Deutschland ist eine Grillnation. Sobald es das Wetter erlaubt, treibt es die Germanen an den Grill. Und wie das Wandern, das Skatspielen und das Mülltrennen betreiben sie auch die Zubereitung von Nahrungsmitteln über offenem Feuer mit heiligem Ernst und einer Akribie, die ihresgleichen sucht. Natürlich sind sie längst nicht die Einzigen, die an offenem Feuer und glühenden Kohlen ihre Bestimmung finden. Auch anderswo wird diese archaische Form des Garens zelebriert: Die Amerikaner haben ihr BBQ, die Südafrikaner ihr Braai, die Australier ihr Barbie. Aber die deutsche Gründlichkeit und Leidenschaft wird höchstens von den Argentiniern übertroffen. Denn die zelebrieren ihr Asado mit Inbrunst wie eine Religion – aber dazu später.Wenn es halbwegs warm und trocken ist, machen sich die Deutschen – und damit sind in den allermeisten Fällen immer noch die Männer gemeint – ans Werk. Sie bringen die Holzkohle und die Gasbrenner zum Glühen und belegen die heißen Roste mit Würsten, Nackensteaks und Schweinebauchfackeln. Kartoffeln und Gemüse werden dann in Alufolie gewickelt, und wenn es ganz verrückt wird, kommen ein Stück Lachs und ein paar Garnelen in einer Aluschale dazu. Einmal davon abgesehen, dass Alu-Produkte beim Grillen gesundheitlich sehr bedenklich sind und deshalb auf die schwarze Liste jedes Grillmeisters gehören: Es gibt so viel mehr Möglichkeiten als die genannten Klassiker, um am Grill satt und glücklich zu werden.Allerdings, und auch das gehört zur Wahrheit, ist in Sachen Grillen inzwischen fast alles gesagt. Die Literatur für Freunde des Freiluftbrutzelns ist unüberschaubar, in manchen Buchhandlungen gibt es eigene Regale nur für Grill-Bücher, jedes Jahr kommen neue Grill-Fibeln auf den Markt. Wirklich Neues bieten allerdings die wenigsten Werke, meistens enthalten sie Standardrezepte und ein paar Tipps zur nötigen Ausstattung und Technik. Das Rad neu erfunden haben auch die Autoren der folgenden drei, in diesem Jahr erschienenen Grill-Bücher nicht. Aber sie offerieren doch einige neue Blickwinkel und kreative Rezepte jenseits des Standards.Burger und Spieße statt Klassiker„BBQ“ von Jamie OliverF.A.Z.Nehmen wir zum Beispiel Jamie Oliver und sein Buch „BBQ – einfach genial grillen“: Der vor 25 Jahren als unkonventioneller „Naked Chef“ mit Kochsendungen und Büchern international berühmt gewordene Engländer ist zwar inzwischen 51 Jahre alt, ein bisschen marktschreierisch sind seine Auftritte und Werke aber immer noch. Auch auf den 256 Seiten seines Grill-Buches ist er ständig zu sehen: beim Schnippeln, Brutzeln, Essen und natürlich beim Anrichten mit den Fingern, seinem alten Markenzeichen. Das mag den einen oder die andere nerven, aber seine Rezeptideen sind trotzdem durchweg zu loben.Oliver verzichtet vollkommen auf Klassiker und konzentriert sich auf Salate, Burger und Spieße, vom Hähnchen-Chorizo-Spieß über Lamm-Köfte, Wurst-Spieße und Schweine-Kebabs bis zum scharfen Sriracha-Tofu- und einem ungewöhnlichen Halloumi-Erdbeer-Spieß. Das ist tatsächlich originell, wie im Übrigen auch sein Kapitel zum Barbecue-Frühstück, das natürlich aus weit mehr besteht als Speck und auf dem Grill gekochten Baked Beans. Wer also auf der Suche nach ein paar neuen Ideen ist, der wird bei Jamie Oliver sicher fündig.Alles zum Thema Asado„Gaucho“ von Anthony EkizianPrestelGanz anders als Oliver nähert sich Anthony Ekizian dem Thema. Sein Buch „Gaucho“ ist kein Grill-Buch im engeren Sinne, sondern, wie der Untertitel schon sagt, ein Argentinien-Kochbuch. Aber weil das Grillen im Land der Gauchos nun einmal ein zentraler Teil des Nationalcharakters ist, widmet sich der Franzose, der in London lebt und in Großbritannien eine argentinische Restaurantkette namens „Gaucho“ leitet, besonders ausführlich dem Thema Asado.Er beschreibt die Geschichte der Rinderzucht in der Pampa, erklärt alle Einzelheiten, die bei einem Asado zu bedenken sind, erläutert Fleischzuschnitte, Garmethoden und Garpunkte, bietet Rezepte für Soßen wie Chimichurri und Malbec-Jus sowie Beilagen wie Käsekroketten und Mais-Palmenherzen-Salat – und lässt sich am Ende sogar über passende Weine und Drinks aus. Alles in einem No-Nonsens-Ton ohne Schnickschnack, trotzdem schön fotografiert und verständlich beschrieben: ein klassisches Kochbuch für Argentinien-Fans und Asado-Freunde.Ideen für Outdoorfans„Draußen zusammen am Feuer“ von Manuel WeyerF.A.Z.Um das Garen über offenem Feuer dreht sich auch das Buch „Draußen zusammen am Feuer“ von Manuel Weyer. Dass es aber nicht allein das Werk von „Manu“, wie sich der Koch, Foodstylist und Autor im Vorspann vorstellt, sondern zu einem entscheidenden Teil auch der Firma Petromax ist, wird schon beim ersten Durchblättern der insgesamt 240 Seiten klar. Auf jeder zweiten Seite sind die Produkte des Outdoorherstellers penetrant in Szene gesetzt, von der Feuerstelle aus Edelstahl bis zum Schwenkgrill, von der Kühlbox bis zur Grillpfanne. Und das nicht nur im ausführlichen, sehr detailreichen Theorie- und Technikteil des Buches, sondern auch anschließend bei den Rezepten.Die wiederum decken ein breites Spektrum ab: von Porridge und Bananen vom Grill im Kapitel „Frühstück“ über Roast Ribs oder Tandoori Drumsticks im Teil „Fleisch & Geflügel“ oder Flammlachs und Miesmuscheln unter der Überschrift „Fisch & Meeresfrüchte“ bis zum Apfel-Kirsch-Crumble in der Sektion „Süßes, Brot & Brötchen“. Das ist ein weiter Bogen. Und selbst erfahrene Hobbyköche und Griller mögen sich fragen, ob man Kalbsrahmgulasch, Hühnersuppe, Steinbutt oder Milchreis tatsächlich über offenem Feuer zubereiten muss. Wer es ausprobieren möchte, wird sich über die gut verständlichen Anleitungen von Manuel Weyer freuen, alle anderen über die insgesamt mehr als 80 Rezeptideen, die zu einem großen Teil auch in der heimischen Küche funktionieren sollten.