Rettet uns das Tagträumen? Warum es sich lohnt, an das Gute zu glauben, zeigt eine neue Anthologie zur utopischen Gegenwartsdichtung.

Dem Utopischen der Gegenwart nähert man sich in der Gedichtsammlung aus verschiedenen Blickwinkeln

Paul-Philipp Braun/imago

Es gibt Orte, die nur in Gedanken existieren. Utopien sind solche Nicht-Orte, die immer nur verheißen, aber nie real werden. Und doch steckt im Utopischen ein Aufbruch, ein Umdenken, ein Freilegen der Möglichkeiten. Mit „Utopia“ verfasste Thomas Morus das literarische Fundament einer Gemeinschaft der Guten und Gerechten. Dass utopisches Denken auch fehlbar, brüchig, unvollständig sein kann, zeigt eine neu erschienene Anthologie zur utopischen Gegenwartsdichtung, herausgegeben vom Literaturwissenschaftler Björn Hayer, der mitunter auch in der taz publiziert.

„Aus einer geschützten Ecke heraus läßt du den Raum entstehen“ lautet der Titel des Bands mit knapp 100 Gedichten. Sie führen von den Ursprüngen der Utopie bis in die Zukunft, die zwischen den Zeilen beginnt. „szenisch gesehen ist der anfang absturz“, schreibt der Gegenwartslyriker Alexander Kappe in seinem Gedicht „sache mit drache“. Ist das Ende dann ein Höhenflug? Fragt man sich im Umkehrschluss.