu tief unten, so vergisst man es gern im Wagen. Die Rundumsicht ist gut, der klassische Innenspiegel gibt eine gute Rücksicht, der kamerabasierte Innenspiegel ist eigentlich überflüssig. Den bräuchte man vielleicht, wenn sechs oder sieben Personen im Wagen sitzen.Drohendes ÜbergewichtAber Obacht, voll besetzt ist das große Schiff schnell überladen. 2944 Kilo wiegt es leer, 3465 Kilo beträgt das zulässige Gesamtgewicht. Auch mit vier Mann und viel Gepäck kann es eng werden.Cadillac vertreibt den Vistiq sowie die kleineren SUV Lyriq und Optiq mehr oder weniger online, es gibt aber einige Stores mit Autos zum Anfassen, zum Beispiel in der Frankfurter Innenstadt.
Cadillac Vistiq im Test: Elektrisches SUV im Angebot
Für diesen Wagen braucht es fast schon einen Lkw-Führerschein. Fast drei Tonnen wiegt das batterieelektrische SUV Vistiq von Cadillac. Zum Glück fährt das schwere Metall wider Erwarten ziemlich leichtfüßig.










